
Japans Inflationsdilemma: Nahost-Konflikt treibt unerwünschte Preissteigerungen
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Die Bank of Japan (BOJ) hat nach dem Ende ihrer Negativzinspolitik im Jahr 2024 stets betont, dass eine nachhaltige Inflation entscheidend für die Normalisierung ihrer Geldpolitik ist. Obwohl die Kerninflation in Japan 45 Monate lang über dem 2%-Ziel der BOJ lag und erst im Januar 2026 abkühlte, droht der Konflikt im Nahen Osten nun, die Preise erneut anzufachen – eine Entwicklung, die die Zentralbank bei ihrer jüngsten Zinsentscheidung am Donnerstag bereits thematisierte.
Unerwünschte Kosteninflation statt gewünschter Nachfrageinflation
Für Japan, das fast sein gesamtes Öl importiert, handelt es sich bei den aktuellen Preissteigerungen um die "falsche" Art von Inflation: eine sogenannte "Cost-Push"-Inflation. Diese wird durch externe Faktoren wie steigende Rohstoffpreise verursacht und nicht durch eine Zunahme der inländischen Kaufkraft, die als "Demand-Pull"-Inflation bezeichnet wird und von der BOJ angestrebt wird. Die Situation wird zusätzlich dadurch erschwert, dass der Iran mit einer Eskalation der Spannungen droht, bis der Ölpreis "$200 pro Barrel" erreicht.
Lohnentwicklung und das "Tugendhafte Zyklus"-Ziel
Diese angebotsseitigen Inflationsrisiken treten vor dem Hintergrund eines anhaltenden Lohnrückgangs im Land auf. Die Reallöhne fielen im gesamten Jahr 2025 monatlich, bevor sie im Januar um 1,4% zulegten. Die BOJ strebt eine Inflation an, die durch Lohnwachstum angetrieben wird – einen "tugendhaften Zyklus" aus Preis- und Lohnsteigerungen. Auch Premierministerin Sanae Takaichi soll die BOJ aufgefordert haben, sicherzustellen, dass das Inflationsziel nicht durch steigende Rohstoffkosten, sondern durch Lohnsteigerungen erreicht wird.
Experten erwarten deutlichen Inflationsanstieg
Thomas Rupf, Chief Investment Officer für Asien bei der Privatbank VP Bank, äußerte gegenüber CNBC, dass die Inflation voraussichtlich ab März spürbar ansteigen wird. Er kommentierte: "Höhere globale Energiepreise infolge des Konflikts, kombiniert mit Japans starker Abhängigkeit von importierter Energie und einem schwächeren Yen, werden sich wahrscheinlich schnell auf die Verbraucherpreise durchschlagen." Rupf fügte hinzu, dass die Inflation über 2% zurückkehren könnte. Die Entwicklung im Nahen Osten könnte somit Japans Inflationslandschaft nachhaltig prägen, jedoch auf eine Weise, die von der Zentralbank nicht gewünscht wird.