
Jane Street im Visier: Bitcoin-Manipulationstheorien und die Rolle der Terraform-Klage
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Der Bitcoin-Preis ist in den letzten Monaten um über 40 % gefallen, was bei Anlegern für Frustration sorgte, da es im Gegensatz zu früheren Rückgängen keine offensichtliche Erklärung für die Marktschwäche gab. Nun hat die Online-Community "Crypto Twitter" einen Schuldigen ausgemacht: die diskrete Wall-Street-Firma Jane Street, der vorgeworfen wird, durch heimliches, ETF-bezogenes Trading den Markt systematisch gedrückt zu haben.
Bitcoin-Kursrutsch und die Suche nach Erklärungen
Die Kryptowährung Bitcoin hat seit Oktober einen erheblichen Wertverlust erlebt. Während in früheren Bärenmärkten oft klare Katalysatoren identifizierbar waren, fehlte diesmal eine eindeutige Erklärung, was zu Spekulationen und der Suche nach Verantwortlichen führte. In diesem Kontext rückte die Investmentfirma Jane Street in den Fokus der Online-Diskussionen.
Die Jane-Street-Verschwörungstheorie
Die Anschuldigungen gegen Jane Street konzentrieren sich auf ihre Rolle als "Authorized Participant" (AP) im relativ neuen Markt für Krypto-ETFs, die unter anderem von BlackRock angeboten werden. APs sind integraler Bestandteil der ETF-Landschaft und helfen sicherzustellen, dass der Preis von ETF-Anteilen den Wert der gehaltenen Vermögenswerte widerspiegelt, indem sie Arbitragemöglichkeiten nutzen.
Die spezifischen Vorwürfe variieren, aber die meisten behaupten, Jane Street habe täglich zu einer bestimmten Zeit am Morgen Bitcoin-Bestände abgestoßen und gleichzeitig Short-Positionen gehalten, um von dem resultierenden Kursrückgang zu profitieren. Insbesondere wurde der Zeitpunkt um 10 Uhr morgens Eastern Standard Time (EST) genannt, der mit dem Beginn des US-Handels überlappt. Krypto-Influencer Justin Bechler argumentierte, Jane Streets gemeldete IBIT-Bestände könnten eine Netto-Short-Position durch nicht-öffentliche Hedges maskieren.
Skepsis und Gegenargumente von Experten
Veteranen der Wall Street und eine Person aus dem Umfeld von Jane Street wiesen die Behauptungen als "fadenscheinig" beziehungsweise als "absolut lächerliche" Verschwörungstheorie zurück. Rob Hadick, Partner bei Dragonfly Capital und ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs, erklärte: "Das Argument ist völlig unsinnig und missversteht vollständig, wie Derivate und Perps/Futures funktionieren und was ein AP für diese ETFs tut."
Julio Moreno, Forschungsleiter bei CryptoQuant, merkte an, dass das beschriebene Vorgehen, Spot-Exposure zu kaufen und Futures zu verkaufen, ein gängiger Ansatz für Delta-neutrale Fonds ist, die Spreads und nicht direktionale Preisbewegungen erfassen wollen. Makroanalyst Alex Krüger widerlegte die Behauptung eines "systematischen Dumps" um 10 Uhr EST mit Blockchain-Daten, die seit dem 1. Januar kumulative Renditen von 0,9 % in diesem Zeitfenster zeigen. Es gibt keine festen öffentlichen Beweise, die belegen, dass Jane Street Bitcoin täglich zu einer festen Zeit verkauft hat.
Die Rolle der Terraform-Labs-Klage
Die Gerüchte über eine Bitcoin-Manipulation durch Jane Street wurden durch jüngste Kontroversen um das Unternehmen befeuert. Dazu gehört eine Klage, die vom Insolvenzverwalter des bankrotten Stablecoin-Emittenten Terraform Labs eingereicht wurde. Diese Klage wirft Jane Street Insiderhandel im Zusammenhang mit dem Kollaps des Unternehmens vor.
Todd Snyder, der vom Insolvenzgericht eingesetzte Planverwalter, fordert Schadensersatz von Jane Street, Mitbegründer Robert Granieri sowie den Mitarbeitern Bryce Pratt und Michael Huang. Er behauptet, der Handelsriese habe nicht-öffentliche Informationen von Terraform-Insidern genutzt, um Front-Running-Trades durchzuführen, die den Untergang von Terraform beschleunigten. Jane Street wies die Vorwürfe als "haltlose, opportunistische Behauptungen" zurück und betonte, dass der Stablecoin des Unternehmens aufgrund massiven Betrugs durch seinen inzwischen inhaftierten Gründer implodierte – eine Erklärung, die der Konsensmeinung entspricht. Die Klage erwähnte auch, dass Jane Street eine Karrierestartrampe für Sam Bankman-Fried und Caroline Ellison war.
Marktreaktion und der "10-Uhr-Dump"
Die Nachricht von der Klage gegen Jane Street fiel mit einer bemerkenswerten Markterholung zusammen. Die Krypto-Marktkapitalisierung stieg um über 170 Milliarden US-Dollar auf fast 2,5 Billionen US-Dollar, wobei Bitcoin kurzzeitig die Marke von 70.000 US-Dollar überschritt. Trader wie Bark und Onchain-Analyst Nonzee behaupteten, der nach ihren Beobachtungen übliche "10-Uhr-Dump" sei am Mittwoch nach Bekanntwerden der Klage ausgeblieben, was zu einem starken Anstieg des Bitcoin-Kurses führte. Bloomberg Senior ETF Analyst Eric Balchunas kommentierte dies mit den Worten: "Der Buhmann ist weg."
Warum Jane Street im Fokus steht
Das Misstrauen gegenüber Jane Street in einigen Kreisen rührt teilweise daher, dass die Firma einst den berüchtigten Betrüger Sam Bankman-Fried und seine damalige Freundin Caroline Ellison beschäftigte, die später wegen Betrugs im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch der Krypto-Börse FTX verurteilt wurden. Zudem könnten die äußerst profitablen Handelsstrategien von Jane Street Neid hervorrufen, ebenso wie das geheimnisvolle Verhalten von Mitbegründer Rob Granieri.
All dies deutet darauf hin, dass der Kryptosektor in Zeiten anhaltender Marktschmerzen möglicherweise einen bequemen Sündenbock gefunden hat. Rob Hadick fasst zusammen: "Es sind einfach Leute, die die Märkte nicht verstehen und einen Buhmann suchen, dem sie die Schuld dafür geben können, dass sie nicht mehr Geld verdient haben."