
Indien und China: Neue Ära der Kooperation bei E-Mobilität und grüner Energie
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Nach einer mehr als fünfjährigen Pause haben indische Unternehmen China besucht, um Kooperationen in den Bereichen Elektromobilität, Batterielösungen und erneuerbare Energien zu sondieren. Dieser Schritt signalisiert eine Normalisierung der bilateralen Beziehungen und unterstreicht Indiens Bestreben, seine Energieversorgung zu sichern und seine Klimaziele zu erreichen, insbesondere vor dem Hintergrund globaler Energieunsicherheiten.
Historischer Besuch nach fünf Jahren
Zwischen dem 29. März und dem 4. April reiste eine Delegation von acht indischen Unternehmen, darunter sechs Start-ups, nach China. Dies war der erste Besuch einer indischen Wirtschaftsdelegation seit über fünf Jahren, wie Ranjeet Mehta, Generalsekretär und CEO der indischen Handelsorganisation PHD Chamber of Commerce & Industry (PHDCCI), mitteilte. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern waren nach dem militärischen Stillstand in Ost-Ladakh im Jahr 2020 eingefroren, haben sich jedoch nach Treffen zwischen Premierminister Narendra Modi und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in den Jahren 2024 und 2025 am Rande der BRICS- und SCO-Gipfel wieder normalisiert.
Die Delegation der PHDCCI besuchte chinesische Firmen in Shanghai, Zhejiang und Wuxi, Regionen, die zu Chinas industrialisiertesten Gebieten gehören. Pratik Mathur, der indische Generalkonsul in Shanghai, empfing die Delegation zu einem Business Round Table, an dem führende chinesische Unternehmen und Finanzinstitutionen wie HSBC und Wuxi Technology Development Corporation teilnahmen. Mathur betonte Indiens Rolle als weltweit am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft mit einem jungen demografischen Profil, das starke Chancen für globale Partnerschaften und Investitionen bietet.
Fokus auf Elektromobilität und saubere Energie
Ein zentrales Anliegen des Besuchs war die Energieversorgungssicherheit Indiens, die durch die Energieengpässe infolge des Iran-Krieges und des Nahostkonflikts besonders hervorgehoben wird. Indien ist der drittgrößte Ölimporteur und zweitgrößte Verbraucher von Flüssiggas (LPG) weltweit und stark von Lieferungen durch die Straße von Hormus abhängig. Steigende Energiekosten und Lieferkettenstörungen stellen ein erhebliches Risiko für die schnell wachsende indische Wirtschaft dar.
China hat in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität fortschrittliche Technologien entwickelt, die Indien dringend benötigt, so Mehta. Die sechs Start-ups der Delegation sind in Sektoren wie EV-Ladeinfrastruktur, elektrische Lastwagen, Batteriespeicher und Energiehandel tätig. Indien strebt an, dass Elektrofahrzeuge bis 2030 30 % der gesamten Fahrzeugverkäufe ausmachen. Die Einführung wird jedoch durch eine unzureichende Ladeinfrastruktur und anhaltende Reichweitenangst gebremst.
Stärkung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen
Die indische Delegation konzentrierte sich darauf, Chinas Fortschritte in der Elektromobilität und Batterietechnologie zu studieren, Partnerschaften in sauberen Energieökosystemen zu erkunden und Investitions- sowie Kooperationsmöglichkeiten zu identifizieren. Ziel war es, die B2B-Beziehungen zu fördern und Technologiepartnerschaften zu schließen. Diese Interaktionen stehen im Einklang mit Indiens umfassenderem Ziel, die heimischen Kapazitäten zu stärken, Innovationen zu fördern und die langfristige Vision zu verwirklichen, bis 2047 eine entwickelte Nation zu werden.
Der Business Round Table in Shanghai und die B2B-Gespräche, die von der Shanghai New Energy Industry Association im Global New Energy Empowerment Centre organisiert wurden, zeigten großes Interesse. Indische Delegierte trafen sich mit über einem Dutzend großer chinesischer Firmen, darunter Jinko ESS, Svolt Energy Technology, FR Electric (Zhejiang), Haiti Solar, Jiangsu Oliter Energy Technology, Jiangsu EverShine Energy Technology und Shanghai Huitian New Material. Die Diskussionen waren von großem Enthusiasmus geprägt, wobei sich die Treffen über die geplanten Zeiten hinaus erstreckten.
Ausblick auf zukünftige Kooperationen
Dr. Ranjeet Mehta betonte, dass Chinas globale Führungsposition bei der Einführung erneuerbarer Energien, der Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien und der EV-Produktion gut zu Indiens schnell wachsenden Kapazitäten im Bereich sauberer Energie und seinen Ambitionen in der Elektromobilität passt. Eine engere Zusammenarbeit könnte dazu beitragen, Technologiekosten zu senken, Innovationszyklen zu beschleunigen und wesentlich zu globalen Klimaverpflichtungen beizutragen.
Die PHDCCI plant, China später in diesem Jahr mit einer größeren Delegation während der Canton Autumn Fair, einer wichtigen Handelsmesse in Guangzhou, erneut zu besuchen. Dies unterstreicht das anhaltende Interesse an einer Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen und der technologischen Zusammenarbeit zwischen den beiden asiatischen Wirtschaftsmächten.