Hormus-Spannungen treiben Benzinpreise: Experten uneins über Dauer des Anstiegs

Hormus-Spannungen treiben Benzinpreise: Experten uneins über Dauer des Anstiegs

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Die Besorgnis über anhaltend hohe Benzinpreise wächst, da die Spannungen in der Straße von Hormus und der Konflikt im Nahen Osten die Energiemärkte weiterhin beeinflussen. Ökonom Justin Wolfers äußerte am Montag Bedenken hinsichtlich einer langfristigen Preissteigerung, während Energieminister Chris Wright eine vorsichtige Prognose abgab.

Spannungen im Persischen Golf treiben Ölpreise an

Die jüngste Eskalation der Spannungen im Persischen Golf, insbesondere nach einem Marinekonflikt im Golf von Oman, hat die Rohölpreise deutlich ansteigen lassen. Präsident Donald Trump gab auf Truth Social bekannt, dass US-Streitkräfte ein iranisches Containerschiff im Golf von Oman beschossen hätten, nachdem es versucht hatte, eine US-Seeblockade zu durchbrechen. Infolgedessen stieg der Preis für US-Rohöl um mehr als 7 % auf etwa 90 US-Dollar pro Barrel, während Brent-Rohöl um 5 % auf rund 95 US-Dollar pro Barrel kletterte.

Die Benzinpreise sind bereits seit dem Ausbruch des US-israelischen Krieges Ende Februar gestiegen. Laut AAA erreichten die Preise am 20. April 4,04 US-Dollar pro Gallone, gegenüber rund 3,00 US-Dollar Ende Februar. Der höchste Punkt der aktuellen Krise lag Anfang des Monats bei 4,16 US-Dollar pro Gallone, sank jedoch bis Sonntag leicht auf 4,05 US-Dollar.

Unterschiedliche Prognosen zur Preisentwicklung

Die Meinungen über die zukünftige Entwicklung der Benzinpreise gehen auseinander. Ökonom Justin Wolfers betonte in einem Post auf X, dass die Unsicherheit in der Straße von Hormus nicht nur die aktuellen Benzinpreise in die Höhe treibe, sondern auch die Futures bis 2027 und darüber hinaus. Wolfers zufolge könnte der Optimismus von Energieminister Chris Wright bereits "veraltet" sein. Er kommentierte: "Solange wir keine Lösung finden, werden teure Benzinpreise nicht so schnell verschwinden."

Energieminister Chris Wright äußerte sich am Sonntag auf CNN und sagte, die Benzinpreise könnten ihren Höhepunkt erreicht haben, würden aber bis nächstes Jahr über 3 US-Dollar pro Gallone bleiben. Er räumte ein, dass die Preise möglicherweise erst 2027 unter die 3-Dollar-Marke fallen könnten. Wright bot jedoch eine vorsichtige optimistische Note an: "Aber die Preise haben wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht, und sie werden sinken, sicherlich mit einer Lösung dieses Konflikts werden Sie sehen, dass die Preise sinken." Er argumentierte zudem, dass Benzin unter 3 US-Dollar pro Gallone inflationsbereinigt einen "ziemlich enormen Wert" darstelle.

Innerhalb der Trump-Administration gibt es ebenfalls unterschiedliche Einschätzungen. Finanzminister Scott Bessent prognostizierte letzte Woche, dass die Preise bis zum Sommer wieder im Bereich von 3 US-Dollar pro Gallone liegen würden. Präsident Donald Trump deutete an, dass erhöhte Preise bis November anhalten könnten.

Die Rolle der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus ist ein kritischer Engpass für den globalen Ölhandel und macht etwa ein Fünftel (20 %) der weltweiten Öllieferungen aus. Die US-Seeblockade iranischer Häfen, die am 13. April in Kraft trat, hat die Markterwartungen stark beeinflusst, Risikoprämien erhöht und die Unsicherheit über Energieflüsse geschürt. Obwohl es sich nicht um eine vollständige Schließung handelt, übt die Maßnahme erheblichen Druck aus.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte eine De-facto-Schließung der Straße von Hormus die größte Störung des globalen Ölmarktes in seiner Geschichte darstellen. Die IEA schätzt zudem, dass es im Nahen Osten bis zu zwei Jahre dauern könnte, die verlorene Energieproduktion wiederherzustellen.

Breite Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher

Die steigenden Energiepreise haben weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft. Energieimporteure in Asien und Europa tragen die Hauptlast höherer Kraftstoff- und Inputkosten. Auch Afrika und Lateinamerika sind betroffen, da höhere Importrechnungen auf bereits begrenzte fiskalische Spielräume treffen.

  • Verbraucher: Amerikanische Autofahrer sollten laut Chris Wright nicht mit einer schnellen Entlastung an der Zapfsäule rechnen. Eine Umfrage von CBS News/YouGov ergab, dass 51 % der Erwachsenen die Benzinpreise als "schwierig" oder "finanzielle Belastung" für ihre Familienfinanzen empfinden.
  • Industrie: Der Stahlsektor, der sehr energieintensiv ist, ist besonders betroffen. Steigende Öl- und Kraftstoffkosten wirken sich direkt auf Produktionskosten und Transportkosten für Rohstoffe und Fertigprodukte aus. Strom- und Gaspreise geraten zusätzlich unter Druck, was die Wettbewerbsfähigkeit der Stahlproduzenten, insbesondere in Europa, beeinträchtigt.
  • **Logistik und Lieferketten:** Die Instabilität in der Golfregion untergräbt den regulären Seeverkehr. Einschränkungen und Betriebsrisiken reduzieren die Transitfrequenzen durch die Straße von Hormus und zwingen Betreiber zu längeren und teureren alternativen Routen. Erste Anzeichen deuten auf Lieferverzögerungen von bis zu 20-25 Tagen hin. Die Frachtraten für den Seeverkehr haben sich in einigen Fällen verdreifacht.

Insgesamt führen die Spannungen und die daraus resultierenden Energiepreise zu höheren Preisen und einem langsameren Wachstum der Weltwirtschaft. Die Dauer des Konflikts und seine Ausbreitung werden entscheidend dafür sein, wie stark die Infrastruktur und die Lieferketten beeinträchtigt werden.

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