
Iran-Konflikt: Ölpreise, Inflation und die Geldpolitik von Fed & EZB
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Der anhaltende Iran-Konflikt, nun in seiner vierten Woche, dominiert die Finanzmärkte und verschiebt die Erwartungen an die Geldpolitik weltweit. Steigende Ölpreise befeuern Inflationssorgen und setzen Zentralbanken wie die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank unter erheblichen Druck. Investoren blicken gespannt auf kommende Wirtschaftsdaten und Äußerungen von Notenbankern, um die weiteren Auswirkungen abzuschätzen.
Geopolitische Spannungen treiben Ölpreise und Inflationssorgen
Der Iran-Konflikt hat die Ölpreise in die Höhe getrieben. Brent-Rohöl, der europäische Benchmark, retestete kurzzeitig seine Höchststände von 120 US-Dollar, während WTI, der US-Benchmark, in Richtung 100 US-Dollar kletterte. Aktuell liegt der Ölpreis bei rund 111 US-Dollar pro Barrel. Eine weitere Eskalation, insbesondere im Zusammenhang mit der Straße von Hormus oder iranischen Angriffen, könnte zu erheblicher Marktvolatilität führen. US-Präsident Donald Trump stellte Iran am Samstagabend ein 48-Stunden-Ultimatum zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus und drohte mit der "Auslöschung" iranischer Kraftwerke bei Nichteinhaltung.
Die rasche Eskalation der Spannungen hat Energieproduktionsanlagen in der Golfregion beeinträchtigt, was die Energiepreise weiter anheizt und Inflationssorgen verschärft. Dies führt zu einer ausgeprägteren "hawkish repricing" am globalen Zinsmarkt. Der Goldpreis hingegen sank auf 4.325 US-Dollar pro Unze, mehr als 200 US-Dollar unter dem Freitagschluss, da der sichere Hafen-Status gegenüber dem Sogeffekt des US-Dollars nachgab.
Zentralbanken unter Druck: Fed und EZB vor schwierigen Entscheidungen
Die Federal Reserve sieht sich mit einer raschen Verschiebung der Erwartungen konfrontiert. Bondhändler preisen nun eine rund 50%ige Wahrscheinlichkeit einer Straffung bis Oktober ein, nachdem zuvor Zinssenkungen erwartet wurden. Der Futures-Markt für Federal Funds impliziert derzeit keine Zinssenkungen in den nächsten 12 Monaten. Fed-Vorsitzender Jerome Powell betonte nach der letzten FOMC-Sitzung, dass weitere Beweise für eine nachlassende Inflation erforderlich seien, bevor die Fed Liquidität in die Wirtschaft injiziert. Er stellte klar: "If we don’t see that progress, then you won’t see the rate cut."
In Europa preisen die Finanzmärkte bis zu drei EZB-Zinserhöhungen bis Jahresende ein. Das wachsende Risiko eines langwierigen Nahostkonflikts hat die geldpolitischen Falken weltweit wieder in den Vordergrund gerückt. Die Fed steht vor einem Dilemma: auf die Aufwärtsrisiken für die Inflation oder die Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt zu reagieren. Die Politik scheint bereit, einen einmaligen energiebedingten Inflationsschub zu ignorieren, wobei die Inflationserwartungen entscheidend sein werden.
In einer relativ datenarmen Woche werden die Finanzmärkte die Kommentare mehrerer Fed-Vertreter genau verfolgen. Geplante Redner sind:
- Gouverneur Michael Barr (Dienstag, Donnerstag) zum Wirtschaftsausblick
- Stephen Miran (Mittwoch, Donnerstag) zu digitalen Vermögenswerten und der Fed-Bilanz
- Lisa Cook (Donnerstag) zur Finanzstabilität
- Gouverneur Philip Jefferson (Donnerstag/Freitag)
- San Francisco Fed-Präsidentin Mary Daly (Freitag)
- Philadelphia Fed-Präsidentin Anna Paulson (Freitag)
Blick auf die US-Wirtschaftsdaten: Indikatoren im Fokus der Fed
Die folgenden US-Wirtschaftsdaten werden diese Woche voraussichtlich die Denkweise der Fed hinsichtlich der Auswirkungen des Krieges und des Zinsausblicks beeinflussen:
- Verbraucherstimmung: Die University of Michigan wird am Freitag ihre endgültigen März-Daten veröffentlichen. Die vorherige Lesung zeigte einen Rückgang der Stimmung auf 55,5 von 56,6. Das Update dürfte zeigen, dass steigende Benzinpreise die Haushalte im ganzen Land verunsichern.
- Import-/Exportpreise: Die Februar-Daten (Mittwoch) folgen einem Rückgang von 0,1% m/m im Januar. Dies ist ein Vorkriegsbericht und wird den Anstieg der Rohstoffpreise im März nicht widerspiegeln.
- Geschäftsumfragen: Regionale Umfragen erhalten besondere Aufmerksamkeit. Berichte kommen von der Chicago Fed (Montag), Richmond Fed (Dienstag) und Kansas City Fed (Donnerstag). S&P Global veröffentlicht am Dienstag die März-Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor. Der Einfluss des Krieges auf die Wirtschaft könnte hier sichtbar werden.
- Arbeitslosenanträge: Die Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung bleiben positiv, da die Anträge weiterhin moderat sind. Eine Lesung um das Niveau der letzten Woche von 205.000 (Donnerstag) würde bestätigen, dass Entlassungen niedrig bleiben.
Europäische und globale Wirtschaftsindikatoren
Auch außerhalb der USA stehen wichtige Daten an, die Aufschluss über die globale Wirtschaftslage geben:
- Japan: Japans Kern-VPI im Jahresvergleich für Februar (Dienstag, 7:30 Uhr MEZ).
- Europa: Vorläufige März-PMI-Werte für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für Frankreich (Dienstag, 16:15 Uhr MEZ), Deutschland (Dienstag, 16:30 Uhr MEZ), die Eurozone (Dienstag, 17:00 Uhr MEZ) und Großbritannien (Dienstag, 17:30 Uhr MEZ). Diese liefern erste Einblicke in die Geschäftstätigkeit während des Konflikts und die Auswirkungen steigender Energiepreise.
- Deutschland: Der IFO-Geschäftsklimaindex für März (Mittwoch, 17:00 Uhr MEZ).
- Großbritannien: Die VPI-Monatsrate und der Einzelhandelspreisindex für Februar (Mittwoch, 15:00 Uhr MEZ).
Das Treffen der G7-Finanzminister, geplant von Donnerstag bis zum 27. März, ist noch unbestimmt.
Marktstimmung und Ausblick: Keine Wiederholung der 70er Jahre?
Die Märkte bleiben angespannt, da der Iran-Konflikt in die vierte Woche geht. Der S&P 500 erlebte den ersten 5%-Rückgang dieses Jahres, was die Sensibilität der Anleger für eskalierende geopolitische Risiken unterstreicht. Trotz des "Ölschocks" scheint die aktuelle Situation keine Wiederholung der Stagflation der 1970er Jahre zu sein.
Gründe dafür sind:
- Energie macht einen kleineren Anteil der Konsumausgaben aus.
- Die USA sind bei der Versorgung besser isoliert.
- Die Wirtschaft ist weniger ölintensiv.
Das Basisszenario ist ein starker, aber vorübergehender Anstieg der Ölpreise. In diesem Fall würde sich das Wachstum moderat verlangsamen, die Inflation kurzfristig steigen und die Fed später im Jahr einmal die Zinsen senken. Die Volatilität könnte erhöht bleiben, aber stärkere Fundamentaldaten sollten eine gewisse Abfederung bieten. Bleiben die Ölpreise hoch, könnten Energie-, US-Large-Cap- und Technologieaktien am besten abschneiden. Bei einer Entspannung der Spannungen könnten Small Caps, Value- und internationale Aktien die Führung übernehmen. Höhere Energiepreise wirken wie eine Steuer auf Verbraucher, die die Kaufkraft schmälert und die diskretionären Ausgaben belastet.