iRobot meldet Insolvenz an: Roomba-Hersteller von Picea Robotics übernommen
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Der Roboterstaubsauger-Pionier iRobot hat Insolvenz nach Chapter 11 angemeldet und wird vom chinesischen Zulieferer und Hauptgläubiger Shenzhen Picea Robotics übernommen. Dieser Schritt folgt auf jahrelange finanzielle Schwierigkeiten und die gescheiterte Übernahme durch Amazon, die das Unternehmen in eine prekäre Lage brachte. Trotz der Umstrukturierung sollen Kunden keine Beeinträchtigungen bei der Nutzung ihrer Roomba-Geräte erfahren.
iRobot meldet Insolvenz an und wird privatisiert
iRobot, der Hersteller der bekannten Roomba-Staubsauger, hat am Sonntag Insolvenz nach Chapter 11 beim Gericht in Delaware beantragt. Im Zuge dessen wird das Unternehmen von Shenzhen Picea Robotics, einem chinesischen Vertragshersteller und gesicherten Kreditgeber, übernommen und privatisiert. Picea Robotics wird im Rahmen der Vereinbarung die erheblichen Schulden von iRobot gegenüber dem Unternehmen streichen und im Gegenzug die vollständige Eigentümerschaft erhalten.
Der CEO von iRobot, Gary Cohen, äußerte sich am Montag optimistisch: „Die heutige Ankündigung markiert einen entscheidenden Meilenstein zur Sicherung der langfristigen Zukunft von iRobot.“ Er betonte, dass die Transaktion die finanzielle Position stärken und Kontinuität für Verbraucher, Kunden und Partner gewährleisten werde. Der Abschluss des Insolvenzverfahrens wird für Februar 2026 erwartet.
Finanzielle Schieflage und gescheiterte Amazon-Übernahme
Die Insolvenzanmeldung ist der Höhepunkt einer langen Phase finanzieller Probleme für iRobot. Das Unternehmen gab in einem Gerichtsantrag an, Vermögenswerte und Verbindlichkeiten zwischen 100 Millionen und 500 Millionen US-Dollar zu besitzen. Zu den Verbindlichkeiten gehören fast 100 Millionen US-Dollar gegenüber Picea, über 5,8 Millionen US-Dollar gegenüber GXO Logistics und rund 3,4 Millionen US-Dollar an den US-Zoll und Grenzschutz für unbezahlte Zölle. Insgesamt belaufen sich die Schulden von iRobot auf etwa 190 Millionen US-Dollar.
Ein entscheidender Schlag war das Scheitern der geplanten 1,7 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme durch Amazon im Januar 2024. Amazon hatte die Akquisition bereits 2022 vereinbart, zog das Angebot jedoch aufgrund von Bedenken der Regulierungsbehörden in der Europäischen Union und der US-amerikanischen Federal Trade Commission zurück. Amazon-CEO Andy Jassy bezeichnete die Bemühungen der Regulierungsbehörden, den Deal zu blockieren, als „traurige Geschichte“ und meinte, die Übernahme hätte iRobot einen Wettbewerbsvorteil verschafft.
Nach dem Scheitern des Deals zahlte Amazon eine vereinbarte Vertragsstrafe von 94 Millionen US-Dollar an iRobot. Das Unternehmen reagierte mit einer Umstrukturierung, entließ 31 % seiner Mitarbeiter und der Mitbegründer und damalige CEO Colin Angle trat von seinen Posten zurück. Die Verkaufszahlen von iRobot fielen im dritten Quartal auf 145,8 Millionen US-Dollar, ein Rückgang von fast 25 % gegenüber 193,4 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Der Jahresumsatz sank von 890,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 auf 681,8 Millionen US-Dollar im Jahr 2024, eine Reduzierung von über 23 Prozent.
Ein Pionier im Wettbewerbsdruck
iRobot wurde 1990 von Colin Angle, Helen Greiner und Rodney Brooks, drei Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT), gegründet. Ursprünglich entwickelte das Unternehmen Militär- und Verteidigungstechnologie für die Regierung, bevor es 2002 sein Flaggschiffprodukt, den Roomba, auf den Markt brachte. Dieser Roboterstaubsauger etablierte iRobot als frühen Marktführer und das Unternehmen ging 2005 an die Börse, wobei der Aktienkurs einst über 125 US-Dollar erreichte. Im Jahr 2021 wurde iRobot noch mit 3,56 Milliarden US-Dollar bewertet, heute liegt der Wert bei rund 140 Millionen US-Dollar.
In den letzten Jahren sah sich iRobot einem zunehmenden Wettbewerb durch günstigere und schnell wachsende Konkurrenten aus China gegenüber, darunter Anker, Ecovacs und Roborock. Auch Lieferkettenengpässe und die damit verbundenen Verzögerungen bei Versand und Lagerhaltung belasteten das Geschäft zusätzlich. Berichten zufolge wurde iRobot auch durch die 46-prozentigen Zölle der Trump-Regierung auf Produkte aus Vietnam, wo die Roomba-Staubsauger für den US-Markt hergestellt werden, stark getroffen.
Auswirkungen auf Verbraucher und Investoren
Für bestehende Roomba-Kunden gibt iRobot Entwarnung: Das Unternehmen erwartet keine Unterbrechungen der App-Funktionalität, der Kundenprogramme, der globalen Partner, der Lieferkettenbeziehungen oder des laufenden Produktsupports. Die Roomba-Roboter sollen weiterhin normal funktionieren und Ersatzteile sowie Verbrauchsmaterialien verfügbar bleiben.
Für die Aktionäre von iRobot sieht die Situation jedoch anders aus. Im Falle der Genehmigung des Deals werden alle bestehenden Anteile an iRobot wertlos. Das Unternehmen erklärte, dass die Aktionäre „einen Totalverlust erleiden und keine Entschädigung für ihre Investition erhalten werden.“ Die Aktien von iRobot fielen im vorbörslichen Handel am Montag um 72 % auf 1,20 US-Dollar.
Colin Angle, Mitbegründer und ehemaliger CEO von iRobot, bezeichnete die Insolvenz als „zutiefst enttäuschend“ und „nichts weniger als eine Tragödie für Verbraucher, die Robotikindustrie und Amerikas Innovationswirtschaft.“ Er fügte hinzu, dass die Amazon-Übernahme „der praktikabelste Weg“ für iRobot gewesen wäre, um global wettbewerbsfähig zu bleiben, und die Insolvenz als „Warnung“ für Wettbewerbshüter diene. Helen Greiner, eine weitere Mitbegründerin, äußerte in einem LinkedIn-Post, dass der Umstrukturierungsplan unter einem chinesischen Eigentümer nicht gut für „Verbraucher, Mitarbeiter, Aktionäre, Massachusetts oder die USA“ sei.
Gary Cohen bleibt jedoch optimistisch und betont, dass iRobot unter Picea Robotics weiterhin Produkte entwickeln und seine globale Präsenz aufrechterhalten wird, um die branchenführenden Roomba-Roboter und Smart-Home-Technologien weiter voranzutreiben.