
Iran-Konflikt: Dubai-Öl bei $166 – Globale Märkte am Scheideweg
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Die Ölpreise im Nahen Osten haben extreme Höhen erreicht, wobei Dubai-Rohöl die Marke von 166 Dollar pro Barrel überschritten hat. Dies könnte ein Vorbote für die Entwicklung der globalen Ölpreise sein, falls die strategisch wichtige Straße von Hormuz nicht bald wieder vollständig geöffnet wird und die Konflikte in der Region andauern.
Regionale Preisexplosion als globales Warnsignal
Die lokalen Ölmärkte im Nahen Osten, die oft übersehen werden, geben derzeit einen möglichen Ausblick auf die Entwicklung der Ölpreise in den USA und Europa. Dubai-Rohöl erreichte laut dem Marktdatenanbieter Platts am Donnerstag einen neuen Rekordwert von über 166 Dollar pro Barrel. Im Vergleich dazu handelten Dated Brent und West Texas Intermediate (WTI) Cushing's nach historischen Anstiegen um die 100-Dollar-Marke.
Natasha Kaneva, Leiterin der Rohstoffforschung bei JPMorgan, betont, dass die aktuellen Preise in Dubai und Oman die extreme Schwere des Engpasses im Golf widerspiegeln. Sie warnt davor, dass diese Divergenz nicht von Dauer sein wird, falls die Straße von Hormuz nicht wieder geöffnet wird. Brent und WTI würden letztendlich höher bewertet, da die Lagerbestände im Atlantikbecken abgebaut und der globale Markt mit einem deutlich engeren Angebot konfrontiert würde.
Die strategische Bedeutung der Straße von Hormuz
Die Straße von Hormuz ist eine entscheidende Wasserstraße, die den Persischen Golf mit dem Meer verbindet und durch die etwa ein Fünftel (20 Prozent) des weltweiten Öls transportiert wird. Daten von Charles Schwab zeigen, dass die täglichen Transitfahrten von über 120 zu Beginn des Jahres auf nahezu Null gesunken sind. Andy Harbourne, Senior Oil Markets Analyst bei Wood Mackenzie, erklärt, dass die gesamte Marktentwicklung von der Dauer der Schließung von Hormuz abhängt.
Die Preise für Rohöl, das direkt aus Ländern des Nahen Ostens wie Dubai stammt, sind schneller gestiegen als die Preise für Öl wie WTI, das normalerweise nicht in großen Mengen durch diese Meerenge transportiert wird. Die Straße von Hormuz wird hauptsächlich für Treibstoff genutzt, der in asiatische Länder wie China und Indien geliefert wird. Daher ist der Preisanstieg in Dubai auf dem Singapur-Markt stärker ausgeprägt als in London.
Divergenz und die "fiktiven" Preise Asiens
Aufgrund der intensiven Störung auf dem asiatischen Markt wird der Preis in Singapur von Analysten wie Susan Bell, Senior Vice President für Rohstoffmärkte bei Rystad, als "fast fiktiv" oder "ein bisschen Wunschdenken" bezeichnet. Trotzdem sind laut Harbourne bereits Welleneffekte des Dubai-Ölpreisanstiegs in Singapur anderswo zu beobachten. Oman-Rohöl, das als qualitativ gleichwertig mit Dubai gilt, aber außerhalb von Hormuz transportiert wird, verzeichnete eine stark gestiegene Nachfrage, da der Transit durch Dubai weitgehend zum Erliegen kam.
Harbourne und Bell sehen eine einfachere Erklärung für das Premium von Dubai-Öl: Öl, das durch Hormuz transportiert wird, erfordert typischerweise geringere Transportkosten, um Ziele im globalen Osten zu erreichen. Rohöl, das Tausende von Meilen aus den USA zu diesen Zielen transportiert wird, würde hingegen höhere Liefergebühren verursachen. Harbourne merkt an, dass das Preisgefälle zwischen dem Westen und Asien wichtige Signale für den Markt aussendet: Es fordert den Westen auf, Öl nach Asien zu verlagern.
Globale Benchmarks und Preisszenarien
Obwohl die globalen Öl-Benchmarks weniger stark gestiegen sind als Dubai oder Oman, haben auch sie einen erheblichen Schock erlebt. Seit Beginn des Krieges bis Mittwoch ist der Mai-Kontrakt für Brent um mehr als 48 Prozent gestiegen, und seit Jahresbeginn sogar um über 76 Prozent. Brent-Rohöl kletterte kurzzeitig über 117 Dollar pro Barrel, bevor es sich um 111 Dollar einpendelte.
Goldman Sachs Research schätzt, dass die Ölpreise bei einer Schließung der Straße von Hormuz um 1 bis 15 Dollar pro Barrel steigen könnten. Ein vollständiger einmonatiger Verschluss ohne Ausgleichsmaßnahmen könnte einen Anstieg von 15 Dollar bedeuten. Bei Nutzung aller geschätzten freien Pipelinekapazitäten (4 Millionen Barrel pro Tag) wären es 12 Dollar, und bei zusätzlicher Freigabe strategischer Ölreserven (2 Millionen Barrel pro Tag) immer noch 10 Dollar. Historisch gesehen können Ölpreisspitzen durch geopolitische Schocks oft kurzlebig sein, wie der Anstieg von Brent von rund 65 Dollar auf über 80 Dollar im Jahr 2022 nach Angriffen auf iranische Nuklearanlagen zeigte.
Potenzielle Produktionsausfälle und Irans Rolle
Der Konflikt führt bereits zu erhöhten Risiken für die Energiemärkte. Natasha Kaneva von J.P. Morgan prognostiziert regionale Produktionsausfälle von fast 7 Millionen Barrel pro Tag (mbd) bis zum 15. März, falls die Lagerkapazitäten im Golf gefüllt sind und Engpässe bestehen bleiben. Bis zum 22. März könnten diese Ausfälle auf 12 mbd ansteigen, wenn die Straße von Hormuz geschlossen bleibt. Eine Störung auf Kharg Island, einem strategischen Terminal, das etwa 90 Prozent der iranischen Rohölexporte abwickelt, könnte die Gesamtverluste auf rund 16 mbd erhöhen.
Iran produzierte im Jahr 2025 etwa 3,5 mbd Rohöl und 0,8 mbd Kondensat, was zusammen etwa 4 Prozent des globalen Ölangebots ausmachte. Die Straße von Hormuz ist entscheidend für fast 20 mbd der globalen Ölproduktion. Saudi-Arabien, Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate exportierten im vergangenen Jahr zusammen 13,1 mbd Öl über diese Meerenge, wobei China das Hauptziel war. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzt, dass 4,2 mbd der Ölflüsse durch Hormuz über bestehende freie Pipelinekapazitäten umgeleitet werden könnten, was bedeutet, dass rund 16 mbd Ölflüsse bei einer vollständigen Schließung gefährdet wären.
Breite wirtschaftliche Auswirkungen und politische Reaktionen
Analysten warnen, dass höhere Kosten für Öl und Transport infolge einer längeren Schließung der Meerenge zu Preisschocks für Verbraucher führen werden. Neben dem Druck an den Zapfsäulen können steigende Kraftstoffkosten für Lastwagen und Schiffe auch an die Käufer weitergegeben werden. Eine Simulation mit dem Global Economic Model (GEM) zeigt, dass ein Brent-Rohölpreis von durchschnittlich 140 Dollar pro Barrel über zwei Monate erhebliche Auswirkungen hätte.
Als Reaktion auf die eskalierenden Angriffe auf Energieanlagen im Persischen Golf erwägt die US-Regierung, Sanktionen gegen iranisches Öl aufzuheben. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, dass die USA möglicherweise die Sanktionen für etwa 140 Millionen Barrel iranisches Öl aufheben könnten, das sich bereits auf Schiffen befindet. Dieser Schritt, der dem Entzug von Sanktionen für russisches Öl vorausging, wird von Kritikern wie Brett Erickson von Obsidian Risk Advisors als "vollständiger strategischer Zusammenbruch" der jahrelang aufgebauten Sanktionsarchitektur bezeichnet.
Auswirkungen auf den Gasmarkt
Neben den Ölpreisen besteht auch ein erhebliches Risiko, dass die europäischen Gas- und globalen LNG-Preise steigen könnten, so Goldman Sachs Research. Die jüngsten Angriffe ließen die europäischen Erdgas-Futures bereits ansteigen. Die kritischsten Auswirkungen auf die globalen Gasmärkte würden von einer Störung der Gasversorgung ausgehen.