
Houthi-Angriff auf Israel: Nahost-Eskalation und globale Handelsrisiken
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Die jemenitischen Houthis haben am Samstag einen Raketenangriff auf Israel verübt. Dies markiert die erste Intervention der vom Iran unterstützten Miliz seit Beginn des U.S.-israelisch geführten Krieges gegen den Iran, der sich im zweiten Monat befindet, und birgt erhebliche Risiken für die globalen Handelsrouten und Energiemärkte.
Eskalation im Nahost-Konflikt
Der Houthi-Sprecher Yahya Saree bestätigte den Angriff in einem Post auf X und erklärte, die jemenitischen Streitkräfte hätten "die erste Militäroperation mit einer Salve ballistischer Raketen durchgeführt, die sensible israelische Militärstandorte zum Ziel hatten". Saree betonte, der Angriff diene der Unterstützung des iranischen Regimes und der Hisbollah-Kräfte im Libanon. Die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) identifizierten den Start einer Rakete aus dem Jemen in Richtung Israel und gaben an, die Bedrohung durch ihre Luftabwehr abgefangen zu haben. Sirenen ertönten in Beerscheba und umliegenden Gemeinden im Negev, doch gab es keine unmittelbaren Berichte über Opfer oder direkte Einschläge.
Dieser Schritt der Houthis stellt eine deutliche Eskalation des Konflikts dar, der am 28. Februar mit U.S.-amerikanischen und israelischen Luftangriffen auf iranische Ziele begann. Die Houthis haben geschworen, ihre Offensive fortzusetzen, bis ihre "Ziele erreicht" sind, und fordern ein Ende der Angriffe auf die "Achse des Widerstands", zu der vom Iran unterstützte Gruppen im Irak und Libanon gehören. Bereits am 1. August 2025 demonstrierten in Sanaa, Jemen, vorwiegend Houthi-Anhänger ihre Solidarität mit den Palästinensern.
Bedrohung für globale Handelsrouten
Analysten warnen, dass die Houthis versuchen könnten, den Seeverkehr durch die Bab el-Mandeb-Straße zu unterbinden. Diese strategisch wichtige Meerenge trennt die Arabische Halbinsel vom Horn von Afrika und ist ein Nadelöhr für Schiffe, die das Rote Meer und den Suezkanal erreichen wollen. Eine solche Blockade würde den Druck auf den Welthandel erheblich erhöhen.
Die Bab el-Mandeb-Straße war im ersten Halbjahr 2023 für schätzungsweise 12 % des weltweiten Seetransports von Öl und 8 % des Flüssigerdgas-Handels verantwortlich. Der dänische Reedereigigant Maersk, der oft als Barometer des Welthandels gilt, hatte bereits Anfang März angekündigt, zukünftige Trans-Suez-Fahrten durch die Bab el-Mandeb-Straße bis auf Weiteres auszusetzen. Die iranischen Streitkräfte haben zudem die Straße von Hormus zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel, durch die vor dem Krieg etwa 20 % der weltweiten Ölversorgung transportiert wurden, bereits weitgehend eingeschränkt. Eine zusätzliche Störung entlang des Roten Meer-Korridors würde den Druck auf die globalen Lieferketten weiter verschärfen.
Auswirkungen auf die Energiemärkte
Die Spannungen im Nahen Osten haben bereits spürbare Auswirkungen auf die Energiemärkte. Die Ölpreise schlossen am Freitag auf ihrem höchsten Stand seit über drei Jahren. Die Bemühungen von Präsident Donald Trump, Verhandlungen mit dem Iran aufzunehmen, konnten die Marktängste vor massiven Versorgungsstörungen in der Region nicht zerstreuen.
Eine weitere Eskalation, insbesondere eine Beeinträchtigung der Bab el-Mandeb-Straße, würde die Unsicherheit an den globalen Energiemärkten weiter verstärken und könnte zu einem weiteren Anstieg der Öl- und Gaspreise führen. Die Kombination aus einer eingeschränkten Straße von Hormus und einer potenziellen Blockade der Bab el-Mandeb-Straße würde die globale Energieversorgung erheblich belasten.
Die Houthi-Fähigkeiten und regionale Spannungen
Die Houthis, eine vom Iran unterstützte Miliz im Jemen, haben in der Vergangenheit ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, Ziele weit über den Jemen hinaus anzugreifen und Schifffahrtswege rund um die Arabische Halbinsel und das Rote Meer zu stören, wie sie es bereits nach dem 7. Oktober 2023 zur Unterstützung der Hamas im Gazastreifen taten. Die Gruppe hat ihre Fähigkeiten stetig ausgebaut und verfügt seit 2021 über Langstrecken-Shahed-136-Drohnen sowie über Bestände an ballistischen Raketen, die vermutlich in befestigten unterirdischen Anlagen versteckt sind.
Trotz wiederholter U.S.-amerikanischer und israelischer Angriffe haben die Houthis kaum Anzeichen einer Abschreckung gezeigt. Bereits 2015 führte Saudi-Arabien eine Koalition mit den VAE und Ägypten an, um ein Vordringen der Houthis in Richtung Aden zu verhindern. Die Houthis reagierten damals mit dem Start ballistischer Raketen und Drohnen in Richtung Riad. Diese früheren Angriffe werden heute weithin als Vorläufer der aktuellen regionalen Strategie des Iran betrachtet.