Jim Beam pausiert Bourbon-Produktion: Herausforderungen der Spirituosenbranche

Aktualisiert:
4 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Der renommierte Bourbon-Hersteller Jim Beam wird die Produktion in seiner Hauptdestillerie in Clermont, Kentucky, für das gesamte Jahr 2026 pausieren. Diese Entscheidung von Suntory Global Spirits, der Muttergesellschaft von Jim Beam, spiegelt die Herausforderungen wider, mit denen die globale Spirituosenindustrie konfrontiert ist, darunter sinkende Nachfrage und Handelsspannungen. Während die Produktion ruht, sollen Investitionen in die Standortverbesserung getätigt werden.

Jim Beam pausiert Produktion in Kentucky

Jim Beam, eine Marke mit fast 230-jähriger Geschichte, hat bestätigt, dass die Bourbon-Produktion in ihrer Flaggschiff-Destillerie in Clermont, Kentucky, für das gesamte Jahr 2026 eingestellt wird. Die Pause beginnt am 1. Januar 2026 und soll die Möglichkeit bieten, in Standortverbesserungen zu investieren. Ein Sprecher von Suntory Global Spirits, der Muttergesellschaft von Jim Beam, erklärte, dass das Unternehmen stets die Produktionsmengen bewerte, um die Verbrauchernachfrage optimal zu erfüllen und die Volumina für 2026 zu diskutieren.

Die Destillerie in Clermont ist bekannt für die Herstellung beliebter Marken wie Jim Beam selbst, Knob Creek und Old Overholt Rye Whiskey, sowie Basil Hayden, Booker’s, Baker’s und Old Grand-Dad. Trotz der Produktionspause bleiben das Besucherzentrum auf dem James B. Beam Campus, das jährlich über 100.000 Gäste empfängt, sowie die Abfüll- und Lagerbetriebe in Clermont weiterhin geöffnet. Die Produktion in den kleineren Destillerien, der Freddie Booker Noe Craft Distillery in Clermont und der Booker Noe Distillery in Boston, Kentucky, wird fortgesetzt. Das Unternehmen befindet sich zudem in Gesprächen mit der Gewerkschaft bezüglich der Nutzung der Belegschaft während dieser Übergangsphase.

Herausforderungen für die Spirituosenindustrie

Die Aussetzung der Destillation an diesem historischen Standort erfolgt in einer schwierigen Zeit für die gesamte Spirituosenindustrie. Nach einem starken Wachstum der amerikanischen Whiskey-Verkäufe in den USA um 132 Prozent zwischen 2003 und 2023, mit 31 Millionen Neun-Liter-Kisten, begannen die Verkaufszahlen ab 2024 zu sinken. Der Distilled Spirits Council of the United States (DISCUS) führte einen Rückgang von 1,1 Prozent auf hohe Preise und die Belastung der Verbraucher zurück, wobei sich die Gegenwinde 2025 noch verstärkten.

Besonders betroffen sind die Exporte. Die EU, Kanada, Großbritannien und Japan machten 2024 70 Prozent der Spirituosenexporte aus, doch alle diese Märkte zeigten 2025 eine schwache Performance. Insgesamt sanken die Exporte im zweiten Quartal um 9 Prozent. Kanada verzeichnete einen drastischen Rückgang der US-Whiskey-Verkäufe um über 60 Prozent, nachdem das Land im März als Reaktion auf Handelsspannungen mit der Trump-Administration US-Spirituosen boykottierte. Auch die Exporte in das Vereinigte Königreich und nach Japan gingen um mehr als 23 Prozent zurück, während die Exporte in die EU um 12 Prozent fielen.

Rekordbestände und verändertes Konsumverhalten

Der internationale Markt ist laut DISCUS "besonders kritisch für amerikanische Whiskey-Produzenten, die mit stagnierenden Inlandsumsätzen und rekordhohen Lagerbeständen konfrontiert sind." Chris Swonge, CEO des Distilled Spirits Council, äußerte im Oktober Bedenken, dass internationale Verbraucher zunehmend heimische Spirituosen oder Importe aus anderen Ländern bevorzugen.

Zusätzlich zu den Exportproblemen verändert sich auch das Konsumverhalten in den USA. Abgesehen von trinkfertigen Getränken ist die Nachfrage nach den meisten alkoholischen Produkten in den letzten Jahren rückläufig. Es gibt ein wachsendes Interesse an Nüchternheit, und der Aufstieg anderer Produkte wie Cannabis und Medikamente zur Gewichtsreduktion könnte das Verlangen nach Alkohol überschatten. Eine Gallup-Umfrage vom August ergab, dass 53 Prozent der Amerikaner glauben, dass moderater Alkoholkonsum (ein bis zwei Drinks pro Tag) gesundheitsschädlich ist. Der Anteil der Amerikaner, die angeben, Alkohol zu trinken, sank von 62 Prozent im Jahr 2023 auf 54 Prozent im Jahr 2025.

Auswirkungen auf Kentucky und die Branche

Die Entscheidung von Jim Beam kommt zu einer Zeit, in der Kentuckys 9 Milliarden US-Dollar schwere Bourbon-Industrie mit einem Überangebot an Whiskey und einem Nachfragerückgang im Inland zu kämpfen hat. Die Branche hat die Produktion bis August um mehr als 55 Millionen Proof-Gallonen oder über 28 Prozent zurückgefahren, den niedrigsten Stand seit 2018.

Gleichzeitig lagern in den Lagerhäusern Kentuckys rekordverdächtige 16,1 Millionen Fässer reifender Bourbon. Dieser Höchststand seit der Aufhebung der Prohibition stellt einen Anstieg von 27 Prozent gegenüber 2024 dar. Die meisten dieser Bestände werden voraussichtlich um 2030 trinkfertig sein. Die Destillerien in Kentucky zahlen Steuern auf diese alternden Fässer, die sich 2025 auf 75 Millionen US-Dollar belaufen werden – ein Anstieg von 27 Prozent gegenüber 2024 und ein Anstieg von 163 Prozent in den letzten fünf Jahren.

Andere große Spirituosenhersteller sind ebenfalls betroffen. Brown-Forman, Eigentümer von Jack Daniel's, meldete im Dezember einen Rückgang der Nettoumsätze in Kanada um 62 Prozent. Das Unternehmen schloss bereits früher im Jahr seine Fassbinderei in Louisville, Kentucky, und entließ 640 Mitarbeiter. Auch Diageo pausierte vorübergehend die Produktion in seinen Destillerien Balcones in Texas und George Dickel in Tennessee. Suntory Global Spirits selbst verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 einen Umsatzrückgang von 2,4 Prozent im Alkoholgeschäft aufgrund sinkender Nachfrage in den USA und Europa.

Erwähnte Persönlichkeiten