
Impfprogramme in Afrika: Erfolge bedroht durch Hilfskürzungen und Finanzengpässe
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Impfprogramme in Afrika haben in den letzten fünf Jahrzehnten über 50 Millionen Menschenleben gerettet und die Lebenserwartung erheblich gesteigert. Trotz dieser beeindruckenden Erfolge verlangsamt sich der Fortschritt in einigen Ländern, während Kürzungen der US-Hilfen und geopolitische Spannungen die Gesundheitssysteme des Kontinents zunehmend unter Druck setzen. Experten warnen, dass Millionen von Kindern dadurch ungeschützt bleiben könnten.
Erfolge der Impfprogramme in Afrika
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat in ihrer ersten umfassenden Analyse zur Immunisierung in der Region festgestellt, dass Impfprogramme in Afrika seit dem Jahr 2000 mehr als 500 Millionen Kinder erreicht und jährlich über 4 Millionen Todesfälle verhindert haben. Insgesamt haben Impfstoffe in den letzten fünf Jahrzehnten über 50 Millionen Leben gerettet und die Lebenserwartung für jedes gerettete Säuglingsleben um schätzungsweise 60 Jahre erhöht.
Allein im Jahr 2024 wurden durch Impfungen fast 2 Millionen Leben gerettet. Zu den wichtigen Meilensteinen zählen die Ausrottung des Wildpoliovirus in Afrika im Jahr 2020, ein "historischer Meilenstein", sowie die Eliminierung von mütterlichem und neonatalem Tetanus in den meisten Ländern. Mohamed Janabi, WHO-Regionaldirektor für Afrika, bezeichnete die Einführung von Malaria-Impfstoffen in 25 Ländern als "einen großen wissenschaftlichen und öffentlichen Gesundheitsdurchbruch". Malaria tötet jährlich über 400.000 Menschen, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren in Afrika.
Herausforderungen und Ungleichheiten
Trotz der Erfolge warnte Mohamed Janabi, dass der Fortschritt "ungleichmäßig ist und sich an einigen Stellen wirklich verlangsamt". Die COVID-19-Pandemie hat die Zahl der Kinder erhöht, die noch keine einzige Impfung erhalten haben. Zehn Länder in der Region machen 80 % dieser Kinder aus, was Janabi als "tiefgreifendes Gerechtigkeitsproblem" beschreibt.
Sania Nishtar, Geschäftsführerin von Gavi, der Impfallianz, die mit der WHO bei Impfbemühungen zusammenarbeitet, betonte: "Diese Immunisierungsergebnisse spiegeln sehr unterschiedliche Realitäten wider, und wir müssen noch mehr tun, um sicherzustellen, dass wir Kinder auch in den fragilsten und entlegensten Kontexten konsequent erreichen können."
Finanzielle Engpässe und geopolitische Einflüsse
Die Gesundheitssysteme auf dem Kontinent mit 1,5 Milliarden Menschen stehen vor wachsender Unsicherheit. Dies ist eine Folge des Rückzugs der USA aus der globalen Gesundheitsfinanzierung unter Präsident Donald Trumps "America First"-Politik sowie von Störungen durch den Krieg im Nahen Osten, die Hilfsbudgets und Lieferketten belasten. Mohamed Janabi erklärte, dass die Hilfskürzungen seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Jahr 2025 verheerend gewesen seien. Der Rückzug der USA aus der WHO im Januar führte zu einem Verlust von etwa 40 % der Entwicklungshilfegelder der Organisation.
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran, der Lieferketten unterbrochen und die Gaspreise erhöht hat, ist ebenfalls besorgniserregend für einen Kontinent, auf dem "viele unserer Einrichtungen von Generatoren abhängen", so Adelheid Onyango, WHO-Afrika-Direktorin für Gesundheitssysteme und -dienste. Die WHO muss die Auswirkungen dieses Krieges noch quantifizieren. Janabi forderte die afrikanischen Regierungen dringend auf, die nationale Gesundheitsfinanzierung zu erhöhen, um die Auswirkungen zu mildern.
Die Zukunft der Impfstofffinanzierung
Gesundheitsexperten wie Shabir Madhi, Professor für Vakzinologie und Dekan der Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der University of the Witwatersrand in Südafrika, sehen die Finanzierung als die "größte Bedrohung" für Afrikas Immunisierungsbemühungen. Dies geschieht, während die USA und andere westliche Geber ihre Hilfen für ärmere Länder straffen. In vielen Ländern wurden bereits durch Hilfsgelder finanzierte Programme reduziert oder eingestellt. Dies verringert den Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten wie Kliniken, Gesundheitspersonal, Kühlketteninfrastruktur und Outreach-Diensten, auf die Impfkampagnen angewiesen sind.
Madhi betonte, dass man sich nicht weiterhin auf Organisationen wie die Gavi-Impfstoffallianz verlassen könne, die bereits selbst mit finanziellen Engpässen zu kämpfen habe. Er forderte, dass diskutiert werden müsse, welcher Prozentsatz des Immunisierungsprogramms von den Ländern selbst finanziert werden sollte, um sicherzustellen, dass nicht nur wenige Kinder geimpft werden.