Jet Fuel Krise: Europas Fluggesellschaften im globalen Stresstest

Jet Fuel Krise: Europas Fluggesellschaften im globalen Stresstest

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Der Iran-Krieg hat eine globale Krise in der Jet-Fuel-Versorgung ausgelöst, die Europas Fluggesellschaften vor eine "globale Belastungsprobe" stellt. Mit dem Wegfall wichtiger Importe aus dem Nahen Osten kämpft der Kontinent um alternative Treibstoffquellen, was zu stark steigenden Preisen und ersten Flugstreichungen führt. Experten warnen vor weitreichenden Folgen für die Luftfahrtbranche.

Europas akute Treibstoffknappheit

Europa sieht sich mit einer dringenden Notwendigkeit konfrontiert, alternative Jet-Fuel-Lieferanten zu finden, da Importe aus dem Nahen Osten aufgrund des Iran-Krieges ausfallen. Seit dem 28. Februar, als der Schifffahrtsweg der Straße von Hormus nach dem US-Iran-Konflikt effektiv geschlossen wurde, ist diese Versorgung weitgehend versiegt. Laut Analysten der Societe Generale (SocGen) ist dies schnell zu einem akuten Logistikproblem für Europa geworden.

Der durchschnittliche tägliche Bedarf Europas an Jet Fuel liegt bei etwa 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Davon werden 1,1 Millionen Barrel pro Tag durch die heimische Produktion gedeckt. Die zusätzlichen 500.000 Barrel, die benötigt werden, wurden traditionell zu drei Vierteln aus dem Nahen Osten importiert, so SocGen-Analysten in einer Notiz vom Montag.

Der Kampf um alternative Lieferanten

Obwohl Jet Fuel weiterhin verfügbar ist, reicht die Menge bei weitem nicht aus, um die normalerweise aus dem Golf importierten Mengen zu ersetzen, erklärte Benedict George, Leiter der europäischen Produktpreisgestaltung bei Argus. Er betonte gegenüber CNBC's "Squawk Box Europe" am Montag: "Wir müssen um jede Ladung kämpfen, die kommen wird – gegen Singapur, gegen Australien – und der Preis... steigt immer höher." Vor dem Konflikt wurden täglich etwa 360.000 Barrel Jet Fuel durch die Straße von Hormus transportiert, was etwa 20 % der weltweiten Schiffstransporte ausmachte.

Die USA entwickeln sich zu einer Schlüsselquelle für Europa. Die globalen Jet-Fuel-Exporte der USA sind Anfang April auf einen Rekordwert von 442.000 Barrel pro Tag gestiegen, was einem Vier-Wochen-Durchschnitt von etwa 372.000 Barrel entspricht. Dies sind etwa 200.000 Barrel pro Tag mehr als der Fünfjahresdurchschnitt von 172.000 Barrel pro Tag. Vor dem Krieg erhielt Europa typischerweise zwischen 30.000 und 60.000 Barrel pro Tag aus den USA; diese Menge ist inzwischen auf etwa 200.000 Barrel pro Tag gestiegen. Dennoch bleibt ein Defizit von etwa 175.000 Barrel pro Tag aus dem Nahen Osten bestehen, was 53 % der normalen Liefermengen entspricht.

Steigende Kosten und existenzielle Herausforderungen

Die Jet-Fuel-Preise haben sich seit Kriegsbeginn am 28. Februar verdoppelt und liegen nun bei fast 200 Dollar pro Barrel. Brent-Rohöl überschritt Anfang März die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Stephen Rooney, leitender Ökonom bei Tourism Economics, wies darauf hin, dass Jet Fuel 25 % bis 30 % der Gesamtkosten von Fluggesellschaften ausmacht, insbesondere bei Langstreckenflügen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte Anfang des Monats, dass Europa innerhalb weniger Wochen der Jet Fuel ausgehen könnte. Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA, erklärte am 16. April gegenüber der Associated Press, dass Europa möglicherweise nur noch sechs Wochen Jet Fuel habe. SocGen-Analysten unter der Leitung von Mike Haigh, Leiter der FIC- und Rohstoffforschung, warnten, dass Preisabsicherungen der Fluggesellschaften möglicherweise nicht ausreichen, wenn der physische Treibstoff tatsächlich knapp wird. Sie merkten an: "Mehr für Energie zu bezahlen ist beherrschbar; sie nicht zu haben ist existenziell."

Fluggesellschaften reagieren mit Kapazitätskürzungen

Angesichts der steigenden Kosten und potenziellen Engpässe haben zahlreiche Fluggesellschaften bereits reagiert. Laut dem Luftfahrtanalyseunternehmen Cirium reduzieren alle bis auf eine der 20 größten Fluggesellschaften weltweit ihre Kapazitäten in den kommenden Monaten. Die geplante globale Kapazität für Mai ist seit Anfang März um drei Prozentpunkte gesunken.

Mehrere europäische Fluggesellschaften haben bereits Flüge gestrichen oder Routen angepasst:

  • Ryanair, Europas größte Fluggesellschaft, erwägt eine Reduzierung der Routen. CEO Michael O'Leary warnte, dass die Jet-Fuel-Versorgung in Europa im Mai und Juni gefährdet sein könnte, falls der Krieg andauert.
  • KLM kündigte am 17. April die Streichung von 80 Rückflügen vom Amsterdamer Flughafen Schiphol an, da diese Routen aufgrund der steigenden Kerosinkosten "nicht mehr finanziell tragfähig" seien. Die Fluggesellschaft stellte klar, dass es keinen Kerosinmangel gebe.
  • Die **Lufthansa Group** gab am 21. April bekannt, eine regionale Fluggesellschaft stillzulegen und Flugzeuge stillzulegen.
  • Delta Air Lines streicht vier Routen im Sommer, darunter Verbindungen von New York (JFK) nach Memphis und St. Louis, von Detroit (DTW) nach Reykjavik und von Boston (BOS) nach Nassau.
  • Air Canada kürzt Routen von Toronto und Montreal zum New Yorker JFK Airport vom 1. Juni bis 25. Oktober, ebenfalls aufgrund der gestiegenen Jet-Fuel-Kosten.

Willie Walsh, Generaldirektor der International Air Transport Association (IATA), äußerte am 17. April die Befürchtung, dass "Ende Mai in Europa erste Streichungen wegen Jet-Fuel-Mangels zu sehen sein könnten", was in Teilen Asiens bereits geschehe.

Kontroverse um die Versorgungssicherheit

Trotz der Warnungen von IEA und IATA dementierte der EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas am 18. April, dass Europa kurz vor einem Jet-Fuel-Engpass stehe. Er erklärte, dass die EU über ausreichende Treibstoffvorräte für Flughäfen und Flugzeuge für die kommende Zeit verfüge. Tzitzikostas betonte: "Alle bisher von europäischen Fluggesellschaften angekündigten Streichungen sind auf die hohen Kosten für Jet Fuel zurückzuführen, nicht auf Versorgungsengpässe." Benedict George von Argus bestätigte, dass Engpässe noch nicht unmittelbar bevorstünden, da noch Treibstoffbestände vorhanden seien.

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