
Indiens Handel im Wandel: Exporte nach China steigen, US-Lieferungen sinken
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Indiens Handelsbeziehungen erleben eine signifikante Verschiebung: Im Dezember 2025 stiegen die Exporte nach China deutlich an, während die Lieferungen in die USA sanken. Dies ist eine direkte Folge der hohen Zölle, die Washington auf indische Waren erhoben hat, und zwingt Neu-Delhi, sich auf alternative Märkte zu konzentrieren.
Indiens Handel verschiebt sich: China gewinnt an Bedeutung
Im Dezember 2025 verzeichneten Indiens Exporte nach China einen bemerkenswerten Anstieg von 67,35 Prozent auf 2,04 Milliarden US-Dollar. Dieser Zuwachs wurde durch verschiedene Produkte wie Ölsaaten, Meeresfrüchte, Telekommunikationsinstrumente und Gewürze getragen. Auch Elektronikartikel wie bestückte Leiterplatten und Flachbildschirmmodule sowie landwirtschaftliche Produkte wie getrocknete Chilis und Garnelen trugen maßgeblich dazu bei.
Während der ersten neun Monate des Fiskaljahres, von April bis Dezember 2025, stiegen die indischen Exporte nach Festlandchina um fast 37 Prozent auf 14,24 Milliarden US-Dollar. Die Lieferungen nach Hongkong verzeichneten im gleichen Zeitraum einen Anstieg von über 25 Prozent. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung Chinas als Handelspartner für Indien.
Rückgang der Exporte in die USA durch hohe Zölle
Gleichzeitig gingen Indiens Warenexporte in die USA, traditionell Neu-Delhis größter Exportmarkt, im Dezember 2025 um 1,83 Prozent auf 6,88 Milliarden US-Dollar zurück. Die Vereinigten Staaten haben ab dem 27. August hohe Zölle von 50 Prozent auf indische Waren verhängt, was zu den höchsten Zollsätzen gehört, die gegen irgendein Land, sogar mehr als gegen China, angewendet werden. Dies hat die Handels- und diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern erheblich belastet.
Die Exporte in die USA verzeichneten bereits im September und Oktober 2025 einen Rückgang, erholten sich jedoch im November um 22,61 Prozent. Trotz der Herausforderungen durch die Zölle stiegen die Exporte in die USA im Zeitraum April bis Dezember 2025 insgesamt um 9,75 Prozent auf 65,87 Milliarden US-Dollar. Indiens Handelsminister Rajesh Agrawal äußerte sich optimistisch und sagte, dass die Exporte trotz der Schwierigkeiten ein positives Wachstum verzeichneten.
Handelsbilanz und Herausforderungen
China hat sich im Zeitraum von April bis Dezember 2025 zum größten Warenhandelspartner Indiens entwickelt, mit einem Handelsvolumen von 110,20 Milliarden US-Dollar. Damit übertraf es die USA, deren Handelsvolumen bei 105,31 Milliarden US-Dollar lag. Im Fiskaljahr 2025 betrug der Warenhandel mit Washington 131,84 Milliarden US-Dollar und mit China 127,71 Milliarden US-Dollar, Hongkong nicht mitgerechnet.
Trotz des wachsenden Handelsvolumens bleibt Indiens Handelsdefizit mit Peking eine Quelle der Besorgnis. Von April bis Dezember 2025 belief sich das Defizit mit China auf 81,7 Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz dazu verzeichnete Indien im gleichen Zeitraum einen Handelsüberschuss von über 26 Milliarden US-Dollar mit den USA. Die Importe aus China stiegen im Dezember 2025 um 20 Prozent auf 11,7 Milliarden US-Dollar, während die Importe aus den USA um 7,57 Prozent auf 4,03 Milliarden US-Dollar zunahmen.
Bilaterale Gespräche und Ausblick
Die Beziehungen zwischen Indien und China haben sich seit dem Treffen von Premierminister Narendra Modi und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf dem Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit im September entspannt. Beide Staatschefs teilten die Vision, Partner statt Rivalen zu sein. Kürzlich traf Indiens Außenminister Vikram Misri in Neu-Delhi mit dem stellvertretenden Minister der Internationalen Abteilung der Kommunistischen Partei Chinas, Sun Haiyan, zusammen, um den Fortschritt bei der Stabilisierung und dem Wiederaufbau der bilateralen Beziehungen zu erörtern.
Indien und die USA verhandeln derzeit über ein bilaterales Handelsabkommen, um den zweiseitigen Handel anzukurbeln. Indien kauft weiterhin Öl von traditionellen Lieferanten, einschließlich der USA, wobei die Einkäufe aus den USA in neun Monaten um 40-50 Prozent gestiegen sind. Dies trug zur Robustheit der Importe aus den USA bei. Während Exporte in die VAE, Deutschland, Hongkong, Spanien, Malaysia und Vietnam positiv wuchsen, verzeichneten Länder wie die Niederlande, Großbritannien und Saudi-Arabien einen Rückgang.