
Hormus-Krise: Globale Energieversorgung am Scheideweg – Ölpreise und Schifffahrt unter Druck
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Der globale Energiemarkt befindet sich in einer tiefgreifenden Krise, da die Straße von Hormus, eine entscheidende maritime Engstelle, seit dem 2. März 2026 weitgehend blockiert ist. Dies hat zu einem drastischen Rückgang des Schiffsverkehrs, explodierenden Ölpreisen und erheblichen Unsicherheiten für die weltweite Energieversorgung geführt. Experten sehen eine Normalisierung erst nach einem signifikanten Ende des Konflikts zwischen den USA und Iran.
Die Straße von Hormus: Ein globaler Engpass in der Krise
Die aktuelle Krise ist die Folge einer mehrjährigen diplomatischen Eskalation im Nahen Osten. Nach dem Scheitern von Atomverhandlungen im Jahr 2025 und verdeckten Angriffen auf iranische Anreicherungsanlagen erreichten die Spannungen am 28. Februar 2026 einen Höhepunkt, als die USA und Israel die "Operation Epic Fury" starteten – eine massive Luftkampagne gegen iranische Führungspersönlichkeiten und Militärzentren. Als Reaktion darauf begann die iranische Marine am 2. März 2026 mit der Verminung der Straße von Hormus und dem Einsatz von "Schwarm"-Drohnentaktiken gegen Handelsschiffe.
Die Straße von Hormus, ein schmaler Engpass zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel, ist von entscheidender Bedeutung für die globale Energieversorgung, da sie normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und 25 % des Flüssigerdgases (LNG) transportiert. Seit Beginn des Konflikts sind die täglichen Durchfahrten durch die Straße laut dem Schifffahrtsdatenunternehmen Kpler um 90 % bis 95 % zurückgegangen. Andere Tracking-Dienste wie Vortexa, Windward und S&P Global berichten von lediglich 3 bis 8 Schiffen an aktiven Tagen, verglichen mit 138 bis 153 Schiffen vor der Krise.
Hunderte von Tankern, darunter etwa 130 Rohöl- und Heizöltanker sowie 210 Tanker für raffinierte Produkte, sind im Persischen Golf gefangen oder warten in der Golfregion und im Golf von Oman. Bis Mitte März wurden 21 Handelsschiffe getroffen oder beschlagnahmt, was die großen Reedereien dazu veranlasste, den Transit vollständig einzustellen. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) haben die Wasserstraße offiziell für den gesamten kommerziellen Verkehr gesperrt und warnen Schiffe per Funk, dass keine Durchfahrt ohne Genehmigung erlaubt sei.
Explodierende Kosten und die wahren Gründe für den Stillstand
Mit dem weitgehenden Stillstand der Lieferungen sind die Ölpreise in die Höhe geschnellt. Der internationale Brent-Rohöl-Benchmark wurde am Freitag bei fast 113 US-Dollar pro Barrel gehandelt – ein Anstieg von über 50 % gegenüber dem Vorkriegsniveau. Aktuell bewegt sich der Brent-Preis im Bereich von 100 bis 111 US-Dollar, wobei ein geopolitischer Risikoprämie von geschätzten 18 bis 25 US-Dollar pro Barrel eingepreist ist. In den USA sind die Benzinpreise auf bis zu 5 US-Dollar pro Gallone gestiegen, und einige asiatische Länder, die besonders stark von Öl aus dem Nahen Osten abhängig sind, befürchten Engpässe.
Die Kosten für Seeversicherungen in der Straße von Hormus sind ebenfalls explodiert. Spezialisierte Versicherungen für Tanker, die die Wasserstraße passieren wollen, können jetzt zwischen 3,5 % und 10 % des Gesamtwertes des Schiffes kosten, verglichen mit 1 % bis 2 % in der ersten Kriegswoche und einem Bruchteil eines Prozents vor Kriegsbeginn. Laut David Smith, Leiter der Seeversicherungsabteilung bei McGill and Partners in London, deckt diese Art der Versicherung Schäden am Tanker selbst sowie die Kosten für die Bewältigung einer Ölkatastrophe ab.
Experten betonen jedoch, dass die extrem hohen Versicherungskosten nicht der Hauptgrund sind, warum Tanker die Straße von Hormus nicht passieren wollen. Vielmehr halten Sicherheitsrisiken und der Wunsch, die Besatzungen vor Gefahren zu schützen, die Schiffe zurück. Matt Wright, leitender Frachtanalyst bei Kpler, erklärte: "Man kann versichert sein, aber das bedeutet nicht, dass man sich nicht immer noch massiv Sorgen macht, sein Schiff oder seine Besatzung zu verlieren oder eine Ölkatastrophe zu verursachen." David Smith fügte hinzu: "Die Versicherung ist nicht der Türsteher. Es ist immer noch die Zurückhaltung, ein Vermögenswert und Menschenleben aufs Spiel zu setzen, die sich dafür nicht angemeldet haben."
Diplomatische Bemühungen und militärische Optionen
Die Trump-Regierung hat die Idee militärischer Geleitschutz für Schiffe in der Straße von Hormus ins Spiel gebracht. US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete dies als "Notwendigkeit nach dem Konflikt", und Präsident Trump schlug vor, dass andere Länder, die stärker vom Öl des Nahen Ostens abhängig sind als die USA, eine Rolle beim Schutz der Schiffe spielen sollten. Experten sind jedoch skeptisch, ob dies während aktiver Kampfhandlungen realistisch ist. Matt Wright von Kpler meint: "Ich glaube nicht, dass ein Marinekonvoi eine realistische Möglichkeit ist, solange wir dieses aktuelle Ausmaß an Angriffen haben."
Die Idee des Geleitschutzes ist nicht neu; vor fast 40 Jahren, am Ende des Iran-Irak-Krieges, eskortierte die US-Marine kuwaitische Öltanker. Doch Ellen Wald, Energie- und Geopolitikberaterin, weist darauf hin, dass "es nicht mehr die 1980er Jahre sind, und die Dinge sind etwas ausgefeilter." Die größte Bedrohung für Schiffe sind heute Drohnen und ballistische Raketen, nicht mehr die iranischen Seestreitkräfte.
Die USA haben Iran Berichten zufolge einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung der Feindseligkeiten im Nahen Osten angeboten, der auch einen einmonatigen Waffenstillstand vorsieht. Die Verhandlungen werden als laufend beschrieben, aber Fortschritte sind schwer zu bestätigen. Auch der UN-Sicherheitsrat verhandelt über Resolutionen zum Schutz der Straße, wobei einige Nationen wie Bahrain eine forceful Haltung einnehmen, die den Einsatz "aller notwendigen Mittel" zur Sicherung der Wasserstraße autorisieren würde.
Die Herausforderungen sind immens, wie die Erfahrungen im Roten Meer zeigen, wo ähnliche Bemühungen gegen die jemenitischen Huthi-Rebellen Milliarden von Dollar kosteten und letztendlich scheiterten. Der ehemalige Konteradmiral Mark Montgomery, der 1988 an US-Tanker-Eskorten beteiligt war, betonte, dass "Konvoioperationen in der Straße von Hormus deutlich anspruchsvoller sind als im Roten Meer."
Ein langsamer Weg zur Normalisierung
Experten sind sich einig, dass die Schifffahrt und die Versicherungsraten in der Straße von Hormus erst dann wieder normal werden, wenn es einen Waffenstillstand oder ein klares Ende des Krieges gibt. Daniel Sternoff, Analyst bei Energy Aspects, erklärte: "Iran hat hier ein Mitspracherecht, und Iran muss einem Waffenstillstand zustimmen." Ein kommerzieller Seeversicherer bestätigte, dass "Prämien das Risiko widerspiegeln, was bedeutet, dass sie in der Konfliktzone wahrscheinlich nicht wesentlich sinken werden, bis die aktiven Feindseligkeiten eingestellt sind."
Selbst nach einem Waffenstillstand wird es einige Zeit dauern, bis die Lieferungen wieder anlaufen. Matt Wright von Kpler schätzt, dass die Ölexporte aus der Region bis etwa Juli ihr früheres Niveau erreichen könnten, wenn der Krieg bis April oder Mai dieses Jahres beendet wird. Die im Persischen Golf wartenden Schiffe würden nicht alle auf einmal auslaufen, sondern schrittweise, wobei eine "Beobachten-und-Abwarten-Kohorte" von risikobereiteren Reedern folgen würde.
Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass einige arabische Staaten ihre Produktion gedrosselt haben. Ölquellen können nicht sofort wieder in Betrieb genommen werden; dies könnte zwei bis drei Monate dauern, so Rohit Rathod, leitender Ölmarktanalyst bei Vortexa. Die Ölproduzenten müssten zudem ausreichend Vertrauen in einen Waffenstillstand haben, um die Produktionsstopps zu beenden. Eine vorübergehende Waffenruhe würde nicht ausreichen, wenn das Risiko einer Wiederaufnahme des Krieges besteht.
Die Wiederherstellung der Flüssigerdgas-Exporte auf Vorkriegsniveau könnte noch länger dauern, da die Anlagen in Katar, dem größten LNG-Produzenten der Region, durch iranische Angriffe stark beschädigt wurden. Saad al-Kaabi, CEO des staatlichen Unternehmens QatarEnergy, teilte Reuters mit, dass 17 % der Exportkapazität offline sind und Reparaturen drei bis fünf Jahre dauern könnten.
Selektive Passagen und Irans Strategie
Trotz des anhaltenden Konflikts passieren immer noch einige Schiffe die Straße von Hormus. Daten von Kpler zeigen, dass in den letzten Wochen durchschnittlich etwa fünf Schiffe pro Tag die Straße durchquerten. Einige dieser Schiffe sind mit Iran verbunden und ermöglichen dem Land, trotz des Krieges weiterhin Öl zu verkaufen.
Andere Schiffe scheinen mit Genehmigung Irans die Wasserstraße zu passieren. Die iranische Regierung hat diese Woche mitgeteilt, dass sie Schiffen aus einer Handvoll "freundlicher" Länder, darunter China, Indien und Pakistan, eine sichere Durchfahrt ermöglichen wird. Berichten zufolge versucht Iran auch, ein "Mautsystem" einzurichten, bei dem hohe Gebühren von einigen Schiffen verlangt werden, die die Straße passieren wollen. Analysten wie Matt Wright sind jedoch skeptisch, dass Iran viele genehmigte Durchfahrten zulassen wird, da die Straße von Hormus ein wichtiges Druckmittel für Iran darstellt.
Am 8. und 9. März wurde Mojtaba Khamenei formell zum Obersten Führer ernannt. Er betonte in Erklärungen Kontinuität, Widerstand und die Nutzung der Straße als Druckmittel, was auf eine harte Haltung ohne sofortige Deeskalation hindeutet.
Ausblick auf die Ölpreise
Selbst wenn der Krieg endet, wird es einige Zeit dauern, bis die Öllieferungen wieder ansteigen. Daniel Sternoff von Energy Aspects prognostiziert, dass die Auswirkungen auf die Ölpreise "das ganze Jahr über im Vergleich zum Vorkriegsniveau spürbar sein werden, selbst wenn wir morgen früh einen vollständigen Waffenstillstand hätten."
Ellen Wald wies auf eine "riesige Diskrepanz zwischen dem physischen Markt und dem Finanzmarkt" hin. Die Ölversorgung sei viel knapper, als die Marktpreise widerspiegelten, und die Preise schienen sich dramatisch aufgrund von Erklärungen der Trump-Regierung oder des iranischen Regimes zu bewegen. Sie verglich die Situation mit einem Glücksspiel: "Es ist, als würde es von Leuten in Las Vegas betrieben."