
Iran-Krieg: Ölpreise explodieren und globale Energiekrise verschärft sich
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Seit dem Ausbruch des U.S.-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar 2026 erleben die globalen Ölmärkte extreme Volatilität. Die Preise für Brent Rohöl sind seit Kriegsbeginn um über 55% gestiegen, mit Spitzenwerten nahe 120 US-Dollar pro Barrel, da Ängste vor Versorgungsstörungen durch die strategisch wichtige Straße von Hormus dominieren. Diese Entwicklung hat eine beispiellose Energiekrise ausgelöst, die weit über ein temporäres geopolitisches Risiko hinausgeht.
Chronologie der Eskalation und Markt-Reaktionen
Der Konflikt begann am 28. Februar, einem Samstag, mit gemeinsamen U.S.-israelischen Angriffen auf den Iran. Dabei wurden mehrere wichtige iranische Beamte getötet, darunter Ayatollah Ali Khamenei, der langjährige Oberste Führer der Islamischen Republik. Der Iran reagierte schnell mit Angriffen auf Infrastruktur in Golf-Hauptstädten, was die Region und Millionen Barrel Öl ins Chaos stürzte.
Am 2. März, dem ersten Handelstag nach den Angriffen, sprangen die Öl- und Gaspreise sprunghaft an, da der Krieg die Energieexporte aus dem Nahen Osten zum Erliegen brachte. Teheran begann, Schiffe und Energieanlagen anzugreifen, schloss die Navigation im Golf und legte die Energieproduktion von Katar bis zum Irak lahm.
Als der Krieg in seine zweite Woche ging und iranische Ölanlagen am 8. März erstmals getroffen wurden, stieg Brent Rohöl am Montag, dem 9. März, auf fast 120 US-Dollar pro Barrel. U.S.-Präsident Donald Trump bezeichnete dies als "kleinen Preis", um den Iran zu besiegen. Die Energieexporte im Golf blieben unter Druck, da die Vereinigten Arabischen Emirate, der Irak und Kuwait ihre Produktion drosselten und die Lagerbestände zur Neige gingen. Die Märkte reagierten auch auf die Nachricht, dass Iran Mojtaba Khamenei, den Sohn des verstorbenen Ayatollah Khamenei, zum neuen Obersten Führer ernannt hatte, der als Hardliner mit engen Verbindungen zu den Iranischen Revolutionsgarden gilt.
Nachdem Israel am 18. März das iranische Gasfeld South Pars angegriffen hatte, schlug Teheran mit einem Angriff auf Ras Laffan, eine große Energieanlage in Katar, zurück. Diese scharfe Eskalation ließ die Energiepreise erneut stark ansteigen. South Pars ist mit etwa 1.800 Billionen Kubikfuß die weltweit größte bekannte Erdgasreserve und ein Eckpfeiler der iranischen Energieversorgung.
Ein kurzes "Risk-Off"-Szenario führte am 23. März dazu, dass Brent unter 100 US-Dollar pro Barrel fiel. Präsident Trump erklärte, die U.S.A. und der Iran würden über ein Kriegsende sprechen, was den ersten Kontakt zwischen den Kriegsparteien markierte. Obwohl die Iraner dies zunächst dementierten, ebneten diese ersten Gespräche Berichten zufolge den Weg für einen Waffenstillstand Wochen später. Am 28. März gaben die jemenitischen Huthi bekannt, Raketen auf Israel abgefeuert zu haben, was ihre erste direkte Beteiligung am U.S.-israelischen Krieg gegen den Iran darstellte.
Am 7. April erklärte Trump, er habe zugestimmt, geplante Angriffe auf die iranische Infrastruktur für zwei Wochen auszusetzen, und nahm seine schockierenden Drohungen zurück, die "ganze Zivilisation" des Iran unmittelbar zerstören zu wollen. Er hatte zuvor auf Truth Social geschrieben: "Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, niemals wieder zurückgebracht werden. Ich möchte nicht, dass das passiert, aber es wird wahrscheinlich passieren."
Die Rohölpreise stiegen am 13. April erneut, nachdem die U.S. Navy eine Blockade über die iranischen Häfen verhängt hatte, da die U.S.A. und der Iran bei Verhandlungen in Pakistan keine Einigung über ein Kriegsende erzielen konnten. Zwischen dem 17. und 21. April erklärte der iranische Außenminister Seyed Abbas Araghchi die Straße von Hormus für den kommerziellen Verkehr vollständig geöffnet, woraufhin die Rohölpreise am 17. April um mehr als 10% fielen. Die Ölpreise sprangen am 20. April wieder an, nachdem die U.S. Navy am Vortag ein iranisches Containerschiff im Golf von Oman beschossen und beschlagnahmt hatte. Über das Wochenende verschärfte der Iran innerhalb weniger Stunden nach der Wiedereröffnung die Kontrolle über die Meerenge, mit Berichten über Schüsse auf Tanker und umkehrende Schiffe. Trump nannte die iranischen Aktionen am Wochenende eine "totale Verletzung" des Waffenstillstands und erneuerte Drohungen, iranische Kraftwerke und Brücken anzugreifen, falls Teheran ein Abkommen verweigere.
Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus
Die Straße von Hormus, die einzige Route in den Persischen Golf, ist ein kritischer Engpass für die globale Energieversorgung. Ein Fünftel des weltweiten Angebots an Rohöl und Flüssigerdgas (LNG) fließt normalerweise durch diese Meerenge, insbesondere nach Asien. Seit Beginn des Konflikts hat der Iran seine Fähigkeit und Bereitschaft demonstriert, die Kontrolle über die Straße auszuüben, unter anderem durch Angriffe auf mindestens 22 Schiffe im Persischen Golf.
In diesem Umfeld wagt kein Schiff die Durchfahrt ohne iranische Erlaubnis, und Versicherungen sind extrem teuer oder unmöglich zu erhalten. Obwohl die Straße nicht physisch blockiert ist, erreichen iranische Ölexporte den Markt, teilweise sogar in größeren Mengen als vor dem Konflikt. Die Krise hat jedoch zu einer erheblichen Versorgungsstörung geführt:
- Etwa 11 Millionen Barrel pro Tag Rohölproduktion wurden stillgelegt.
- Die Exportmengen aus dem Mittleren Osten sind von 15 Millionen auf effektiv 7 Millionen Barrel pro Tag gesunken.
- Raffinerie-Drosselungen tragen weitere 3 Millionen Barrel pro Tag zum Versorgungsdefizit bei.
Der Irak gehört zu den am stärksten betroffenen Produzenten; seine Vorkriegsexporte von rund 4 Millionen Barrel pro Tag sind auf etwa 900.000 Barrel pro Tag eingebrochen. Der Iran versucht zudem, durch Angriffe auf die Öl- und Gasinfrastruktur seiner Nachbarn, wie den Ras Laffan LNG-Komplex in Katar, das Yanbu-Terminal in Saudi-Arabien und Fujairah in den VAE, weiteren Druck auszuüben und die Versorgungsengpässe über die Öffnung der Straße hinaus zu verlängern.
Globale Energiekrise und wirtschaftliche Folgen
Knapp zwei Monate nach Kriegsbeginn haben die globalen Energiemärkte die Phase der "geopolitischen Risikoprämie" hinter sich gelassen und sind in eine weitaus gefährlichere Phase eingetreten. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnet die aktuelle Situation als die "größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes". Brent Rohöl, die internationale Benchmark, stieg in der Eröffnungswoche auf fast 120 US-Dollar pro Barrel und pendelte sich dann über 100 US-Dollar pro Barrel ein, mit gelegentlichen Einbrüchen in die 90er-Marke, was einem kumulativen Anstieg von über 40% gegenüber dem Vorkriegsniveau entspricht.
Gleichzeitig kam es an den großen globalen Aktienmärkten zu heftigen Ausverkäufen, begleitet von wachsenden Ängsten vor Stagflation – jener toxischen Kombination aus galoppierender Inflation und kollabierendem Wirtschaftswachstum, die an die turbulenten 1970er Jahre erinnert. Der aktuelle Versorgungsengpass ist größer als die Ölpreiskrisen von 1973 und 1979 zusammen. Die U.S.-Benzinpreise erreichten erstmals seit 2022 wieder 4 US-Dollar pro Gallone. Die Auswirkungen reichen weit über Rohöl hinaus und umfassen Erdgas, chemische Düngemittel, petrochemische Produkte und deren zahlreiche Derivate, was eine kaskadierende Inflationskette darstellt, die das Herzstück jedes produktiven und Dienstleistungssektors durchdringt.
Politische Sackgasse und Ausblick
Die wirtschaftlichen Dimensionen dieser Krise sind untrennbar mit ihrer tiefen politischen Struktur und den geostrategischen Verflechtungen verbunden. Die Trump-Administration besteht weiterhin auf "praktisch unmöglichen" Friedensforderungen, insbesondere angesichts des politischen Systems und der komplexen Entscheidungsmechanismen des Iran. Diese Forderungen sind nach der Ernennung eines neuen Obersten Führers in Teheran, der als starrer und radikaler als sein Vorgänger beschrieben wird, noch unerreichbarer geworden. Dies signalisiert, dass das iranische Establishment auf Konfrontation statt auf Rückzug oder Zugeständnisse setzt.
Diese gegenseitige Unnachgiebigkeit verschließt die Türen zu einer diplomatischen Lösung auf absehbare Zeit, was bedeutet, dass sowohl fortgeschrittene als auch aufstrebende Volkswirtschaften unter einer anhaltenden Welle von Preisanstiegen leiden werden. Dennoch werden Mediations- und Deeskalationsbemühungen fortgesetzt, und die U.S.-Position hat Anzeichen einer Bewegung gezeigt, von Gesprächen über einen Regimewechsel hin zu Verhandlungen in Islamabad.
Der geopolitische Ausblick deutet auf ein anhaltendes Druckszenario ohne entscheidenden Durchbruch hin, mit einer Wahrscheinlichkeit von 50-60%. Ein vollständiges Eskalationsszenario, einschließlich Angriffen auf Energie- und Strominfrastruktur oder Bodentruppen, wird mit 20-35% Wahrscheinlichkeit eingeschätzt. Ein diplomatisches Ergebnis wird als unwahrscheinlich angesehen (etwa 15%). Ein Rahmen für einen begrenzten Waffenstillstand, der möglicherweise eine Form der iranischen Aufsicht über den Transit in der Straße von Hormus im Austausch für eine Einstellung der Bombardierungen vorsieht, wurde zwar ins Spiel gebracht, stößt jedoch auf starken Widerstand der Golfstaaten.