
Intel strebt SambaNova-Übernahme an: KI-Chip-Markt im Fokus
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Intel Corp. treibt die potenzielle Akquisition von SambaNova Systems, einem Unternehmen für KI-Chips, voran. Die Transaktion, die laut einem Bloomberg News-Bericht rund 1,6 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden umfassen könnte, zielt darauf ab, Intels Präsenz im schnell wachsenden Sektor der Künstlichen Intelligenz (KI) signifikant zu stärken. Die Parteien könnten die Vereinbarung im Januar 2026 finalisieren, wobei die Bedingungen noch Änderungen unterliegen können.
Strategische Annäherung im KI-Markt
Die Verhandlungen zwischen Intel und SambaNova Systems befinden sich Berichten zufolge in einem fortgeschrittenen Stadium. Ein nicht-bindendes Term Sheet wurde bereits unterzeichnet, was einen wichtigen Schritt in Richtung einer möglichen Übernahme darstellt. Trotzdem ist der Abschluss des Deals noch nicht gesichert, da regulatorische Genehmigungen und eine umfassende Due Diligence erforderlich sind.
SambaNova hat zudem Vorverträge mit anderen potenziellen Investoren unterzeichnet, was bedeutet, dass das Startup auch alternative Finanzierungs- oder strategische Optionen verfolgen könnte. Sowohl Intel als auch SambaNova lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab.
SambaNovas Kernkompetenzen und Marktposition
SambaNova Systems wurde 2017 von Professoren der Stanford University, darunter Kunle Olukotun und Christopher Ré, sowie dem Oracle-Veteranen Rodrigo Liang gegründet. Das in Palo Alto, Kalifornien, ansässige Unternehmen konzentriert sich auf die Entwicklung fortschrittlicher KI-Chips und -Systeme, die als Konkurrenz zu Nvidias Angeboten positioniert sind.
Die Technologie von SambaNova basiert auf der Reconfigurable Dataflow Unit (RDU), die einen neuartigen Ansatz für die Inferenz von Modellen mit Billionen von Parametern auf ihren SambaRack-Lösungen ermöglicht. Die neueste 4. Generation der RDU verfügt über 1.040 RDU-Kerne, 653 TeraFLOPS BF16-Rechenleistung, 520 MB On-Chip-Speicher und 64 GB HBM3, ergänzt durch einen externen DDR-Speicherpool von 1,5 TB für große Sprachmodelle.
Das Unternehmen hat bereits wichtige Partnerschaften geschlossen:
- Im November 2025 ging SambaNova eine Partnerschaft mit OVHcloud ein, um Ultra-Low-Latency-Inferenzlösungen für schnelle Verarbeitung in Sektoren wie Finanzhandel und Cybersicherheit zu verbessern.
- Im Oktober 2025 sicherte sich SambaNova eine Vereinbarung mit Infercom zur Bereitstellung seiner SambaManaged-Plattform für Europas erstes souveränes Inference-as-a-Service-Angebot.
Finanzielle Aspekte und frühere Bewertungen
Die potenzielle Akquisition von SambaNova für rund 1,6 Milliarden US-Dollar, inklusive Schulden, stellt einen deutlichen Abschlag gegenüber der früheren Bewertung des Startups dar. Im Jahr 2021 wurde SambaNova in einer Finanzierungsrunde, die vom Vision Fund 2 der SoftBank Group angeführt wurde, noch mit 5 Milliarden US-Dollar bewertet. Insgesamt hat das Unternehmen bis Anfang 2025 1,14 Milliarden US-Dollar an Finanzmitteln erhalten.
Prominente Investoren wie der SoftBank Vision Fund 2 und BlackRock haben in SambaNova investiert. BlackRock soll den Wert seiner SambaNova-Anteile im vergangenen Jahr um 17 % reduziert haben, was eine Gelegenheit für Intel geschaffen haben könnte, zu einem günstigeren Preis einzusteigen.
Intels KI-Strategie und Verflechtungen
Die mögliche Übernahme steht im Einklang mit Intels Strategie, seine Position im KI-Sektor zu stärken, wo maßgeschneiderte Chip-Lösungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Intel versucht seit Langem, seine Präsenz bei KI-Chips und der zugehörigen Infrastruktur auszubauen, einem Bereich, in dem Rivalen wie Nvidia aufgrund der explosiven Nachfrage von Rechenzentren und Unternehmenskunden stark zugelegt haben.
Bemerkenswerte Verbindungen bestehen bereits zwischen den beiden Unternehmen:
- Der Intel CEO Lip-Bu Tan ist derzeit Vorsitzender von SambaNova.
- Tans Risikokapitalfirma Walden International war ein früher Unterstützer des Startups und führte 2018 eine Series-A-Finanzierungsrunde über 56 Millionen US-Dollar für SambaNova an.
- Intel Capital hat ebenfalls in das Startup investiert.
- SoftBank, ein wichtiger Investor von SambaNova, hat Anfang des Jahres auch eine größere Investition in Intel getätigt.
Die Intel-Aktie hat seit August, als die US-Regierung eine 10-prozentige Beteiligung am Chiphersteller ankündigte, um etwa 60 % zugelegt. Dies trug dazu bei, das Vertrauen der Anleger nach Jahren operativer und wettbewerbsbedingter Herausforderungen wiederherzustellen. Trotz der breiteren Rallye gab die Intel-Aktie am Freitag um 4,3 % nach und schloss bei 37,81 US-Dollar in New York, was dem Unternehmen eine Marktkapitalisierung von rund 180 Milliarden US-Dollar bescherte.
Ausblick und Herausforderungen
Die Akquisition von SambaNova würde Intels erneuten Vorstoß unterstreichen, im schnelllebigen KI-Chip-Markt wieder an Relevanz zu gewinnen. In der Vergangenheit hat Intel bereits Movidius für dessen NPU-Chips und Habana Labs für seine Gaudi-KI-Beschleuniger erworben. Während Movidius-Technologie in Intel-Prozessoren integriert wurde, fanden Gaudi-Beschleuniger im Rechenzentrumssegment weniger Anklang. Intel plant jedoch, Gaudi-IP in seinen Next-Generation-KI-Beschleuniger "Jaguar Shores" zu integrieren.
Die Frage bleibt, wie Intel SambaNova in sein bestehendes KI-Produktportfolio integrieren wird – ob als eigenständiges Produkt oder durch die Integration der Technologie in bestehende Angebote. Die Finalisierung des Deals hängt noch von der behördlichen Genehmigung und der Due Diligence ab, was Wochen oder Monate in Anspruch nehmen könnte.