
Indische Rupie unter Druck: Asiens Schlusslicht 2025
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Die Indische Rupie hat sich im Jahr 2025 als Asiens schlechteste Währung erwiesen. Trotz eines starken Wirtschaftswachstums in Indien belasten externe Faktoren wie Handelsspannungen und anhaltende Kapitalabflüsse die Währung erheblich. Ein mögliches Handelsabkommen mit den USA wird als entscheidender Faktor für eine Erholung im Jahr 2026 angesehen.
Indische Rupie unter Druck: Asiens Schlusslicht 2025
Die Indische Rupie (INR) bewegte sich zuletzt in einer engen Bandbreite, wobei stetige Interbank-Dollar-Gebote positive Signale aus einer verbesserten globalen Risikobereitschaft dämpften. Mit einem Rückgang von 6,2 Prozent gegenüber dem US-Dollar in diesem Jahr ist die Rupie die schlechteste Währung Asiens und hat gegenüber dem Dollar ein neues Rekordtief von über 91 erreicht. Sie rangiert unter 31 wichtigen Währungen nur hinter der Türkischen Lira und dem Argentinischen Peso in Bezug auf die Verluste.
Analysten stellen zunehmend die Frage, ob sich die Rupie aufgrund globaler Politik, Handelsspannungen und Maßnahmen ausländischer Investoren in einem "neuen, schwächeren Normalzustand" eingependelt hat. Deepak Agrawal, Chief Investment Officer bei Kotak Mutual Fund, betont, dass das Rekordtief der Rupie "primär durch externe Faktoren, nicht durch inländische Wirtschaftsschwäche" verursacht wurde.
Handelsspannungen und Zölle als Hauptursachen
Ein wesentlicher Faktor für die Schwäche der Indischen Rupie ist das mangelnde Fortschreiten eines Handelsabkommens zwischen den USA und Indien. Indien gehört mit Zöllen von 50 Prozent zu den Ländern mit den höchsten Zöllen weltweit, was sogar die Zölle auf China übertrifft. Diese hohen Zölle, die im August in Kraft traten, haben Indiens Exporte in die USA stark beeinträchtigt.
Im September fielen die Exporte in die USA um fast 12 Prozent und im Oktober um 8,5 Prozent, erholten sich jedoch im November kräftig um 22,6 Prozent. Die State Bank of India stellt in einem Bericht fest: "Der auf Indien erhobene 50-Prozent-Zoll ist einer der Hauptfaktoren für die aktuelle Phase der Rupien-Abwertung." Sonal Varma, Chefvolkswirtin für Indien und Asien ex-Japan bei Nomura, warnt, dass Indien aufgrund der anhaltend hohen Zölle den Schwung bei der Verlagerung von Lieferketten verlieren könnte.
Kapitalabflüsse und die Rolle der RBI
Neben den Handelsspannungen belasten anhaltende Abflüsse ausländischer Gelder die Rupie. In diesem Jahr haben ausländische Investoren indische Aktien im Wert von über 18 Milliarden US-Dollar verkauft, wobei der indische Aktienmarkt schlechter abschnitt als globale Vergleichsmärkte. Allein im Dezember zogen globale Fonds 1,3 Milliarden US-Dollar aus indischen Aktien ab.
Eine fallende Rupie wirkt für ausländische Investoren abschreckend, da Gewinne bei der Umwandlung in Dollar zunichtegemacht werden können. Die Reserve Bank of India (RBI) hat ihre Haltung gegenüber einer schwächeren Währung geändert. Obwohl die RBI seit Ende Juli über 30 Milliarden US-Dollar an Fremdwährungsanlagen verkauft hat, um starke Bewegungen zu glätten, hat sie klargestellt, dass sie die Währung nicht auf einem bestimmten Niveau schützen wird. Die Zentralbank hat die Zinssätze gesenkt, um das Wirtschaftswachstum zu priorisieren, und die Leitzinsen im Jahr 2025 um insgesamt 125 Basispunkte gesenkt.
Indiens Wirtschaft: Starkes Wachstum trotz Währungsschwäche
Trotz der Währungsschwäche zeigt Indiens Wirtschaft beeindruckende Wachstumszahlen. Im dritten Quartal wuchs die indische Wirtschaft um 8,2 Prozent und ist damit die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt. Die Inflationsrate ist auf Rekordtiefs, und die Devisenreserven belaufen sich auf fast 700 Milliarden US-Dollar, was zu den größten Beständen weltweit gehört.
Carlos Casanova, Ökonom bei Union Bancaire Privee, merkt an, dass die Verbraucherpreise "in den kommenden Monaten voraussichtlich unter der unteren Grenze des RBI-Zielbereichs von 2-6% bleiben werden." Eine schwache Rupie könnte zudem die Exporte wettbewerbsfähiger machen, und das geringe Preiswachstum im Land ermöglicht es, die Auswirkungen der importierten Inflation durch Währungsabwertung zu absorbieren.
Ausblick für 2026: Hoffnung auf ein Handelsabkommen
Der Ausblick für die Indische Rupie im Jahr 2026 hängt stark von einem möglichen Handelsabkommen mit den USA ab. Nomura und S&P Global Market Intelligence prognostizieren, dass die Rupie bis Ende März 2026 auf 92 gegenüber dem Dollar fallen könnte, wobei eine Stärkung weitgehend von einem solchen Abkommen abhängt. S&P Global Market Intelligence erwartet einen Handelsdeal innerhalb der nächsten sechs Monate.
Hanna Luchnikava-Schorsch, Leiterin der Asien-Pazifik-Wirtschaftsabteilung bei S&P Global Market Intelligence, kommentiert: "Wir glauben, dass die Rupie derzeit unterbewertet ist, wobei eine Korrektur erwartet wird, sobald mehr Klarheit über das Handelsabkommen zwischen den USA und Indien besteht." Sunny Kim Nguyen, Ökonom bei Moody’s Analytics, betont, dass "viel vom Ausgang der Handelsgespräche mit den USA abhängt." Sollte ein Handelsabkommen bis Ende Dezember finalisiert werden, sei der Ausblick für 2026 angesichts der steigenden Binnennachfrage und geringer externer Risiken "hell".