Hormus-Blockade: Düngemittel und globale Lieferketten in Gefahr

Hormus-Blockade: Düngemittel und globale Lieferketten in Gefahr

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Die Blockade der Straße von Hormus, einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten, hat weitreichende Folgen, die weit über die Öl- und Gasmärkte hinausgehen. Insbesondere der globale Düngemittelhandel ist massiv betroffen, was zu erheblichen Preissteigerungen und Warnungen vor einer drohenden Ernährungsunsicherheit führt. Doch auch andere Schlüsselindustrien wie Petrochemie und Aluminium spüren die Auswirkungen der gestörten Lieferketten.

Hormus-Blockade: Düngemittelmarkt unter Druck

Rund ein Drittel des weltweiten Seetransports von Düngemitteln verläuft durch die Straße von Hormus, die seit Beginn des Iran-Krieges und den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar 2026 stark beeinträchtigt ist. Der Schiffsverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen, und mehrere Schiffe wurden in oder nahe der Wasserstraße von Projektilen getroffen. Diese Störungen haben die Preise für Düngemittel, von denen ein Großteil im Nahen Osten produziert wird, drastisch ansteigen lassen.

Analysten berichten, dass die Kosten für FOB granularen Harnstoff in Ägypten, ein wichtiger Indikator für Stickstoffdünger, von 400 bis 490 US-Dollar pro Tonne vor dem Krieg auf rund 700 US-Dollar gestiegen sind. Oxford Economics' Alpine Macro stellte fest, dass die Preise für Harnstoff und Ammoniak seit Kriegsbeginn um etwa 50 % bzw. 20 % zugenommen haben. Auch andere Düngemittel wie Kali und Schwefel verzeichneten Preisanstiege.

Stickstoffdünger: Unverzichtbar für die Ernte

Der Nahe Osten ist ein besonders großer Exporteur von Harnstoff- und Stickstoffprodukten. Chris Lawson, VP of Market Intelligence and Prices bei CRU, schätzt, dass etwa 30 % der exportierbaren Lieferungen, darunter Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und der Iran, derzeit nicht auf dem Markt verfügbar sind. Der Iran selbst ist ein wichtiger Produzent von stickstoffbasierten Düngemitteln und gehört zu den größten Exporteuren weltweit.

Dawid Heyl, Co-Portfoliomanager der Global Natural Resources Strategie bei Ninety One, betont die kritische Rolle von Stickstoffdüngern wie Harnstoff: "Man kann eine Saison Kali auslassen, man kann eine Saison Phosphate auslassen, aber man kann keine Saison Stickstoff auslassen." Stickstoff ist der Hauptnährstoff, den Pflanzen zum Wachstum benötigen. Da die Landwirte auf der Nordhalbkugel in die entscheidenden Frühlingsmonate eintreten, in denen die Felder gedüngt werden müssen, trifft die Angebotsverknappung auf eine zyklische Nachfrage. Harnstoff wird für den Anbau verschiedener Kulturen wie Mais, Weizen, Raps sowie Obst und Gemüse verwendet.

Weitreichendere Auswirkungen als der Ukraine-Krieg

Experten befürchten, dass die aktuelle Krise schwerwiegendere Folgen haben könnte als der Russland-Ukraine-Krieg vor vier Jahren. Dawid Heyl äußerte sich besorgt: "Das hier fühlt sich für mich an, als könnte es schlimmer sein, weil es wirklich Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Erträge in vielen Regionen und bei den wichtigsten Kulturen wie Mais und anderen großen haben könnte."

Sarah Marlow, Global Head of Fertiliser Pricing bei Argus, stimmt dem zu. Sie erklärte, dass fast 50 % des weltweit gehandelten Schwefels, etwa ein Drittel des Harnstoffs und fast 25 % des Ammoniaks aus dieser Region stammen. Die Krise betreffe mehrere Produzenten gleichzeitig, darunter Saudi-Arabien, Kuwait, Katar, Iran und die VAE, was die Situation komplexer mache als die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. Die Produktion von Düngemitteln leidet zudem unter fehlenden Lagermöglichkeiten und der Abschaltung einiger Energieanlagen, wie der Entscheidung von QatarEnergy, die nachgelagerte Harnstoffproduktion einzustellen. Auch China hat Exportbeschränkungen für Düngemittel eingeführt, um den heimischen Markt zu schützen.

Sorgen um die globale Ernährungssicherheit

Obwohl die Märkte Anfang 2026 mit relativ hohen Lagerbeständen an Grundnahrungsmitteln in die Krise gingen, was als Puffer dienen könnte, sind die Sorgen um die Ernährungssicherheit groß. Dawid Heyl prognostiziert, dass ein hypothetischer Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge um 5 % in diesem Jahr zwar nicht zu Hunger, aber sicherlich zu Lebensmittelinflation führen würde.

Besonders betroffen wären ärmere Länder und Schwellenländer, die stark von Getreideimporten abhängig sind, wie einige afrikanische Nationen und Indien. Indien importiert sowohl Stickstoffdünger als auch Erdgas für die heimische Produktion. Auch die USA sind nicht vollständig von einem Düngemittelpreisschock isoliert, da das Land trotz eigener Produktion keine Selbstversorgung bei Stickstoffdüngern erreicht hat.

Dominoeffekt auf weitere Schlüsselindustrien

Die Störung des Handels durch die Straße von Hormus wirkt sich laut einem Bericht von UBS nicht nur auf Öl und Gas aus, sondern auch auf zahlreiche andere Schlüsselindustrien, die von Rohstoffen aus dem Nahen Osten abhängig sind. Die Region des Golf-Kooperationsrates (GCC) ist für über 10 % der weltweiten Exporte von rund 13 Warengruppen verantwortlich.

Sektoren wie die Automobilindustrie, die Chemiebranche, die Metallurgie sowie Hersteller von Haushalts- und Körperpflegeprodukten sind stark betroffen. Das Hauptproblem ist oft nicht nur ein Anstieg der Inputkosten, sondern die physische Nichtverfügbarkeit wichtiger Materialien, die Produktionsprozesse unrentabel machen kann. Die Automobilindustrie ist auf chemische und metallbasierte Inputs angewiesen, die Chemieindustrie auf Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte, und die Metallurgie auf spezifische Rohmaterialien aus der Region.

Aluminiummarkt unter Schock

Auch der globale Aluminiummarkt ist von der Blockade stark betroffen. Der Nahe Osten produziert etwa 9 % der weltweiten Aluminiumproduktion, im Jahr 2025 waren es geschätzte 6,159 Millionen Tonnen Primäraluminium. Schmelzereien in der Region können das Metall weder exportieren noch das für die Produktion unerlässliche Rohmaterial Aluminiumoxid importieren.

Analysten in Europa warnen, dass eine längere Störung das Defizit auf dem europäischen Aluminiummarkt vertiefen könnte, da Europa etwa 20 % seiner Importe aus der MENA-Region bezieht. Unternehmen wie Aluminium Bahrain (Alba) mussten bereits drei Schmelzlinien stilllegen, was etwa 19 % ihrer Kapazität entspricht, und Force Majeure für ihre Verträge erklären. Diese Störungen haben die Aluminiumpreise an der London Metal Exchange auf 3.546,50 US-Dollar pro Tonne getrieben – ein Rekordhoch seit fast vier Jahren.

Geopolitische Verschiebungen und Profiteure

Die anhaltende Schließung der Straße von Hormus könnte die Weltwirtschaft in eine Krise stürzen und eine globale Stagflationsperiode auslösen. Die Kaskade von Effekten könnte die geopolitische Einflussnahme Chinas und Russlands auf betroffene Lieferketten stärken, während Verbraucher weltweit, einschließlich in den Vereinigten Staaten, darunter leiden.

Im Petrochemiebereich könnte China neue Engpässe etablieren, da es Zugang zu reichlich Strom hat und Russland ein wichtiger Lieferant ist. Während Südkorea, Taiwan und Japan ihre stromintensiven Petrochemieanlagen aufgrund von LNG-Engpässen möglicherweise drosseln müssen, könnten chinesische Unternehmen Teile der Lieferkette konsolidieren. Die Krise in der Straße von Hormus zeigt einmal mehr, wie vernetzt die globalen Lieferketten sind und wie schnell lokale Konflikte weitreichende globale Auswirkungen haben können.

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