
ISSB: Naturbezogene Offenlegung durch IFRS Practice Statement
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Das International Sustainability Standards Board (ISSB) hat beschlossen, Anforderungen für naturbezogene Offenlegungen in Form eines IFRS Practice Statements vorzuschlagen. Diese Entscheidung, getroffen bei der Vorstandssitzung in Peking, zielt darauf ab, die Implementierung bestehender Nachhaltigkeitsstandards zu minimieren, während Unternehmen gleichzeitig eine klare Anleitung zur Berichterstattung über wesentliche Naturrisiken erhalten.
ISSB setzt auf Practice Statement für Natur-Offenlegungen
Das ISSB hat bei seiner Vorstandssitzung in Peking, China, beschlossen, Anforderungen für naturbezogene Offenlegungen durch ein IFRS Practice Statement vorzuschlagen. Diese Entscheidung folgt der Empfehlung von ISSB-Mitarbeitern, einen nicht-obligatorischen Ansatz zu wählen, um die laufende Implementierung der IFRS-Nachhaltigkeits- und Klimastandards zu minimieren. Der ISSB wurde im November 2021 gegründet, um IFRS Sustainability Disclosure Standards zu entwickeln, die Investoren Informationen über Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen von Unternehmen liefern.
Hintergrund und Ziel des neuen Ansatzes
Die bestehenden ISSB-Anforderungen, insbesondere IFRS S1 "General Requirements for Disclosure of Sustainability-related Financial Information", verpflichten Unternehmen bereits zur Berichterstattung über alle wesentlichen nachhaltigkeitsbezogenen Risiken und Chancen. Dies schließt auch naturbezogene Aspekte ein, die die Aussichten eines Unternehmens beeinflussen könnten. Das geplante Practice Statement soll IFRS S1 und IFRS S2 "Climate-related Disclosures" ergänzen. Es wird darlegen, wie solche Offenlegungen vorzubereiten und darzustellen sind, wenn Unternehmen gemäß IFRS S1 Informationen zu naturbezogenen Risiken und Chancen offenlegen müssen.
Dieser Ansatz soll Störungen für Unternehmen und Regulierungsbehörden begrenzen, die derzeit die ISSB-Standards einführen oder deren Einführung erwägen. Die Mitarbeiter des ISSB schlugen vor, dass dieser Ansatz die Bedeutung naturbezogener Finanzinformationen klar signalisiert, ohne die Implementierung der neuen Nachhaltigkeits- und Klimastandards der IFRS zu stören.
Die Rolle des IFRS Practice Statements
Ein IFRS Practice Statement ist ein eigenständiges Dokument, das zur Anwendung mit IFRS-Standards konzipiert ist. Obwohl es keinen separaten Standard darstellt, ist es eine Form der Standardsetzung, die einem vollständigen Due-Process unterliegt, einschließlich öffentlicher Konsultation. Laut ISSB hat die Anwendung des Practice Statements für Unternehmen, die es nutzen, die gleiche Wirkung wie die Einhaltung eines ISSB-Standards. Es bietet dem ISSB zudem einen Weg zu einem potenziellen zukünftigen standardbasierten Ergebnis.
Emmanuel Faber, Vorsitzender des ISSB, betonte: "Die Bereitstellung wesentlicher naturbezogener Offenlegungen ist nicht optional; IFRS S1 verlangt dies bereits. Ein Practice Statement wird Unternehmen anleiten, wie sie solche Offenlegungen bereitstellen können." Obwohl ein Practice Statement von Natur aus nicht zwingend ist, kann es von Gerichtsbarkeiten, die es anwenden möchten, obligatorisch gemacht werden.
Zeitplan und öffentliche Konsultation
Der ISSB strebt die Veröffentlichung eines Entwurfs zur öffentlichen Konsultation für Oktober 2026 an. Interessengruppen werden eingeladen, zu den vorgeschlagenen naturbezogenen Offenlegungsanforderungen Stellung zu nehmen und zu beurteilen, ob ein IFRS Practice Statement ein geeigneter Mechanismus für die Festlegung von Leitlinien in diesem Bereich ist.
Die Entscheidung des ISSB basiert auf seiner Arbeit zur Klärung wesentlicher Informationen zu naturbezogenen Risiken und Chancen, wobei das Rahmenwerk der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) als Grundlage dient. Die TNFD hatte ihre technische Arbeit Ende letzten Jahres eingestellt, nachdem der ISSB seine Initiative angekündigt hatte.
Kritik und die Bedeutung für Unternehmen
Die Entscheidung für ein nicht-obligatorisches Practice Statement anstelle eines eigenständigen, verbindlichen Standards hat Bedenken bei Umweltgruppen hervorgerufen. Diese hatten in einem offenen Brief den ISSB aufgefordert, einen Standard für Naturthemen einzuführen, um sich an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und globalen politischen Verpflichtungen anzupassen.
Der ISSB hat jedoch die Möglichkeit offengelassen, in Zukunft naturbezogene Inhalte in einem Standard zu veröffentlichen. Dies unterstreicht die Flexibilität des gewählten Ansatzes und die potenzielle Bedeutung für die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen weltweit. Die Veröffentlichung der ersten allgemeinen Nachhaltigkeits- (IFRS S1) und Klimaberichtsstandards (IFRS S2) erfolgte im Juni 2023.