Iran-Krieg: Trumps Zeitplan wackelt, Ölpreise steigen – Droht globale Nachfragezerstörung?

Iran-Krieg: Trumps Zeitplan wackelt, Ölpreise steigen – Droht globale Nachfragezerstörung?

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Die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zum schnellen Ende des Iran-Krieges beruhigen die Märkte kaum. Während die Ölpreise nach den jüngsten Eskalationen weiter steigen, wachsen die Sorgen vor einer nachhaltigen Nachfragezerstörung und langfristigen Energieengpässen weltweit.

Trumps Kriegserklärung und die Marktreaktion

US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwochabend, er erwarte ein Ende des Krieges innerhalb von zwei bis drei Wochen. Er betonte, die US-Streitkräfte würden den Iran "extrem hart treffen", eine Aussage, die er bereits am Vortag wiederholt hatte. Der Konflikt begann am 28. Februar 2026 mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran, woraufhin Teheran mit Vergeltungsschlägen im gesamten Golfraum reagierte und die Straße von Hormus effektiv schloss.

Trotz Trumps Zusicherung, die militärischen Ziele bald zu erreichen, deutete er an, dass der Krieg eskalieren könnte, falls die iranische Führung den Forderungen Washingtons nicht nachkomme. Dies könnte auch Angriffe auf die Energie- und Ölinfrastruktur des Iran umfassen. Die iranischen Streitkräfte, vertreten durch Ebrahim Zolfaqari vom zentralen Hauptquartier Khatam al-Anbiya, warnten die USA und Israel ihrerseits vor "noch vernichtenderen, breiteren und zerstörerischeren" Angriffen und erklärten, der Krieg werde bis zur "dauerhaften Reue und Kapitulation" der Feinde Teherans fortgesetzt.

Die Märkte reagierten verhalten auf Trumps Rede. Die Ölpreise stiegen, während Aktienkurse fielen und der Dollar zulegte. Russel Chesler, Head of Investments and Capital Markets bei VanEck Australia, kommentierte, dass Trump, falls er versucht habe, Vertrauen in die Märkte zu schaffen, dies nicht gelungen sei. Die zentrale Frage für alle Investoren sei: "Wann wird das vorbei sein?"

Ölpreise auf Rekordhoch: Die Rolle der Hormusstraße

Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar sind die Ölpreise stark gestiegen. Der globale Referenzwert Brent Rohöl verzeichnete im März einen Anstieg von über 60 %, den größten monatlichen Preisanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1980er Jahren. Am Mittwochvormittag in London wurde Brent Rohöl zuletzt über 6,5 % höher bei rund 107,79 US-Dollar pro Barrel gehandelt, während US West Texas Intermediate (WTI) Rohöl um rund 6 % auf etwas über 106 US-Dollar pro Barrel zulegte.

Die effektive Schließung der Straße von Hormus, einer kritischen Schifffahrtsroute, die etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssigerdgasverkehrs abwickelt, trug maßgeblich zu diesem Preisanstieg bei. Diese Engpässe haben bereits zu Treibstoffknappheit in Asien geführt, und ähnliche Auswirkungen werden bald auch in Europa erwartet.

Die Angst vor der Nachfragezerstörung

Die anhaltend hohen Ölpreise und die begrenzte Verfügbarkeit schüren die Befürchtung einer "Nachfragezerstörung" – einem nachhaltigen Rückgang der Nachfrage. Dies kann Verbraucher dazu veranlassen, ihren Konsum bestimmter Güter wie Benzin zu reduzieren oder auf Alternativen wie Elektrofahrzeuge oder sparsamere Fahrzeuge umzusteigen.

Analysten von Goldman Sachs sehen ein erhebliches Potenzial für preisbedingte Nachfragerückgänge bei Benzin und Diesel in großen Märkten mit flexiblen Preisen, wie den USA, und in Schwellenländern, in denen die Preise stark gestiegen sind und die Kraftstoffnachfrage preissensibler ist, darunter Südafrika, die Philippinen, Malaysia und Vietnam. Erste Anzeichen einer Nachfragezerstörung zeigen sich bereits in der Luftfahrt und der asiatischen Petrochemieindustrie.

Scott Shelton, Energieanalyst bei TP ICAP, schätzt die bisherigen Gesamtverluste an Rohöl und raffinierten Produkten wie Diesel, Kerosin und Benzin auf rund 500 Millionen Barrel. Dies würde den vor dem Krieg bestehenden Lagerpuffer aufzehren. Er merkt an, dass Anzeichen einer Nachfragezerstörung bereits in Teilbereichen des Marktes, wie petrochemischen Produkten und Benzin in Asien, sichtbar sind.

Chris Metcalfe, Chief Investment Officer bei IBOSS, unterscheidet zwischen echter Nachfragezerstörung und "kurzfristiger Nachfrageanpassung", die durch höhere Preise und vorsichtiges Verhalten bedingt ist. Er nennt das Beispiel der USA, wo Benzinpreise kurzzeitig über 4 US-Dollar pro Gallone stiegen und das Verhalten änderten, aber der Effekt tendenziell kurzlebig und reversibel ist, wenn die Preise nicht dauerhaft hoch bleiben. Auch in Südkorea und Thailand sei der Konsum zurückgegangen, was eher temporäre Anpassungen als strukturelle Rückgänge widerspiegele.

Expertenmeinungen zur Dauer des Konflikts

Die Einschätzungen zur Dauer des Konflikts und seinen Auswirkungen gehen auseinander. Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank, bezeichnete die Markterwartungen einer schnellen Erholung vom Iran-Krieg als "übermäßig optimistisch". Sie erklärte gegenüber The Economist, es gebe "keine Möglichkeit", die verlorene Energieversorgung am Golf innerhalb von Monaten wiederherzustellen, und warnte, die Störung könne Jahre andauern.

Scott Shelton von TP ICAP äußerte, dass bei einem Ende des Krieges in zwei bis drei Wochen und einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus "genug Öl vorhanden sein wird, um diesen Schock für die Ölpreise zu überleben." Er zweifelt jedoch daran, wie Trump dies tatsächlich garantieren kann, um den Ölmarkt ausreichend zu beruhigen. Shelton warnte: "Wenn dieser Krieg über den Waffenstillstand am Wochenende hinausgeht, werden wir vor Mitte bis Ende des Monats Nachfragezerstörungsniveaus erreichen."

Simon Evenett, Professor für Geopolitik und Strategie an der IMD Business School in der Schweiz, ist der Ansicht, dass Trump trotz seines Versprechens, die Aufgabe im Iran zu "beenden", "keine praktikable Militärstrategie hat, um die anhaltende Bedrohung durch den Iran zu neutralisieren." Evenett prognostiziert, dass der Golfkonflikt "weit über drei Wochen hinausgehen wird", da der Iran den Kampf fortsetzen kann, selbst wenn die Vereinigten Staaten sich zurückziehen. Er warnt, dass der Iran die Straße von Hormus weiterhin strangulieren kann, was zu einem starken Anstieg der Ölpreise und physischen Engpässen führen würde, wodurch Nachfragezerstörung "eine Notwendigkeit" wird.

Globale wirtschaftliche Auswirkungen

Die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts und die Energieversorgung hat bereits weitreichende globale Auswirkungen. Neben den steigenden Ölpreisen und der Treibstoffknappheit in Asien, die bald auch Europa betreffen könnte, sind die Aktienmärkte weltweit unter Druck geraten. US-Index-Futures fielen um 1,3 %, europäische Futures sanken um über 2 %, und fast alle asiatischen Börsen, darunter Japans Nikkei (-2,4 %) und der MSCI-Index für andere asiatisch-pazifische Aktien (über 2 %), verzeichneten Verluste.

Der italienische Außenminister äußerte die Befürchtung, dass die Migrationsströme zunehmen könnten, sollte der Konflikt sich hinziehen. Die US-Botschaft in Bagdad forderte ihre Bürger auf, den Irak zu verlassen, und warnte vor Angriffen durch mit dem Iran verbündete Milizen in den nächsten 24 bis 48 Stunden. Die Eskalation hat bereits Tausende von Menschen im Nahen Osten das Leben gekostet, und die anhaltenden Angriffe, wie die von Israel gemeldeten neuen Salven und die von Saudi-Arabien und Abu Dhabi abgefangenen Drohnen und Raketen, unterstreichen die volatile Lage.

Erwähnte Persönlichkeiten