Iran nach Khamenei: Machtkampf, Militär und wirtschaftliche Unsicherheit

Iran nach Khamenei: Machtkampf, Militär und wirtschaftliche Unsicherheit

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Der Tod des iranischen Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei am 28. Februar 2026 durch einen gemeinsamen Militärschlag der USA und Israels hat einen formellen Nachfolgeprozess in Gang gesetzt. Diese Entwicklung könnte erhebliche Auswirkungen auf die politische Stabilität, die Sanktionsaussichten und die bereits angespannte Wirtschaft des Landes haben. Iran steht nun vor einer tiefgreifenden Unsicherheit, da dies erst der zweite Führungswechsel seit der Islamischen Revolution von 1979 ist.

Khameneis Tod und die unmittelbaren Folgen

Ayatollah Ali Khamenei, 86 Jahre alt, wurde am 28. Februar 2026 in seinem Büro innerhalb seiner Residenz getötet, wie iranische Staatsmedien bestätigten. US-Präsident Donald Trump bezeichnete Khamenei als "einen der bösesten Menschen der Geschichte" und nannte den Schlag "Gerechtigkeit für das iranische Volk". Khamenei hatte die Macht 1989 nach dem Tod von Ayatollah Ruhollah Khomeini übernommen und erbte einen revolutionären Staat, der sich nach dem Iran-Irak-Krieg noch konsolidierte.

Khamenei galt nicht als der offensichtliche Nachfolger, da ihm die damals von der Verfassung geforderten religiösen Qualifikationen fehlten. Eine Verfassungsrevision, die besagte, dass der Führer lediglich ein Experte der islamischen Jurisprudenz mit politischen und managerialen Fähigkeiten sein müsse, ermöglichte seine Erhebung, wie Karim Sadjadpour vom Carnegie Endowment for International Peace feststellte. Im Laufe seiner Herrschaft konsolidierte Khamenei die Autorität über Irans Schlüsselinstitutionen, darunter Militär, Justiz, Staatsrundfunk und wichtige strategische Entscheidungen gemäß Artikel 110.

Er setzte sich für eine "Widerstandsökonomie" ein, um die Selbstversorgung inmitten westlicher Sanktionen zu fördern, und blieb misstrauisch gegenüber einer Annäherung an den Westen. Seine Herrschaft war wiederholt von Protesten geprägt, darunter Massenproteste 2009 wegen angeblichen Wahlbetrugs, Demonstrationen 2022 für Frauenrechte und landesweite Unruhen Ende Dezember 2025 aufgrund wirtschaftlicher Missstände. Nach seinem Tod gab es Berichte über Feierlichkeiten in den Straßen, doch Analysten warnten, dass Jubel nicht gleich Transformation bedeute. Der Council on Foreign Relations (CFR) merkte an: "Khamenei auszuschalten ist nicht dasselbe wie ein Regimewechsel. Die Islamischen Revolutionsgarden sind das Regime."

Für die Übergangszeit werden der iranische Präsident Masoud Pezeshkian, Justizchef Gholamhossein Mohseni Ejei und ein weiterer Beamter des Rechtsrates die Führung übernehmen, wie das Staatsfernsehen berichtete.

Der formelle Nachfolgeprozess

Der Tod Khameneis leitet den erst zweiten Führungswechsel seit der Islamischen Revolution von 1979 ein. Verfassungsgemäß ist die 88-köpfige Expertenversammlung, ein Gremium schiitischer Kleriker, mit der Auswahl des Obersten Führers beauftragt. Die Mitglieder dieser Versammlung werden alle acht Jahre gewählt, wobei ihre Kandidaturen vom Wächterrat, dessen Mitglieder direkt oder indirekt vom Obersten Führer ernannt werden, genehmigt werden.

Die Expertenversammlung muss "so schnell wie möglich" einen neuen Obersten Führer wählen. Bis dahin kann ein Führungsrat, bestehend aus dem amtierenden Präsidenten, dem Justizchef und einem vom Schlichtungsrat gewählten Mitglied des Wächterrats, vorübergehend alle Führungsaufgaben übernehmen. Vor Khameneis Tod wurde 2014 berichtet, dass die Nachfolge bereits entschieden, aber nicht öffentlich bekannt sei. Ein vierköpfiger Rat der Expertenversammlung prüfte 2024 geheim mögliche Kandidaten.

Da Ali Khamenei durch einen ausländischen Luftschlag getötet wurde und nicht eines natürlichen Todes starb, entfaltet sich die Nachfolge unter anderen Regeln. Anstelle einer geplanten internen Übergabe steht Iran nun vor einem Machtkampf in Kriegszeiten.

Mögliche Szenarien für Irans Zukunft

Der Council on Foreign Relations (CFR) skizziert drei primäre Entwicklungspfade für die Führungstransition in Iran:

  • Regimekontinuität: Dieses Szenario, auch als "'Khamenei-ismus ohne Khamenei'" bezeichnet, würde bedeuten, dass ein neuer Führer die Wirtschaftspolitik mit begrenzten Ressourcen und wachsenden Belastungen gestalten müsste. Investoren und Haushalte könnten in diesem Fall weiterhin mit Unsicherheit konfrontiert sein, da der neue Führer "on the job lernen" müsste.
  • **Militärübernahme (Hard Right Shift):** Ein zweites Szenario sieht eine harte Verschiebung hin zu einem noch autoritäreren System vor, bei dem Elemente des Militärs und der Sicherheitskräfte die formelle Führung übernehmen. Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) könnten die Tötung Khameneis und die US-israelischen Angriffe als Argument für ein offen militärisches System unter weitreichenden Notstandsbefugnissen nutzen.
  • Regimekollaps: Dieses Szenario wird vom CFR als weniger wahrscheinlich für die unmittelbare Zeit nach dem Übergang eingeschätzt.

Analysten warnen, dass keines dieser kurzfristigen Szenarien in den etwa zwölf Monaten nach dem Übergang eine positive Transformation vorsieht. Die Tötung Khameneis in einem Luftschlag könnte das IRGC dazu bewegen, ein offen militärisches System unter Notstandsbefugnissen zu fordern.

Die Rolle der Revolutionsgarden (IRGC)

Die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) sind ein zentraler Akteur in Irans politischer Zukunft. Der Council on Foreign Relations (CFR) betont, dass die IRGC das eigentliche Regime darstellen. Obwohl das Militär historisch eine symbiotische, aber untergeordnete Beziehung zur klerikal dominierten Machtstruktur hatte, wurde seine Position nach dem Volksaufstand im Januar 2026 und der brutalen Reaktion der Regierung als "wesentlicher Akteur" zur Aufrechterhaltung des Systems gestärkt.

Seit dem Ende des Iran-Irak-Krieges dominieren Institutionen und Personen, die mit den Sicherheitsdiensten verbunden sind, wichtige Sektoren der iranischen Wirtschaft und Regierungsinstitutionen. Sollten die Generäle die Oberhand gewinnen, würden sie wahrscheinlich Irans radikal anti-amerikanische Ausrichtung sowie einige Merkmale des bestehenden Systems beibehalten. Gewählte Institutionen wie das Parlament würden wahrscheinlich verkümmern, da ihre Autorität und Legitimität durch autoritäre Kontrolle untergraben würden.

US-israelische Angriffe haben zwar einige IRGC-Anlagen beschädigt, aber den Kommandeuren auch einen Vorwand geliefert, die Autorität zu zentralisieren und zu behaupten, dass nur ein sicherheitsdominierter Staat das Land verteidigen kann. Einige hochrangige Offiziere könnten nun einen schwachen Kleriker als Obersten Führer bevorzugen, um ihre eigene Macht zu festigen.

Potenzielle Nachfolgekandidaten

Obwohl Khamenei keinen offiziellen Nachfolger benannt hatte, wurden verschiedene Namen als potenzielle Kandidaten gehandelt. Die Expertenversammlung wählt den neuen Führer, wobei die Entscheidung in Kriegszeiten von einem Machtkampf geprägt sein könnte.

Zu den am häufigsten genannten Namen gehören:

  • Mojtaba Khamenei: Der zweitälteste Sohn des verstorbenen Führers gilt als einer der Top-Anwärter. Er steht im Einklang mit der Hardliner-Politik seines Vaters und übte hinter den Kulissen erheblichen informellen Einfluss durch seine weitreichenden Verbindungen zu Sicherheitskräften und den IRGC aus. Das US-Finanzministerium nannte ihn verantwortlich für den Transfer von 1,5 Milliarden US-Dollar aus Iran. Allerdings gibt es starken öffentlichen Widerstand gegen eine Erbfolge.
  • Alireza Arafi: Ein hochrangiger Jurist mit wichtigen Rollen im Wächterrat, der Expertenversammlung und als Freitagsgebetführer in Qom. Seine Beförderung würde Kontinuität innerhalb der bestehenden klerikalen Ordnung signalisieren.
  • Hashem Hosseini Bushehri: An der Spitze des Präsidiums der Expertenversammlung und Teil des Qom-Establishments.
  • Gholamhossein Mohseni Ejei: Der Justizchef Irans und langjähriger Sicherheitsinsider. Er wird eher als Königsmacher oder Mitglied eines Führungsrats denn als alleinige religiöse Autorität angesehen.
  • Hassan Khomeini: Der Enkel des Gründers der Islamischen Republik, Ruhollah Khomeini. Er ist symbolisch wichtig, wird aber als politisch unzuverlässig und potenziell zu unabhängig eingestuft.

Weitere Namen, die in Teheran kursieren, sind Ali Larijani, Sadiq Larijani, Mohammad Mirbagheri, Mohsen Araki und Mohsen Qomi. Präsident Ebrahim Raisi galt vor seinem Tod bei einem Hubschrauberabsturz im Mai 2024 ebenfalls als einer der Favoriten. In Kriegszeiten könnten Arafi und Bushehri als sicherere Optionen erscheinen, während Mojtaba oder ein kollektiver Rat als riskanter wahrgenommen werden könnten.

Wirtschaftliche und politische Unsicherheiten

Khameneis Tod hat weitreichende Auswirkungen auf die politische Stabilität, die Sanktionsaussichten und die bereits angespannte Wirtschaft Irans. Unter seiner Führung verfolgte das Land eine "Widerstandsökonomie", um die Selbstversorgung inmitten westlicher Sanktionen zu fördern. Trotzdem führten wirtschaftliche Missstände Ende 2025 zu landesweiten Unruhen, bei denen einige Demonstranten offen den Sturz der Islamischen Republik forderten.

In einem Szenario der Regimekontinuität könnten Investoren und Haushalte weiterhin mit Unsicherheit konfrontiert sein. Ein neuer Führer müsste die Wirtschaftspolitik mit begrenzten Ressourcen und unter zunehmendem Druck gestalten. Die Aussicht auf weitere US- und israelische Angriffe schwebt über dem Land und könnte die wirtschaftliche Lage zusätzlich belasten. Die iranische Gesellschaft ist zudem durch jahrelange Repression und einen Wirtschaftskollaps radikalisiert, was die Herausforderungen für jede neue Führung weiter verschärft.

Erwähnte Persönlichkeiten