
Irans Arsenal: Resilienz, Reichweite & globale Auswirkungen
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Iran hat in jüngsten Konflikten im Nahen Osten ein umfangreiches Arsenal an Drohnen und Raketen eingesetzt, das trotz intensiver Gegenangriffe bemerkenswert resilient bleibt. Diese militärische Schlagkraft beeinflusst nicht nur die regionale Stabilität, sondern hat auch spürbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte und die internationale Sicherheit.
Irans wachsendes Waffenarsenal im Fokus
Im nordirakischen Erbil untersuchten Sprengstoffexperten der Asayish, der Sicherheitskräfte der autonomen Region Kurdistan, kürzlich die Überreste iranischer Projektile. Eine der ballistischen Raketen, eine "Zolfaghar", schlug nur wenige Stunden zuvor in der Nähe einer Moschee am Stadtrand ein. Diese Rakete ist nur ein Teil des umfangreichen Arsenals, mit dem Iran in den letzten Wochen Golfstaaten und den Nahen Osten angegriffen hat.
Eine exklusive Präsentation der Asayish-Einheit für Business Insider zeigte Drohnen und Raketen, die seit Ende Februar in Kurdistan einschlugen und 17 Menschen töteten. Zu den geborgenen Trümmern gehören dreieckige Shahed-Langstreckendrohnen, massive ballistische Raketen und eine neue, jetgetriebene Drohne, die schwerer abzufangen ist. Der einflussreiche österreichische Oberst und Militäranalyst Markus Reisner betonte, dass Iran mit Hilfe Russlands, Chinas und Nordkoreas in den letzten Jahrzehnten ein beeindruckendes Arsenal an effektiven, technologisch hochentwickelten Langstreckenwaffen aufgebaut hat.
Die Zerstörungskraft iranischer Waffensysteme
Die Zolfaghar ist eine große ballistische Rakete, die einen Sprengkopf von bis zu 1.100 Pfund tragen kann. Iran setzt zudem seine am häufigsten verwendete Waffe ein, die Shahed-Langstreckendrohnen, die eine Reichweite von bis zu 1.200 Meilen haben. Halmat, ein Mitglied des kurdischen Bombenanalyseteams, identifizierte drei Arten iranischer Shahed-Drohnen, darunter die Shahed-136 mit ihrer erkennbaren Deltaflügelform, die auch Russland ausgiebig gegen die Ukraine einsetzt.
Neben diesen Modellen wurden auch die Meraj-532, eine Mittelstrecken-Angriffsdrohne der Revolutionsgarden, und die neue jetgetriebene Hadid-110 eingesetzt. Letztere kann Luftabwehrsysteme mit mehr als der doppelten Geschwindigkeit der meisten Shaheds überwinden und verfügt über eine dreieckige Flügelkonfiguration mit scharf abgewinkelten Oberflächen zur Reduzierung der Radarsignatur. Auch die massiven Überreste der ballistischen Kheibar-Rakete, die zivile Gebiete traf, wurden geborgen. Militärexperte Reisner hob hervor, dass Drohnen in einer sättigenden Kombination mit Marschflugkörpern und Raketen eingesetzt werden und in Verbindung mit gezielter Satellitenaufklärung aus Russland und China eine beunruhigende Präzision entwickeln.
Neue Drohnentechnologien und ihre Reichweite
Der Konflikt im Nahen Osten hat den Kampfeinsatz mehrerer neuer oder aufgerüsteter iranischer Waffensysteme gesehen. Dazu gehören die Sejjil-Rakete, eine 18 Meter lange, feststoffgetriebene Mittelstreckenrakete mit einem 700 kg schweren Sprengkopf und einer Reichweite von 2.000 km, die erstmals am 15. März gegen Israel eingesetzt wurde.
Ebenfalls neu ist die Khorramshahr-4, eine "supersschwere" ballistische Rakete mit einem 2-Tonnen-Sprengkopf und einer Geschwindigkeit von über 14 Mach, deren Reichweite zwischen 2.000 und 3.000 km liegt. Eine aufgerüstete Version der Haj Qassem-Rakete, die im Mai 2025 vorgestellt wurde, verfügt über eine erweiterte Reichweite von 1.200 km und einen modifizierten Sprengkopf, der das Eindringen in Luftverteidigungssysteme ermöglicht. Eine überraschende Entwicklung war ein gemeldeter iranischer Angriff am 20. März auf die weit entfernte Insel Diego Garcia, etwa 2.500 Meilen von Irans Grenzen entfernt, was die Grenzen der bisher angenommenen iranischen Fähigkeiten verschob.
Die Resilienz von Teherans Militärkapazitäten
Trotz der "Operation Epic Fury", bei der die USA und Israel über 13.000 Ziele im Iran angriffen, darunter mehr als 2.000 Kommando- und Kontrollziele, konnten Irans militärische Fähigkeiten nicht entscheidend gebrochen werden. US-Geheimdienstinformationen, die CNN zitierte, besagen, dass etwa die Hälfte der iranischen Raketenwerfer noch intakt ist und das Land weiterhin Tausende von Langstrecken-Kamikaze-Drohnen besitzt.
Iran war auch in der sechsten Kriegswoche noch in der Lage, täglich 60 bis 90 Drohnenangriffe – kombiniert mit Raketenangriffen – durchzuführen. Obwohl die Anzahl der Raketen pro Salve im Vergleich zum Kriegsbeginn abgenommen hat, kann Iran immer noch 15 bis 30 ballistische Raketen und 50 bis 100 Einweg-Angriffsdrohnen pro Tag abfeuern, wie ein westlicher Beamter berichtete. Dies unterstreicht Irans Fähigkeit, einen Zermürbungskrieg zu führen und die Region auch nach einem Waffenstillstand zu bedrohen.
Auswirkungen auf regionale Sicherheit und globale Energiemärkte
Die anhaltenden Angriffe Irans haben den Konflikt verlängert und den Druck auf die globalen Energiemärkte erhöht. Stunden nach der Ankündigung eines zweiwöchigen Waffenstillstands mit den USA am 7. April führte Iran Raketen- und Drohnenangriffe gegen mehrere westasiatische Länder durch, darunter die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain. Diese Angriffe waren laut iranischem Staatsfernsehen eine Reaktion auf Angriffe auf iranische Ölanlagen.
Die VAE meldeten die Abwehr von Raketen und Drohnen, wobei Operationen am Habshan-Gaskomplex vorübergehend eingestellt wurden und zwei Emiratis sowie ein indischer Staatsbürger verletzt wurden. Kuwait berichtete von der Abfangung von 28 Drohnen, die wichtige Ölinstallationen und Kraftwerke im Süden des Landes trafen und Infrastruktur beschädigten. Auch in Bahrain wurden nach dem Abfangen von Drohnen mehrere Häuser beschädigt und ein Brand in einer Energieanlage gemeldet. Die Fähigkeit Irans, die Straße von Hormus zu schließen, bietet zudem strategische Vorteile und eine Abschreckungskapazität.
Herausforderungen für die Luftverteidigung
Die jüngsten Wochen haben auch in der Region Kurdistan eine schmerzhafte Lektion erteilt: Selbst die Vereinigten Staaten, das fortschrittlichste Militär der Welt, können ihre Basen und diplomatischen Einrichtungen in einem modernen Drohnenkrieg nicht vollständig schützen. Während der Angriffe auf Erbil zielten Iran und seine verbündeten Milizen sowohl auf die US-Militärinstallation am Flughafen als auch auf das Ende 2025 eröffnete US-Konsulat.
Die kurdischen Sicherheitskräfte sind fast vollständig von westlichen Luftverteidigungssystemen abhängig. Ein Patriot-System wehrte iranische ballistische Raketen ab, während das C-RAM-Geschützsystem und US-Kampfjets wie die F-16 Fighting Falcon zur Drohnenjagd eingesetzt wurden. Medienberichten zufolge kam auch die Raytheon Coyote-Drohne zum Einsatz, um mehrere Drohnen im Flug zu zerstören. Kurdische Sicherheitsbeamte gaben an, dass keine ukrainischen Drohnenspezialisten in Kurdistan stationiert waren, obwohl Kiew über 200 Drohnenexperten in Golfstaaten zur Unterstützung entsandt hatte.
Eine Warnung für Europa
Militärexperte Reisner sieht in Irans Angriffswellen auch eine letzte Warnung für Europa. Die Reichweite iranischer Raketen erstreckt sich bis an die Peripherie Europas. Daher sind das in Europa stationierte US-Raketenabwehrsystem – der European Phased Adaptive Approach (EPAA) – und nationale Beschaffungsinitiativen wie die Einführung des israelischen "Arrow"-Systems in Deutschland von großer Bedeutung für die europäische Sicherheit.