
Iran-Krieg: Bondmarkt-Revolte, Gold-Einbruch und steigende Energiepreise
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Die vergangene Woche war von einer Reihe signifikanter Entwicklungen geprägt, darunter eine mögliche Wende in der Zinspolitik der Fed, eine kontroverse Äußerung eines hochrangigen Beraters des Weißen Hauses und ein historischer Einbruch am Goldmarkt. Diese Ereignisse stehen im Kontext des anhaltenden Konflikts im Iran und dessen weitreichenden wirtschaftlichen Auswirkungen.
Zinsanhebung im Fokus: Bondmarkt-Reaktion
Präsident Donald Trumps aggressives Drängen auf Zinssenkungen stößt auf eine unerwartete Reaktion am Bondmarkt. Der anhaltende Krieg im Iran hat zu einer überraschenden Prognose geführt: Eine potenzielle Zinserhöhung bis zum Jahresende wird nun in Betracht gezogen. Dies steht im starken Kontrast zu den noch vor weniger als drei Wochen erwarteten Zinssenkungen von 60 Basispunkten.
Goldmarkt erlebt historischen Einbruch
Der Goldmarkt verzeichnete einen erheblichen Abschwung und erlebte seine schlechteste Wochenperformance seit über vier Jahrzehnten. Dieser Rückgang wird auf zwei Hauptfaktoren zurückgeführt: die schwache Performance der SPDR Gold Shares-Aktien und die Auswirkungen des anhaltenden Iran-Krieges.
Steigende Energiepreise und die Jones Act
Die US-amerikanischen Verbraucher spüren die Auswirkungen des Konflikts direkt an der Zapfsäule. Die nationalen Benzinpreise erreichten 3,84 Dollar pro Gallone, ein Anstieg von 24,8 Cent gegenüber dem Vorjahr. Am Donnerstag lag der nationale Durchschnittspreis für Benzin laut AAA bei etwa 3,88 Dollar pro Gallone.
Die Trump-Administration reagierte auf die steigenden Kraftstoff- und Düngerpreise während des Iran-Krieges mit einer 60-tägigen Aussetzung des Jones Act. Dieser Schritt, der die strengen Vorschriften des Jones Act vorübergehend lockert, wird von Finanz- und Politikexperten jedoch als kurzfristige Lösung für eine tiefere Wirtschaftskrise angesehen.
Kontroverse um Wirtschaftliche Auswirkungen
Kevin Hassett, der oberste Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, sorgte mit einer kontroversen Äußerung zu den finanziellen Auswirkungen des US-israelischen Krieges mit dem Iran auf amerikanische Verbraucher für Empörung. Er wies die Bedenken zurück, was in den sozialen Medien zu Protesten führte. Präsident Trump selbst bezeichnete den Konflikt als "sehr geringen Preis", den man nach Jahren des Terrors der iranischen Führung zahlen müsse. Er prognostizierte, dass die Ölpreise nach Kriegsende "wie ein Stein fallen" würden und räumte ein, dass die Wirtschaft infolge des Krieges "ein wenig zurückgehen" werde.
Risiken der Energiepolitik Trumps
Experten sehen in der Energiepolitik von Präsident Trump, die sich stark auf fossile Brennstoffe konzentriert und erneuerbare Energien vernachlässigt, ein Risiko. Tyson Slocum, Energiedirektor bei Public Citizen, einem Verbraucherschutzverband, merkte an, dass fossile Brennstoffe ihre eigenen Versorgungsrisiken bergen und die Regierung keine Antworten habe. Peter Gleick, Klimawissenschaftler und Mitbegründer des Pacific Institute, fügte hinzu, dass die größten kurzfristigen Verlierer des Krieges die US-Verbraucher von Öl und Gas sein werden, da die Energiepreise steigen.
Die Strategie, saubere Energien wie Wind- und Solarenergie zu blockieren, habe die Amerikaner mit weniger alternativen Energiequellen und somit anfälliger für durch den Krieg verursachte Versorgungsengpässe gemacht, so Experten.
Globale Lieferketten unter Druck
Die effektive Schließung der Straße von Hormus und die gleichzeitige Wiederaufnahme der Huthi-Angriffe auf den Suez-Korridor haben das Potenzial für die schwerste duale Engpass-Schifffahrtskrise der modernen Geschichte geschaffen. Die Straße von Hormus, die mehr durch den Entzug von Versicherungen und die Risikowahrnehmung als durch eine physische Blockade beeinträchtigt wird, hat den globalen Erdölfluss um etwa 20 % effektiv zum Erliegen gebracht.
Sollten diese Störungen länger als 30 Tage anhalten, deuten Wirtschaftsmodelle auf ein überwältigendes Rezessionsrisiko für große Importländer hin, wobei der Ölpreis je nach Schwere auf 100 bis 200 Dollar pro Barrel steigen könnte. Alle fünf großen Containerreedereien haben die Hormus-Durchfahrten ausgesetzt, und die daraus resultierenden Verzögerungen werden Lieferketten weit über den Nahen Osten hinaus betreffen.
Der Konflikt mit dem Iran hat rund 20 Millionen Barrel Rohöl pro Tag vom Weltmarkt genommen und die Ölpreise auf über 80 Dollar getrieben. Die Entwicklung des Konflikts in den kommenden Wochen wird entscheidend dafür sein, ob die Welt mit einem beherrschbaren Preisschock oder einer ausgewachsenen Rezession konfrontiert wird.
Gerüchte um Ölmarkt-Intervention dementiert
Scott Bessent wies in der CNBC-Sendung „Squawk Box“ Berichte über eine mögliche Intervention des Finanzministeriums auf dem Rohstoffmarkt zurück. Dieses Gerücht, das bei Marktexperten auf Kritik stieß, deutete darauf hin, dass die Regierung den Exchange Stabilization Fund nutzen würde, um den Öl-Futures-Markt zu shorten.