
Hormus-Krise: Wie Coca-Cola und globale Lieferketten unter Druck geraten
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Die Eskalation des Iran-Krieges und die damit verbundenen Störungen in der Straße von Hormus werfen Fragen zur Stabilität globaler Lieferketten auf. Selbst scheinbar krisenfeste Unternehmen wie Coca-Cola (NYSE: KO) könnten von steigenden Kosten und regionalen Nachfrageschwankungen betroffen sein, während die Auswirkungen weit über die Getränkeindustrie hinausreichen.
Coca-Cola: Ein "Dividend King" unter Druck?
Coca-Cola, der weltweit größte Getränkehersteller, gilt oft als eine krisenfeste Aktie und hat seine Dividende 63 Jahre in Folge erhöht, was es zu einem "Dividend King" macht. Das Unternehmen verkauft lediglich Sirupe und Konzentrate, während unabhängige Abfüllpartner die fertigen Produkte herstellen und vertreiben. Dieses kapitalarme Modell ermöglicht es Coca-Cola, erhebliche Barmittel für konstante Dividendenzahlungen zu generieren. Trotz dieser Stärke könnten die aktuellen geopolitischen Spannungen die Geschäftsentwicklung beeinflussen.
Steigende Produktionskosten durch Ölpreise
Etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots passiert die Straße von Hormus. Die Störungen durch den Iran-Krieg treiben die Ölpreise weltweit in die Höhe, was wiederum die Herstellungs-, Verpackungs- und Transportkosten für Coca-Cola und seine Abfüllpartner erhöht. Obwohl Coca-Colas Lieferkette für Zucker, Wasser und andere lokal bezogene Zutaten nicht direkt betroffen ist, könnten die höheren Logistikkosten die Abfüllpartner zwingen, ihre Preise anzuheben, um ihre Margen zu erhalten.
Aluminium-Engpässe und Preisanstieg
Der Nahostkonflikt birgt zudem das Risiko von Lieferkettenstörungen bei Aluminium, da die Straße von Hormus eine wichtige Schifffahrtsroute für Metalle ist. Die USA beziehen fast 22 Prozent ihrer primären Aluminiumimporte aus den GCC-Ländern, was im November 2025 607.200 Tonnen entsprach. Insgesamt produzieren die Golfstaaten etwa 8-9 Prozent des globalen Aluminiums, wovon rund 85 Prozent exportiert werden. Die Aluminiumpreise sind im März 2026 auf ein 4-Jahres-Hoch von 3.500 US-Dollar pro Tonne gestiegen, zusätzlich zu den 50-prozentigen US-Zöllen auf importiertes Aluminium und Stahl, die seit dem 4. Juni 2025 gelten.
Der ehemalige Coca-Cola CEO James Quincey äußerte bereits, dass das Unternehmen Aluminium für Dosen aus Kanada importiert, um Preissteigerungen durch Zölle zu vermeiden, und erwägt, auf Plastikflaschen umzusteigen. Swire Pacific, ein wichtiger Abfüllpartner in Teilen Asiens, warnte ebenfalls, dass steigende Aluminiumpreise die Produktionskosten für Dosengetränke erhöhen könnten. Aluminium ist das Hauptmaterial für 75 Prozent der weltweiten Getränkedosenproduktion, und weitere Krisen könnten die Verfügbarkeit verschärfen, was Marken wie Coca-Cola zum Umstieg auf Plastik oder zu Preiserhöhungen zwingen könnte.
Preisgestaltung und regionale Auswirkungen
Im Jahr 2025 erzielte Coca-Cola 22,6 % seines operativen Umsatzes in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA), die damit nach Nordamerika (40,8 % des Umsatzes) die zweitgrößte Region war. Die organischen Umsätze in der EMEA-Region stiegen im selben Jahr um 6 %, was sie zur zweitschnellstwachsenden Region nach Lateinamerika (10 % Wachstum) machte. Der Iran-Krieg könnte das Wachstum in der EMEA-Region drosseln, indem er gleichzeitig die regionalen Preise in die Höhe treibt und die Konsumentennachfrage dämpft. Die Region trug 2025 31,2 % zum operativen Ergebnis von Coca-Cola bei, ein Prozentsatz, der schrumpfen könnte, wenn die regionalen Abfüller keine Möglichkeiten mehr sehen, Preise zu erhöhen.
Der US-Dollar und globale Währungseffekte
Coca-Cola generiert den Großteil seiner Einnahmen im Ausland. Ein schwächerer US-Dollar würde daher die Umsätze und Gewinne des Unternehmens steigern. Obwohl in einem stabilen Markt steigende Ölpreise den US-Dollar tendenziell schwächen, könnte die aktuelle Krise zu einer Stärkung des US-Dollars führen. Dies hätte Auswirkungen auf die internationalen Einnahmen des Unternehmens.
Globale Auswirkungen auf Lebensmittel und Düngemittel
Die Schließung der Straße von Hormus hätte weitreichende Folgen für die weltweite Lebensmittelversorgung. Bei einer länger als wenige Wochen andauernden Blockade wären deutlich höhere Öl-, Gas- und insbesondere Düngemittelpreise sowie daraus resultierende systemische Lebensmittel- und Ernteengpässe zu erwarten. Die Preise für Harnstoff sind seit Beginn der Krise bereits um ein Drittel bis die Hälfte gestiegen, da Saudi-Arabien, die VAE, Oman, Katar und Iran zwischen einem Viertel und einem Drittel der weltweiten Harnstoffproduktion sowie etwa ein Viertel des flüssigen Ammoniaks liefern. Fast all dies wird durch die Straße von Hormus verschifft.
Etwa die Hälfte der weltweiten Ernteerträge hängt von synthetischen Düngemitteln ab, deren Produktion stark von Erdgas als Energiequelle und Rohstoff abhängt. Die Erdgaspreise sind erheblich gestiegen, was die Herstellungskosten für Düngemittel weltweit in die Höhe treibt. Kleinbauern sind besonders preissensibel; bleiben die Düngemittelpreise hoch, werden sie weniger kaufen und somit geringere Ernteerträge erzielen, was wiederum zu höheren Preisen führt. Landwirte weltweit sehen sich einem dreifachen Kostendruck bei Düngemitteln, Treibstoff und Fracht gegenüber.