Iran-Konflikt treibt Ölpreise und sorgt für Marktvolatilität

Iran-Konflikt treibt Ölpreise und sorgt für Marktvolatilität

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Der eskalierende Iran-Konflikt hat in der vergangenen Woche die globalen Finanzmärkte stark beeinflusst. Insbesondere die Ölpreise schossen in die Höhe, was den S&P 500 in seine erste dreiwöchige Verlustserie seit etwa einem Jahr stürzte. Anleger blicken nun besorgt auf die Inflationsentwicklung und die mögliche Reaktion der Zentralbanken.

Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die Ölmärkte

Die Spannungen im Nahen Osten führten zu einem deutlichen Anstieg der Rohölpreise. Brent-Rohöl, der internationale Benchmark, und West Texas Intermediate (WTI), der amerikanische Standard, stiegen in den letzten fünf Handelstagen um über 11 % bzw. 8 %. Am Donnerstag überschritt Brent erstmals seit 2022 die Marke von 100 US-Dollar. Bereits am Montag kletterten Brent und WTI kurzzeitig über 119 US-Dollar, bevor sie wieder nachgaben und dann erneut anstiegen.

Der Konflikt bedroht die globalen Ölversorgungsketten. Iran, ein wichtiger Ölproduzent, hat Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, indem es versucht, Ölexporte aus dem Persischen Golf zu behindern. Etwa 20 % der weltweiten Ölversorgung fließen durch die Straße von Hormuz, die an Iran grenzt. Berichten zufolge wurden dort bereits Öltanker angegriffen und Ölinfrastruktur in der Region mit Drohnen attackiert.

Diese Angriffe haben die Tankerfrachtraten in die Höhe getrieben und dazu geführt, dass Versicherer Deckungen stornierten. Mehrere Energieunternehmen mussten zudem ihre Produktion aufgrund von Sicherheitsproblemen oder fehlenden Lagerkapazitäten reduzieren oder einstellen. Sollte Iran den Ölfluss aus dem Persischen Golf weiterhin behindern oder wichtige regionale Ölinfrastruktur zerstören, könnten die Rohölpreise die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel dauerhaft überschreiten.

An einem Montag, an dem die Ölpreise wild schwankten, stieg Brent-Rohöl auf bis zu 119,50 US-Dollar. Laut Berichten war dies das erste Mal, dass die Marktpreise seit der russischen Invasion in der Ukraine die psychologisch wichtige 100-Dollar-Schwelle überschritten. Später am Tag fielen die Preise jedoch wieder auf rund 85 US-Dollar für Brent und 86 US-Dollar für WTI, nachdem Berichte über eine mögliche gemeinsame Freigabe von Ölreserven durch die G7-Finanzminister kursierten und der damalige US-Präsident Donald Trump den Konflikt als "sehr abgeschlossen" bezeichnete.

Volatilität an den Aktienmärkten und Anlegerstrategien

Die Unsicherheit im Nahen Osten führte zu einer breiten Schwäche an den Aktienmärkten. Neun der elf S&P 500 Sektorindizes verzeichneten in der vergangenen Woche Verluste, wobei der Gesamtindex um 1,6 % fiel. Lediglich die Sektoren Energie und Versorger konnten Gewinne verbuchen.

Jim Cramer, Moderator von "Mad Money" und Leiter des CNBC Investing Club, riet Anlegern, angesichts der unberechenbaren Schlagzeilen zu Ölpreisen und Konfliktentwicklungen, zunächst abzuwarten. Er warnte davor, in schwierigen Zeiten komplett aus dem Aktienmarkt auszusteigen, da es unmöglich sei, den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg zu finden und man so eine spätere Erholung verpassen könnte.

Als der S&P Short Range Oscillator ein überverkauftes Signal (unter minus 4 %) anzeigte, sah Cramer jedoch eine Kaufgelegenheit. Der CNBC Investing Club stockte seine Position in Procter & Gamble auf und veröffentlichte eine Einkaufsliste für fünf weitere Aktien. Am Freitag wurden zudem Alphabet-Aktien erworben. Cramer und sein Team halten es für möglich, dass der Oscillator minus 10 % erreichen könnte, was historisch gesehen einen hervorragenden Kaufzeitpunkt darstellt.

Der Anstieg der Rohölpreise beflügelte auch die Aktienkurse von Ölunternehmen. So stiegen die Aktien des US-Öl- und Gasriesen Occidental Petroleum um über 30 %, während ExxonMobil rund 25 % zulegte. Diese Unternehmen profitieren von den höheren Preisen, die ihre Gewinne und freien Cashflows steigern. Occidental Petroleum hatte sich in den letzten Jahren auf Effizienzsteigerung und Schuldenabbau konzentriert, um auch bei niedrigeren Preisen hohe freie Cashflows zu generieren. ExxonMobil verfolgt eine mehrjährige Strategie zur Steigerung seiner margenstärksten Ressourcen und zur Kostensenkung, die bei einem durchschnittlichen Ölpreis von 65 US-Dollar pro Barrel ein zweistelliges jährliches Gewinn- und Cashflow-Wachstum bis 2030 ermöglichen soll.

Stagflationssorgen und die Rolle der Fed

Der jüngste Anstieg der Ölpreise hat die Inflationsaussichten eingetrübt und die Bedeutung der jüngsten Wirtschaftsberichte – des Verbraucherpreisindex (CPI) für Februar und des Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) für Januar – in den Hintergrund treten lassen. Beide Berichte lagen vor den US-israelischen Angriffen auf Iran am 28. Februar vor.

Die Inflation wird in den kommenden Monaten voraussichtlich anziehen, und Anleger befürchten nun eine Stagflation – höhere Preise bei geringem Wirtschaftswachstum. Einige Experten an der Wall Street verweisen auf die Stagflationsperiode der 1970er Jahre als warnendes Beispiel, als der S&P 500 im Zuge der OPEC-Ölkrise und einer Rezession um über 40 % einbrach.

Diese Bedenken haben die Erwartungen an weitere Zinssenkungen der Federal Reserve in diesem Jahr gedämpft. Laut dem CME FedWatch Tool favorisiert der Markt am Freitag keine Zinssenkung um 25 Basispunkte im September mehr. Die Fed wird voraussichtlich eine datenabhängige Haltung beibehalten, wobei anhaltend hohe Ölpreise und steigende Inflationserwartungen zukünftige Lockerungen verzögern oder reduzieren könnten. Das bevorstehende FOMC-Treffen wird ein wichtiger Fokus sein, da die zunehmenden Stagflationsrisiken das duale Mandat der Fed unter Spannung setzen.

Cybersecurity im Fokus

Inmitten der geopolitischen Spannungen entwickelte sich der Cybersecurity-Sektor positiv. CrowdStrike war ein Top-Performer im Portfolio des CNBC Investing Club und legte in der Woche um 3 % zu. Der Iran-Konflikt erhöhte die Wahrscheinlichkeit von Angriffen auf digitale Systeme, was die Attraktivität von Cybersecurity-Aktien steigerte.

George Kurtz, CEO von CrowdStrike, betonte die "außerordentliche Zunahme des Cyberterrorismus". Er warnte, dass viele weitere Unternehmen ins Visier geraten würden, die mit dem Konflikt in Iran in Verbindung stehen. Zudem nutze China die Ablenkung durch den Krieg, um seine Aktivitäten zu intensivieren, da es großes Interesse an den Entwicklungen habe. Diese Äußerungen folgten auf einen mutmaßlich Iran-bezogenen Cyberangriff auf das Medizintechnikunternehmen Stryker.

Der CNBC Investing Club hat eine Kaufempfehlung für CrowdStrike mit einem Kursziel von 500 US-Dollar. Obwohl auch Palo Alto Networks im Portfolio gehalten wird, strebt der Club eine Konsolidierung der Cyber-Engagements auf einen Namen an – CrowdStrike. Für Palo Alto Networks besteht eine Halteempfehlung mit einem Kursziel von 200 US-Dollar.

Ausblick und Risiken

Die anhaltende Volatilität an den Ölmärkten und die damit verbundenen Inflationsrisiken bleiben zentrale Themen für Anleger. Eine rasche Deeskalation des Konflikts, bei der Iran die Angriffe auf Öltanker im Golf einstellt, könnte die Rohölpreise wieder sinken lassen. Andernfalls könnten die Preise weiter steigen.

Die Federal Reserve steht vor der Herausforderung, ihre Geldpolitik in einem Umfeld steigender Inflation und potenziell gedämpften Wachstums anzupassen. Die Entwicklung der Ölpreise und die geopolitische Lage werden maßgeblich beeinflussen, ob und wann weitere Zinssenkungen erfolgen. Anleger sollten sich auf anhaltende Unsicherheit und mögliche Marktverwerfungen einstellen.