
Indiens Volkszählung 2027: Neugestaltung von Politik und Wirtschaft
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Indien hat mit der weltweit größten nationalen Volkszählung begonnen, die ursprünglich für 2021 geplant und aufgrund der COVID-19-Pandemie sowie logistischer Herausforderungen verschoben wurde. Diese umfassende Erhebung, die nun als "Census 2027" bezeichnet wird, soll die Verteilung von Sozialprogrammen, die politische Vertretung und die öffentliche Politik im ganzen Land neu gestalten. Mit einer geschätzten Bevölkerung von über 1,4 Milliarden Menschen ist Indien nun die bevölkerungsreichste Nation der Welt.
Indiens Megazählung: Ein Überblick
Die aktuelle Volkszählung ist die 16. des Landes und die achte seit der Unabhängigkeit Indiens. Sie ist von entscheidender Bedeutung, da die letzte Zählung im Jahr 2011 eine Bevölkerung von 1,21 Milliarden Menschen verzeichnete. Die nun erwarteten Daten werden die Grundlage für weitreichende Entscheidungen in den Bereichen Sozialpolitik, Wirtschaft und Governance bilden.
Der Ablauf der Volkszählung 2027
Die Volkszählung 2027 ist in zwei Hauptphasen unterteilt und wird erstmals vollständig digital durchgeführt. Mehr als 3 Millionen Regierungsmitarbeiter werden im Laufe des Jahres eingesetzt, um die Daten zu erheben.
- Erste Phase (House Listing and Housing Census): Diese Phase begann an einem Mittwoch und läuft über sechs Monate bis September. In diesem Zeitraum werden Informationen über Häuser, verfügbare Einrichtungen, den Wohnungsbestand und die Lebensbedingungen gesammelt. Das Referenzdatum für diese Erhebung ist der 1. März 2027 für die meisten Gebiete. Einige Bundesstaaten wie Andamanen und Nikobaren, Delhi und Goa führen die Haushaltszählung vom 16. April bis 15. Mai durch, ergänzt durch eine Selbstzählung vom 1. bis 15. April.
- Zweite Phase (Population Enumeration): Diese detailliertere Erhebung findet im Februar 2027 statt. Hier werden Informationen zu demografischen, sozioökonomischen Merkmalen, Bildung, Migration, Fruchtbarkeit, Religion und Kaste erfasst.
Die digitale Transformation ermöglicht es den Zählern, Daten direkt über eine mobile App zu erfassen. Zusätzlich wird in beiden Phasen eine Online-Option zur Selbstzählung angeboten.
Die heikle Frage der Kaste
Ein besonders sensibler Aspekt der zweiten Phase ist die breitere Erfassung von Kastenzugehörigkeiten, die über die historisch marginalisierten Gruppen hinausgeht. Das Kastensystem ist eine alte soziale Hierarchie in Indien, die den sozialen Status sowie den Zugang zu Ressourcen, Bildung und wirtschaftlichen Möglichkeiten maßgeblich beeinflusst. Obwohl es Hunderte von Kastengruppen gibt, insbesondere unter Hindus, verfügt das Land nur über begrenzte oder veraltete Daten zu deren genauer Anzahl.
Die letzte detaillierte Kastenerfassung durch eine Volkszählung erfolgte 1931 während der britischen Kolonialherrschaft. Seit der ersten Volkszählung des unabhängigen Indiens im Jahr 1951 wurden lediglich Dalits und Adivasis, Mitglieder marginalisierter Gruppen, die als "Scheduled Castes and Tribes" bekannt sind, gezählt. Frühere Regierungen haben sich einer vollständigen Kastenzählung widersetzt, da befürchtet wurde, dies könnte soziale Spannungen und Unruhen verstärken.
Weitreichende Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft
Die durch die Volkszählung erhobenen Bevölkerungsdaten bilden die Grundlage für die Verteilung staatlicher Sozialprogramme und eine Vielzahl öffentlicher Politiken. Sie könnten auch eine Neuzeichnung der politischen Landkarte Indiens zur Folge haben. Sitze im Unterhaus des Parlaments und in den Landesparlamenten könnten erhöht werden, um dem Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen.
Ein im Jahr 2023 verabschiedetes Gesetz reserviert bereits ein Drittel der Parlamentssitze für Frauen. Eine mögliche Erweiterung der Gesamtzahl der Sitze würde somit auch die Anzahl der weiblichen Vertreterinnen erhöhen.
Digitale Transformation und Kosten
Die Volkszählung 2027 ist nicht nur die größte, sondern auch die erste vollständig digitale Erhebung in der Geschichte Indiens. Zähler werden mobile Apps nutzen, um Daten zu sammeln und zu übermitteln, ergänzt durch eine Online-Option zur Selbstzählung für die Bürger. Für dieses monumentale Vorhaben hat die indische Regierung Ausgaben in Höhe von 11.718,24 Crore Rupien genehmigt, was die immense finanzielle und logistische Bedeutung des "Census 2027" unterstreicht.