Indiens Balanceakt: Russisches Öl, US-Zölle und der globale Handel

Indiens Balanceakt: Russisches Öl, US-Zölle und der globale Handel

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Indien befindet sich in einem komplexen Dilemma: Das Land bezieht weiterhin russisches Öl, während es gleichzeitig von den USA unter Druck gesetzt wird, diese Käufe einzustellen. Dies hat zu US-Zöllen auf indische Waren geführt, und New Delhi bemüht sich um deren Aufhebung, während die staatlichen Raffinerien ihre Importe fortsetzen.

Indiens Spagat zwischen Energiebedarf und US-Druck

Indien, der drittgrößte Ölverbraucher der Welt, ist seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 ein Schlüsselmarkt für russisches Rohöl. Russland avancierte zum wichtigsten Öllieferanten der südasiatischen Nation und deckte über 36 % der indischen Rohölimporte ab. Diese anhaltenden Käufe sind eine wirtschaftliche Lebensader für Moskau und ermöglichen es Russland, westlichen Wirtschaftssanktionen standzuhalten.

Die USA üben jedoch erheblichen Druck auf Indien aus, seine russischen Ölimporte zu reduzieren. Washington sieht diese Käufe als Untergrabung internationaler Bemühungen, Moskau wirtschaftlich zu isolieren. Indische Beamte haben die Kritik zurückgewiesen und betont, dass ihre Energiepolitik von nationalen Interessen geleitet wird.

US-Sanktionen und Zölle als Druckmittel

Als Reaktion auf Indiens fortgesetzte Importe von russischem Rohöl verhängten die USA im August 2025 einen "sekundären" Zoll von 25 % auf indische Waren. Zuvor hatten die USA bereits im vergangenen Jahr die Importzölle auf die meisten indischen Waren auf 50 % erhöht, was als Bestrafung für die umfangreichen Käufe von russischem Öl genannt wurde und die internationalen Bemühungen zur wirtschaftlichen Druckausübung auf Moskau untergraben sollte. Ende November sanktionierte Washington zudem die russischen Ölkonzerne Lukoil und Rosneft.

US-Präsident Donald Trump drohte am Sonntag mit weiteren Zollerhöhungen, sollte Indien seine Käufe von russischem Öl nicht drosseln. Er äußerte seine Unzufriedenheit gegenüber dem indischen Premierminister Narendra Modi und betonte: "Modi ist ein guter Kerl. Er wusste, dass ich nicht glücklich war, und es war wichtig, mich glücklich zu machen." Senator Lindsey Graham, ein enger Verbündeter Trumps, behauptete, der indische Botschafter Vinay Mohan Kwatra habe ihn gebeten, Präsident Trump zur Aufhebung der Zölle zu drängen, da New Delhi seine russischen Ölimporte reduziert habe. Graham unterstützt zudem eine Gesetzgebung, die Zölle von bis zu 500 % auf Länder ermöglichen würde, die weiterhin russisches Öl kaufen.

Gemischtes Bild bei russischen Ölimporten

Die Daten zeigen ein gemischtes Bild der indischen Importe von russischem Öl. Die Gesamtnachfrage Indiens nach russischem Rohöl ging im Dezember zurück. Laut Kpler sanken Indiens Importe von russischem Rohöl im Monatsvergleich um 595.000 Barrel pro Tag auf 1,24 Millionen Barrel pro Tag – den niedrigsten Stand seit Dezember 2022. Dieser Rückgang wurde maßgeblich durch die reduzierten Käufe der Mukesh Ambani gehörenden Reliance Industries getrieben, die vor den US-Sanktionen gegen Lukoil und Rosneft ein wichtiger Importeur war. Reliance Industries gab an, in den letzten etwa drei Wochen keine russischen Rohöllieferungen erhalten zu haben und erwartet auch im Januar keine.

Demgegenüber haben staatliche indische Raffinerien, sogenannte Public Sector Undertakings (PSUs), einen Teil dieses Rückgangs bei russischem Öl ausgeglichen. Firmen wie die IOC (Indian Oil Corporation) und BPCL (Bharat Petroleum Corporation) "haben weiterhin russisches Rohöl für zukünftige Lieferungen über nicht sanktionierte Lieferanten gekauft", so Muyu Xu, Senior Crude Oil Analyst bei Kpler. Rystad Energy schätzt, dass Indiens russische Rohölimporte seit November um etwa 300.000 Barrel pro Tag auf 1,7 Millionen Barrel sanken, erwartet jedoch eine "bescheidene Erholung" auf 1,8 Millionen Barrel pro Tag im Januar. Pankaj Srivastava von Rystad Energy merkt an, dass öffentliche Raffinerien russisches Rohöl weiterhin mit einem leichten Aufwärtstrend verarbeiten, angetrieben durch die inländische Kraftstoffnachfrage und die Preisökonomie. Nayara Energy, die eine Raffinerie mit einer Kapazität von 400.000 Barrel pro Tag betreibt, ist aufgrund von EU-Sanktionen, die ihre alternativen Bezugsquellen einschränken, voraussichtlich der Hauptabnehmer von russischem Rohöl in Indien im Januar.

Indiens Reaktion und diplomatische Bemühungen

New Delhi hat auf die US-Forderungen reagiert, indem es seine Energiepolitik als im nationalen Interesse liegend verteidigt. Gleichzeitig hat Indien Schritte unternommen, um die Beziehungen zu Washington zu pflegen. Quellen zufolge hat Indien kürzlich begonnen, Ölraffinerien wöchentliche Offenlegungen ihrer Käufe von russischem und US-amerikanischem Rohöl abzuverlangen. Dies wird als Teil umfassenderer Initiativen zur Vereinbarkeit von Energiesicherheitsanforderungen und diplomatischen Zielen angesehen.

Trotz der Zollerhöhungen zeigten sich Indiens Exporte in die USA widerstandsfähig, mit einem starken Anstieg im November. Premierminister Modi hat seit der Einführung der Zollerhöhungen mindestens dreimal telefonisch mit Präsident Trump gesprochen, doch die Verhandlungen führten zu keinem Durchbruch. Auch auf Beamtenebene wurden Dialoge geführt, wie das Treffen zwischen Indiens Handelssekretär Rajesh Agrawal und dem stellvertretenden US-Handelsbeauftragten Rick Switzer im letzten Monat zeigt.

Ausblick: Handelspolitische Spannungen bleiben

Die jüngsten Äußerungen von Präsident Trump unterstreichen, dass die Spannungen zwischen Indiens Energieimporten und der US-Handelspolitik ungelöst bleiben und sich in den kommenden Monaten verschärfen könnten. Handelsanalysten warnen, dass Indiens vorsichtiger Ansatz seine Position schwächen könnte. Ajay Srivastava, Gründer des Think Tanks Global Trade Research Initiative, betonte, dass "Mehrdeutigkeit nicht mehr funktioniert" und Indien seine Haltung zu russischem Öl klar darlegen sollte. Er warnte, dass selbst ein vollständiger Stopp des Kaufs den US-Druck nicht beenden könnte, da dieser sich auf andere Handelsforderungen verlagern könnte.

Die indischen Märkte reagierten bereits auf die Unsicherheit: Der Index für Informationstechnologieaktien fiel am Montag um etwa 2,5 % auf den niedrigsten Stand seit über einem Monat, da Investoren befürchten, dass angespannte Handelsbeziehungen ein US-indisches Handelsabkommen weiter verzögern könnten. Die Situation verdeutlicht den anhaltenden Balanceakt Indiens zwischen seinen nationalen Energiebedürfnissen und dem Druck, die globalen Sanktionen gegen Russland zu unterstützen.

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