
Irans Wirtschaftsdiplomatie: Investitionsangebote im Schatten der Atomgespräche
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Iran versucht, durch umfassende Wirtschaftsangebote die US-Sanktionen zu lockern und eine diplomatische Lösung für sein Atomprogramm zu finden. Im Rahmen indirekter Gespräche wurden Vorschläge für Investitionen in Öl- und Gasfelder sowie den Kauf von US-Flugzeugen unterbreitet. Diese Bemühungen finden vor dem Hintergrund angespannter regionaler Beziehungen und unterschiedlicher Forderungen der beteiligten Akteure statt.
Iran bietet Wirtschaftsdeals für Sanktionserleichterung
Im Rahmen von indirekten Gesprächen zwischen den USA und Iran wurden einzigartige Vorschläge zur Lösung des iranischen Atomprogramms und zur Schaffung wirtschaftlicher Vorteile für beide Länder erarbeitet. Teheran strebt eine Aufhebung der US-Sanktionen an und hat im Gegenzug die Bereitschaft signalisiert, amerikanische Flugzeuge zu kaufen sowie Zugang zu Öl- und Gasfeldern und gemeinsame Investitionsmöglichkeiten anzubieten. Diese Angebote wurden von diplomatischen Quellen gegenüber CBS News bestätigt.
Irans stellvertretender Außenminister für Wirtschaftliche Diplomatie, Hamid Qanbari, betonte am 15. Februar, dass potenzielle Energie-, Bergbau- und Flugzeuggeschäfte bei den Gesprächen mit den Vereinigten Staaten auf dem Tisch liegen. Er erklärte gegenüber der Iranischen Handelskammer, dass es für eine nachhaltige Einigung unerlässlich sei, dass auch die Vereinigten Staaten in Sektoren mit hohen und schnellen wirtschaftlichen Erträgen profitieren könnten. Bereits im April 2025 (sic!) hatte der iranische Außenminister Abbas Araqchi eine ähnliche Strategie verfolgt, indem er Irans sanktionsgeplagte Wirtschaft als "Billionen-Dollar"-Investitionsmöglichkeit anpries.
Diplomatische Bemühungen und Kernforderungen
Die aktuellen indirekten Gespräche, die unter Vermittlung Omans stattfanden, wurden am Dienstag in Genf fortgesetzt. Beteiligt waren Jared Kushner und Steve Witkoff für die USA sowie der erfahrene iranische Diplomat Abbas Aragchi, unterstützt vom omanischen Außenminister Badr Albusaidi. Auch Rafael Grossi, Leiter der UN-Atomaufsichtsbehörde, wurde konsultiert. Die Türkei und arabische Staaten wie Saudi-Arabien, die VAE und Jordanien unterstützen die Diplomatie und lehnen die Nutzung ihres Territoriums für Militäroperationen ab.
Diplomaten rieten dem US-Gesandten Steve Witkoff, das iranische Atomprogramm von anderen Themen wie Teherans Unterstützung von Milizen und der Lieferung ballistischer Raketen zu trennen. Witkoff schien diese Idee zu befürworten, um diese Themen auf einem separaten diplomatischen Weg mit regionalen Akteuren zu behandeln. Präsident Trump hat eine klare rote Linie für die Gespräche gezogen: keine Atomwaffen für Iran, das seinerseits stets bestreitet, eine Waffe anzustreben. Trump hat angedeutet, dass er innerhalb der nächsten 10-15 Tage eine Entscheidung treffen wird und Diplomatie militärischen Schlägen vorzieht.
Die Haltung der USA und Israels
Ein Abkommen, das sich ausschließlich auf das iranische Atomprogramm konzentriert, ist für den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu inakzeptabel. Er hat öffentlich erklärt, dass eine Einigung auch Irans ballistische Raketenlieferungen und seine regional destabilisierenden Milizen umfassen muss. US-Außenminister Marco Rubio teilte diese Ansicht und plant einen Besuch in Israel, um über Iran zu sprechen.
US-amerikanische und israelische Beamte haben bereits gemeinsame Operationen zur Zerstörung von Irans ballistischem Raketenarsenal erörtert. Israel möchte seine militärische Überlegenheit in der Region, die es nach dem 12-tägigen Krieg im Juni erlangte, aufrechterhalten. Mark Dubowitz von der FDD erklärte gegenüber CBS News, dass der Präsident Israel zugesichert habe, die Raketenbedrohung anzuerkennen und Jerusalem das Recht vorbehalte, dieses Programm zu zerstören. Iran hat sein Raketenarsenal aktiv mit chinesischer Hilfe wiederaufgebaut. Allerdings könnten selbst begrenzte Militärschläge Iran vom Verhandlungstisch vertreiben.
Ali Vaez, Direktor des Iran-Projekts der International Crisis Group, merkte an, dass Trumps Ansatz der Außenpolitik nicht primär auf US-Investitionen im Ausland abzielt, sondern eher auf ausländische Investitionen in den USA. Raz Zimmt vom Tel Aviver Institute for National Security Studies argumentiert, dass Iran "signifikante wirtschaftliche und politische Reformen" bräuchte, um US-Investitionen tragfähig zu machen, da die Wirtschaft unter Korruption, der Beteiligung der auf der US-Blacklist stehenden Revolutionsgarden (IRGC) und mangelnder Transparenz leide. Iran gehört zu den drei Ländern auf der Blacklist der Financial Action Task Force (FATF).
Irans fragile Wirtschaftslage und Investitionsklima
Trotz der diplomatischen Bemühungen und Angebote steht Iran wirtschaftlich unter Druck. Offiziellen Daten der Organisation für Investitionen, Wirtschaftliche und Technische Hilfe des Iran (OIETAI) zufolge wurden seit Beginn des aktuellen Jahres am 21. März über 600 ausländische Investitionsanträge im Wert von 17 Milliarden US-Dollar genehmigt. In zwei jüngsten Sitzungen des Foreign Investment Board wurden 105 Projekte im Wert von über 3,7 Milliarden US-Dollar genehmigt. Diese Projekte umfassen erneuerbare Energien, Solarkraftwerke, Pharma- und Gesundheitsindustrien, Wohnungsbau, Transportdienstleistungen, die Produktion von Erdölderivaten und weitere Industriesektoren. Investoren kamen unter anderem aus der Schweiz, Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, den VAE, der Türkei, China und dem Oman.
Farshid Shokrokhodaei, ein Experte, der von ILNA zitiert wird, warnt jedoch vor einem Investitionsrückgang. Er beobachtet, dass Kapital zunehmend in Gold- und Devisenmärkte fließt, anstatt in produktive Sektoren. Das Wachstum der Bruttoanlageinvestitionen fiel im Sommer auf negative 4,8 Prozent, den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren. Shokrokhodaei betont, dass in einer kapitalintensiven Wirtschaft wie der Irans sinkende Investitionen die Produktionskapazität reduzieren, den bestehenden Kapitalstock erodieren und langfristige Wachstumsaussichten schwächen.
Herausforderungen und Perspektiven
Die anhaltende Unsicherheit zwischen Krieg und Frieden mit den Vereinigten Staaten führt dazu, dass Investoren Entscheidungen aufschieben und Entwicklungsprojekte stoppen. Shokrokhodaei zufolge konzentrieren sich Investoren darauf, den Status quo zu erhalten, anstatt Expansion oder Beschäftigung zu fördern. Er warnt, dass eine anhaltende Unsicherheit unweigerlich zur Erosion von Unternehmen und Wirtschaftskapazitäten führt. Die Kapitalbildungsrate in Iran ist seit acht aufeinanderfolgenden Jahren negativ, was bedeutet, dass neue Investitionen nicht einmal den Kapitalverschleiß ausgleichen.
Diese Situation wird sowohl der Unfähigkeit zugeschrieben, ausländische Investitionen anzuziehen, als auch der Zurückhaltung inländischer Investoren, Kapital zu binden. Shokrokhodaei kritisiert, dass ein Jahrzehnt wirtschaftlicher Blüte durch Unentschlossenheit und Verzögerungen in den Entscheidungsinstitutionen verloren gegangen sei. Er fordert, die Wirtschaft des Landes zu öffnen und die Wirtschaftspolitik zu priorisieren, anstatt Ideologie und Politik als Hauptantriebskräfte zu behandeln.