
Iran-Konflikt: Wie eine Eskalation Ölpreise und Inflation beeinflusst
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Die Anzeichen für mögliche US-Militärschläge gegen Iran verdichten sich, was die Ölpreise bereits in die Höhe treibt und Fragen nach den potenziellen wirtschaftlichen Folgen eines verschärften Konflikts in der Region aufwirft. Ökonomen warnen, dass offene Feindseligkeiten die globalen Ölströme einschränken, die Energiepreise in den USA erhöhen und die Inflation antreiben könnten.
Eskalation im Nahen Osten: Trumps Ultimatum an Iran
Präsident Trump hat den Druck auf Iran, das über einige der weltweit größten Ölreserven verfügt, wegen des umstrittenen Atomprogramms des Landes erhöht. Quellen, die mit den Diskussionen vertraut sind, berichteten CBS News, dass hochrangige nationale Sicherheitsbeamte dem Präsidenten mitgeteilt haben, das Militär könnte bereits am Samstag einsatzbereit sein. Trump selbst äußerte sich auf dem Gründungstreffen seines "Board of Peace" am Donnerstag und gab Iran etwa 10 Tage Zeit, um ein Abkommen zur Beendigung seines Atomprogramms zu schließen, andernfalls würden "schlimme Dinge passieren". Er fügte hinzu: "Vielleicht werden wir einen Deal machen. Sie werden es in den nächsten wahrscheinlich 10 Tagen herausfinden."
Ölpreise im Fokus: Was ein Konflikt bedeuten würde
Die unmittelbarsten wirtschaftlichen Auswirkungen wären auf dem Ölmarkt zu spüren. Iran kontrolliert die nördliche Seite der Straße von Hormus, durch die etwa 20 % des weltweiten täglichen Ölangebots transportiert werden. Am Donnerstag stieg der Preis für ein Barrel der US-Benchmark-Rohölsorte um 2,6 % auf 66,71 US-Dollar, ein Anstieg von 16 % seit Jahresbeginn. Brent-Rohöl notierte am Donnerstag bei 71,72 US-Dollar pro Barrel, WTI bei 66,67 US-Dollar.
Wall-Street-Analysten betonen, dass die Auswirkungen eines militärischen Konflikts vom Ausmaß und der Absicht eines amerikanischen Angriffs abhängen würden, einschließlich der Frage, ob US-Streitkräfte Angriffe auf iranische Ölanlagen vermeiden und wie Teheran reagiert. Analysten von Capital Economics vermuten: "Wenn die Ölinfrastruktur [Irans] getroffen wird und die Ölversorgung beeinträchtigt wird... vermuten wir, dass die Ölpreise auf 100 US-Dollar pro Barrel steigen könnten, zumal dies die Wahrscheinlichkeit erhöhen würde, dass Iran versucht, die Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus zu blockieren." Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle nur 21 Meilen breit und somit anfällig für Störungen.
Inflationäre Auswirkungen: Benzinpreise und Zinspolitik
Iran produziert täglich 4,7 Millionen Barrel Öl, was etwa 4,4 % des weltweiten Angebots ausmacht. Obwohl der Großteil des iranischen Öls nach China verschifft wird, könnte jede Störung durch steigende Erdölpreise Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Für US-Verbraucher könnten höhere Preise an der Zapfsäule die unmittelbarste Folge sein, was die Haushaltsbudgets belasten und den jüngsten jährlichen Rückgang der Benzinpreise verlangsamen könnte. Patrick De Haan, Leiter der Erdölanalyse bei Gas Buddy, schrieb am Donnerstag in den sozialen Medien: "Rohölpreise [steigen] aufgrund des erhöhten Risikos von US-Angriffen auf Iran. Dies wird den Frühlingsanstieg der Benzinpreise verstärken, aber nicht unbedingt einen Anstieg wie im Jahr 2022 verursachen."
Laut Capital Economics führt ein jährlicher Anstieg der Ölpreise um 5 % typischerweise zu einem Anstieg der durchschnittlichen Inflation in fortgeschrittenen Volkswirtschaften wie den USA um etwa 0,1 Prozentpunkte. Das bedeutet, dass die Inflation um 1 Prozentpunkt steigen könnte, wenn die Ölpreise auf 100 US-Dollar pro Barrel steigen, und um etwa 0,5 Prozentpunkte bei 80 US-Dollar pro Barrel. Die US-Inflation kühlte im Januar auf eine Jahresrate von 2,4 % ab, aber die Preise steigen immer noch schneller als das 2 %-Jahresziel der Federal Reserve. Eine erneute Beschleunigung der Inflation könnte die Fed dazu veranlassen, weitere Zinssenkungen aufzuschieben, was ein potenzieller Gegenwind für Kreditnehmer und Unternehmensinvestitionen wäre.
Regionale Diplomatie: Angst vor einer unkontrollierbaren Krise
Regierungen im gesamten Nahen Osten, darunter Riad, Ankara und Doha, haben mit ungewöhnlicher Dringlichkeit gehandelt, um die Konfrontation einzudämmen. Ihre Motive sind nicht von abstrakten Friedensappellen getrieben, sondern von der harten Kalkulation, dass ein Krieg zwischen Iran und den Vereinigten Staaten ihr Territorium, ihre Wirtschaft und ihre politische Stabilität unmittelbaren Risiken aussetzen würde.
- Oman hat die sichtbarste Vermittlerrolle gespielt, Gespräche veranstaltet und als vertrauenswürdiger Kanal zwischen den beiden Seiten gedient.
- Katar beherbergt die Al Udeid Air Base, die größte US-Militäranlage in der Region, unterhält aber auch funktionale Beziehungen zu Teheran. Katarische Beamte warnten, dass jeder Krieg "katastrophal" wäre.
- Saudi-Arabien hat nach Jahren der Konfrontation mit Iran eine vorsichtigere Haltung eingenommen. Kronprinz Mohammed bin Salman betonte die Vermeidung einer Eskalation.
- Ägypten fürchtet, dass ein Konflikt die Sicherheit des Suezkanals und der Schifffahrtsrouten im Roten Meer beeinträchtigen könnte, die für seine Wirtschaft von entscheidender Bedeutung sind.
- Die Türkei, die eine Grenze zu Iran teilt und tiefe Wirtschaftsbeziehungen unterhält, hat ihre diplomatischen Bemühungen intensiviert. Präsident Recep Tayyip Erdoğan betonte, Ankara wolle keinen weiteren Krieg im Nahen Osten. Außenminister Hakan Fidan warnte, dass Militärschläge weder die iranische Führung stürzen noch den Atomstreit lösen würden. Ein Krieg könnte Flüchtlingsströme auslösen, Grenzregionen destabilisieren und ethnische Spannungen, insbesondere in kurdischen Gebieten, anheizen.
Anlegerreaktionen: Gold als sicherer Hafen
Angesichts der wachsenden Spekulationen über einen möglichen US-Angriff auf Iran setzen Anleger auf geopolitische Turbulenzen und Störungen der Ölströme. Riz Malik, Direktor bei R3 Wealth, kommentierte: "Globale Instabilität führt oft zu einer Flucht in sichere Anlagen, was zu einem kurzfristigen Ausverkauf von Aktien und einem Wechsel zu Edelmetallen wie Gold führt, die oft eine erhöhte Nachfrage erfahren." Der Spot-Goldpreis lag zuletzt bei 4.991,58 US-Dollar. Die großen US-Indizes verzeichneten Verluste, da die Wall Street die Entwicklungen aufmerksam verfolgt.
Mögliche Szenarien und Ausblick
Analysten spekulieren, dass das Weiße Haus wahrscheinlich keinen Regimewechsel anstreben wird, der eine monatelange Militärkampagne zur Folge hätte. Joachim Klement, Research Analyst bei Panmure Liberum, merkte an, dass es an politischem Willen für einen Führungswechsel in Iran fehle, angesichts Trumps Kritik an gescheiterten US-Interventionen in Afghanistan und Irak. Ein wahrscheinlicherer Ausgang scheint eine Bombardierungskampagne zu sein, die darauf abzielt, Irans nukleare Fähigkeiten oder militärische Infrastruktur weiter zu beschädigen. In einem solchen Basisszenario einer kurzen militärischen Intervention ohne Bodentruppen oder eine umfassende Invasion wird Iran die Straße von Hormus voraussichtlich nicht blockieren, obwohl die Ölpreise für einige Zeit ein erhöhtes Risikoprämium widerspiegeln würden.
Die Unsicherheit über die genaue Entwicklung und die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft bleibt hoch. Alle Augen sind nun auf weitere Hinweise aus dem Weißen Haus gerichtet.