
Iran-US Atomgespräche in Genf: Ein "klarerer Weg" trotz Drohkulisse
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Die jüngsten indirekten Atomgespräche zwischen den USA und Iran in Genf haben nach iranischer Darstellung einen "klareren Weg" zu einem möglichen Abkommen aufgezeigt. Die Verhandlungen, die unter der Vermittlung Omans stattfanden, konzentrierten sich auf Teherans Atomprogramm, wurden jedoch von der anhaltenden militärischen Präsenz der USA in der Region und Drohungen von US-Präsident Donald Trump überschattet.
Fortschritte bei Genfer Atomgesprächen
Nach den Gesprächen am Dienstag, den 17. Februar 2026, äußerte sich der iranische Außenminister Abbas Araghchi positiv. Er beschrieb die Diskussionen als "völlig ernst" und die Atmosphäre als "konstruktiver" im Vergleich zur vorherigen Runde. Es sei eine "allgemeine Einigung über eine Reihe von Leitprinzipien" erzielt worden, auf deren Grundlage nun der Text eines potenziellen Abkommens ausgearbeitet werden soll. Araghchi betonte, dass dies nicht bedeute, dass schnell eine endgültige Einigung erzielt werden könne, aber "zumindest der Weg hat begonnen". Ein konkreter Termin für die dritte Runde der Gespräche wurde noch nicht festgelegt, jedoch wurde vereinbart, dass beide Seiten Entwürfe austauschen werden.
Drohkulisse und Militärpräsenz
Die Verhandlungen fanden vor dem Hintergrund erheblicher militärischer Drohungen der USA statt. Präsident Trump hatte im Dezember gegenüber dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu erklärt, dass die USA israelische Angriffe auf Irans ballistisches Raketenprogramm unterstützen würden, falls keine Einigung erzielt werde. Diese Drohung wird durch eine massive US-Militärpräsenz in den Gewässern um Iran untermauert: Eine Flugzeugträgerkampfgruppe befindet sich bereits in der Region, eine weitere, die USS Gerald R. Ford, ist auf dem Weg. Die USS Ford war zuvor im Januar 2026 im Rahmen einer US-Operation zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro in der Karibik eingesetzt worden. Der iranische Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei zeigte sich in einer Rede in Teheran unbeeindruckt von der US-Militärdrohung und erklärte: "Ein Kriegsschiff ist sicherlich eine gefährliche Waffe, aber noch gefährlicher ist die Waffe, die es versenken kann." Präsident Trump, der nach eigenen Angaben "indirekt" an den Verhandlungen beteiligt ist, äußerte die Überzeugung, dass das iranische Regime ein Abkommen wünsche, um die "Konsequenzen eines Scheiterns" zu vermeiden.
Irans Forderungen: Sanktionserleichterungen im Fokus
Teheran ist dringend daran interessiert, die schädlichen US-Wirtschaftssanktionen zu lockern. Nachdem Präsident Trump die USA 2018 einseitig aus dem 2015 von seinem Vorgänger Barack Obama ausgehandelten internationalen Atomabkommen zurückgezogen hatte, wurden Iran noch drakonischere Wirtschaftsstrafen auferlegt. Diese Sanktionen haben die iranischen Finanzen zerrüttet, was zu einer extrem hohen Inflation und einer Abwertung der Landeswährung führte. Grundnahrungsmittel sind selbst für relativ Wohlhabende kaum noch erschwinglich. Das durch die Sanktionen verursachte wirtschaftliche Leid führte Anfang Januar 2026 zu einer beispiellosen Welle von Protesten, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die iranische Führung sieht in der Aufhebung der Sanktionen die beste Option, um eine weitere Massenerhebung abzuwenden. Iranische Beamte bestehen jedoch darauf, das Recht des Landes auf Urananreicherung für ein ziviles Atomprogramm zu wahren. Außenminister Araghchi betonte auf Social Media, er sei in Genf "mit echten Ideen, um ein faires und gerechtes Abkommen zu erzielen. Was nicht auf dem Tisch liegt: Unterwerfung unter Drohungen."
US-Position: Umfassende Beschränkungen und Israels Einfluss
Die US-Delegation, angeführt von Trumps Sondergesandtem Steve Witkoff und seinem Schwiegersohn Jared Kushner, dürfte Forderungen stellen, die Irans nukleare Fähigkeiten einschränken sollen. Dazu gehören die mögliche Reduzierung oder Entfernung von Irans angereichertem Uranbestand und ein neuer Überwachungsplan der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA). Die Trump-Administration hat sich regelmäßig mit Israel beraten. Premierminister Netanjahu hat darauf bestanden, dass jedes neue Abkommen mit Iran Beschränkungen für ballistische Raketen und die Finanzierung von Stellvertreterkräften in der Region umfassen muss. Israel fordert zudem, dass Iran keinerlei eigene Urananreicherungskapazitäten besitzen sollte. US-Außenminister Marco Rubio äußerte am Montag die Hoffnung auf einen diplomatischen Durchbruch und betonte, Präsident Trump ziehe "immer friedliche und verhandelte Lösungen vor".
Vorgeschichte: Eskalation und gescheiterte Diplomatie
Diese Verhandlungsrunde folgt auf Jahre gescheiterter diplomatischer Ansätze und eine dramatische Eskalation im Juni 2025. Damals beteiligten sich die USA an einem zwölftägigen israelischen Krieg gegen Iran, indem sie Angriffe auf iranische Atomanlagen durchführten. Präsident Trump und Verteidigungsminister Pete Hegseth behaupteten, diese Angriffe hätten Irans Atomprogramm ausgelöscht, das Ausmaß des Schadens ist jedoch umstritten. Vor diesem Krieg hatte Iran unter Verweis auf den US-Rückzug aus dem vorherigen Atomabkommen sein Anreicherungsprogramm hochgefahren. Laut IAEA hatte Iran begonnen, Uran auf bis zu 60 % Reinheit anzureichern – ein kurzer, technischer Schritt von waffenfähigem Niveau entfernt. Die IAEA hatte Iran monatelang zu mehr Transparenz und Zusammenarbeit mit ihren Inspektoren aufgerufen. Eine erste Runde indirekter Gespräche, die Anfang Februar 2026 in Oman stattfand, wurde von Trump als "sehr gut" und von Araghchi als "guter Start" bezeichnet.
Ausblick auf weitere Verhandlungen
Obwohl kein spezifischer Zeitplan für die aktuelle Runde der Genfer Gespräche bestätigt wurde, endeten die Diskussionen am Dienstag nach mehreren Stunden. Araghchi äußerte die Hoffnung, dass dieser Prozess "so schnell wie möglich abgeschlossen werden kann", und betonte die Bereitschaft, "ausreichend Zeit dafür aufzuwenden". Die Arbeit werde detaillierter und komplexer, sobald es um die Ausarbeitung des Textes gehe. Die iranischen Revolutionsgarden begannen am Montag mit Militärübungen in der Straße von Hormus, um sich auf "potenzielle Sicherheits- und Militärbedrohungen" vorzubereiten, was die angespannte Lage zusätzlich unterstreicht. Die internationale Gemeinschaft blickt gespannt auf die weiteren Schritte in diesem komplexen diplomatischen Prozess.