
Iran-Krieg erschüttert Weltwirtschaft: Ölpreise, Inflation und Lieferketten unter Druck
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Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran, der seit einem Monat andauert, erschüttert die Weltwirtschaft in ihren Grundfesten. Von explodierenden Energiepreisen über gestörte Lieferketten bis hin zu einer drohenden Stagflation – die globalen Auswirkungen sind weitreichend und betreffen Verbraucher sowie Unternehmen weltweit.
Globale Wirtschaft unter Druck
Die globale Wirtschaft sieht sich einem neuen Schock gegenüber, gerade als viele Organisationen glaubten, das Schlimmste der Inflationswelle sei überstanden. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt in ihrem Interim Economic Outlook vom März 2026, dass der Konflikt, insbesondere rund um den Iran und die Hormusstraße, die Wachstumsaussichten trübt und den Inflationsdruck durch höhere Energie- und Versandkosten wieder verstärkt. Die OECD hatte ursprünglich geplant, ihre globale BIP-Wachstumsprognose leicht auf 3,3 Prozent anzuheben, doch der neue Schock hat diese Gewinne zunichtegemacht und die Prognose auf 2,9 Prozent, dem Stand vom Dezember 2025, zurückgesetzt.
Fatih Birol, der Leiter der Internationalen Energieagentur (IEA), betonte die globale Tragweite der Krise: "Kein Land wird immun gegen die Auswirkungen dieser Krise sein, wenn sie sich in diese Richtung weiterentwickelt." Für Länder wie Kanada, dessen reales BIP-Wachstum für 2026 auf 1,2 Prozent prognostiziert wird – eine leichte Herabstufung von 1,3 Prozent im Dezember 2025 –, könnte eine Welt mit schwächerem Wachstum und hartnäckigerer Inflation mehr Volatilität bei den Rohstoffpreisen, eine weichere Währung und eine stärkere Divergenz zwischen den Sektoren bedeuten.
Energiepreise explodieren und treiben Inflation an
Die Energieversorgungskrise ist eine der unmittelbarsten und gravierendsten Folgen des Konflikts. Der Preis für ein Barrel Öl hat sich bei über 100 US-Dollar eingependelt, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 70 US-Dollar vor Kriegsbeginn. In den USA nähern sich die Benzinpreise der Marke von 4 US-Dollar pro Gallone, dem höchsten Stand seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022. Gleichzeitig müssen Verbraucher in Ländern wie den Philippinen und Indien stundenlang für Kraftstoff anstehen, da die Regierungen die schwindenden Vorräte rationieren.
Auch in Europa sind die Auswirkungen spürbar: Die Gaspreise haben sich verdoppelt. Dieser Energieschock droht die Inflation weiter anzuheizen, was wiederum höhere Zinsen und potenziell eine Rezession nach sich ziehen könnte. Einige Ökonomen warnen vor einer gefürchteten Stagflation im Stil der 1970er Jahre – einem "perfekten Sturm" aus hohen Preisen, einer stagnierenden Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit. Iran hat gedroht, den Ölpreis durch seine Gegenangriffe auf 200 US-Dollar pro Barrel zu treiben, indem es Schifffahrtswege durch die Hormusstraße sowie Raffinerien und Pipelines im gesamten Nahen Osten ins Visier nimmt. Ein iranischer Raketenangriff auf Ras Laffan, eine wichtige katarische LNG-Verarbeitungsanlage, führte zu Warnungen von Analysten vor einem "Doomsday"-Szenario für die Energiemärkte.
Lieferketten und Lebenshaltungskosten betroffen
Die Auswirkungen des Krieges reichen weit über den Energiesektor hinaus und belasten globale Lieferketten. Helium, ein kritischer Bestandteil für Halbleiterchips, die die KI-Revolution antreiben, ist ebenso betroffen wie Düngemittel. Die stark steigenden Kosten für Düngemittel, ein wichtiges Nebenprodukt der Erdölindustrie, schaden Landwirten weltweit und legen den Grundstein für einen starken Anstieg der Lebensmittelpreise.
Auch der Reiseverkehr ist massiv gestört, mit Flugausfällen und den schlimmsten Reisebehinderungen seit der COVID-19-Pandemie. Die europäische Schwerindustrie, die sich noch von dem Energieschock nach der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 erholt, spürt den Druck besonders. So ist beispielsweise das Teesside-Werk von Huntsman in Nordostengland gefährdet, und BASF, das weltweit größte Chemieunternehmen, erhöht seine Preise.
Finanzmärkte und Zentralbanken in Alarmbereitschaft
In den ersten Tagen nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran setzten die Finanzmärkte darauf, dass die wirtschaftlichen Folgen von Donald Trumps "kleinem Ausflug" im Nahen Osten nur von kurzer Dauer sein würden. Ein US-Fondsmanager äußerte, dass Risiken durch höhere Ölpreise langfristig zwar bestünden, dies aber ein "Tail Risk" sei, da geopolitische Eskalationen historisch oft kurzlebig waren. Goldman Sachs erwartete eine vorübergehende Störung und UniCredit prognostizierte eine Obergrenze von etwa 80 US-Dollar pro Barrel für Rohöl.
Drei Wochen später hat die Aussicht auf einen langwierigen Krieg zu zunehmenden wirtschaftlichen Problemen geführt. Die Ölpreise sind über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, die Volatilität beherrscht die Finanzmärkte, und Verbraucher weltweit stellen sich auf einen Anstieg der Lebenshaltungskosten ein. Zentralbanken, darunter die US-Notenbank Federal Reserve, die Bank of England und die Europäische Zentralbank, warnen, dass der Krieg erhebliche Auswirkungen auf die Inflation haben und das globale Wachstum beeinträchtigen könnte. Albert Edwards, ein Senior Analyst bei Société Générale, kommentierte: "Die Marktweisheit besagt immer noch, dass der Krieg schnell enden wird und die Hormusstraße bald wieder geöffnet sein wird. Vielleicht hat der Markt Recht, aber meiner Meinung nach sind die Risiken asymmetrisch, dass Stagflation die Selbstzufriedenheitsblase platzen lässt."
Die Rolle der Hormusstraße und geopolitische Unsicherheit
Die Hormusstraße, die enge Seepassage zwischen der südlichen Küste Irans und Oman, hat sich als kritischer Engpass erwiesen. Irans Militär hat die Schifffahrt im Golf und in der Hormusstraße angegriffen und den Transit für die meisten Schiffe effektiv verhindert. Diese Störung des Verkehrs in der Hormusstraße wird von der iranischen Führung wahrscheinlich als direkter militärischer und finanzieller Druckpunkt angesehen, um die USA und Israel zum Stopp der Angriffe zu zwingen. Solche iranischen Angriffe auf die Schifffahrt werden daher sehr wahrscheinlich für die Dauer des Krieges fortgesetzt.
Daten von S&P Global Market Intelligence zur maritimen Verfolgung zeigen, dass zwischen dem 1. und 14. März ein Rückgang von 96 Prozent bei den AIS-Broadcast-Transits aller Schiffstypen im Vergleich zu den vorherigen zehn Tagen (14.-28. Februar) zu verzeichnen war. Iranische Behörden gaben an, einigen Schiffen, die mit Festlandchina, Bangladesch, der Türkei und Indien verbunden sind, die Durchfahrt erlaubt zu haben. Der neue Oberste Führer Irans, Mojtaba Khamenei, erklärte am 12. März, dass Iran die Angriffe auf US-Basen in der Region fortsetzen und die Hormusstraße blockieren werde.
Die Ziele der USA und Israels für den Krieg im Nahen Osten deuten darauf hin, dass das derzeitige Tempo der Kampfhandlungen wahrscheinlich noch mindestens zwei bis vier Wochen anhalten wird. Die Botschaften aus Washington DC sind derweil gemischt: Präsident Trump erklärte den Krieg für "gewonnen", sagte aber auch, er könne "bald" enden oder müsse "weitergehen", was eine zusätzliche Unsicherheit für die globalen Märkte und die Weltwirtschaft schafft.