Joseph Stiglitz: US-Wirtschaft vor Verschlechterung durch Zölle, Jobs, Zinsen

Joseph Stiglitz: US-Wirtschaft vor Verschlechterung durch Zölle, Jobs, Zinsen

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Der angesehene amerikanische Ökonom Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger und Professor an der Columbia University, blickt mit Sorge auf die Entwicklung der US-Wirtschaft. Trotz robuster Wachstumszahlen der jüngsten Vergangenheit prognostiziert er eine weitere Schwächung, begründet durch eine Reihe tiefgreifender Probleme.

Stiglitz's düstere Prognose für die US-Wirtschaft

Stiglitz äußerte sich gegenüber CNBC zu seinem Makroausblick und erklärte, dass die US-Wirtschaft seiner Meinung nach weiter an Stärke verlieren werde. Er fasste seine Einschätzung mit den Worten zusammen: "Im Moment nicht großartig, und die Aussichten sind, dass es nur noch schlimmer wird."

Diese pessimistische Haltung steht im Gegensatz zu den jüngsten Wachstumszahlen: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im dritten Quartal robust um 4,4 %, und für das vierte Quartal wird laut Schätzungen der Atlanta Fed ein Wachstum von 3 % im Jahresvergleich erwartet.

Stiglitz betont jedoch, dass es unter der Oberfläche Details gibt, die auf einen ungünstigen Pfad hindeuten. Seine pessimistische Sichtweise begründet er hauptsächlich mit drei Faktoren: Zöllen, einem Rückgang der Arbeitsplätze und der Zinspolitik.

Zölle als Inflationsmotor und Belastung für Geringverdiener

Ein zentraler Kritikpunkt von Stiglitz sind die von Präsident Donald Trump eingeführten Zölle, deren Verbleib derzeit vom Obersten Gerichtshof geprüft wird. Sollten diese Importsteuern bestehen bleiben, erwarten viele Ökonomen einen Anstieg der Verbraucherpreise.

Stiglitz hebt hervor, dass die inflationäre Wirkung von Zöllen regressiv ist, was bedeutet, dass sie einkommensschwächere Verbraucher am stärksten treffen. Eine Analyse des Budget Lab der Yale University ergab, dass Zölle kurzfristig die untersten 10 % der US-Haushalte am härtesten belasten und deren verfügbares Einkommen um geschätzte 3,5 Prozentpunkte reduzieren.

"Wenn man sich ansieht, wer diese Zölle zahlt, sind es die Menschen am unteren Ende, gemessen am Prozentsatz ihres Einkommens", so Stiglitz. Er bezeichnete die Zölle als "regressiv und verzerrend".

Rückgang der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe

Präsident Trump hatte argumentiert, dass Zölle eine Wiederbelebung des amerikanischen Fertigungssektors bewirken würden. Stiglitz weist jedoch darauf hin, dass eine solche Erholung in den allgemeinen Beschäftigungsdaten bisher nicht sichtbar ist.

Das verarbeitende Gewerbe, eine der größten Industrien der USA, macht schätzungsweise etwa 10 % des BIP aus. Daten des Arbeitsministeriums zeigen, dass die Beschäftigung in diesem Sektor seit mehr als zwei Jahren in Folge zurückgegangen ist.

Stiglitz merkte an: "Der Rückgang der Arbeiterjobs ist sogar noch größer." Er sieht hier eine Diskrepanz zwischen den politischen Versprechen und den tatsächlichen Ergebnissen.

Sorge um die Zinspolitik der Federal Reserve

Ein weiterer besorgniserregender Punkt für Stiglitz ist der Druck der Trump-Administration, die Zinsen zu senken. Er zeigte sich besonders beunruhigt über jüngste Kommentare von Kevin Warsh, Trumps Nominee für den Vorsitz der Federal Reserve.

Warsh hatte angedeutet, dass Künstliche Intelligenz (KI) einen Produktivitätsschub in den USA auslösen könnte. In diesem Szenario könnte die Wirtschaft ohne Inflationsdruck wachsen, was der US-Notenbank Spielraum für stärkere Zinssenkungen als vom Markt erwartet geben würde.

Stiglitz äußerte sich "am meisten beunruhigt" über Warshs Äußerungen. Unter Investoren besteht die Befürchtung, dass die Zentralbank die Zinsen vorzeitig senken könnte, was später zu einer stärkeren Inflation führen könnte.

Zudem könnte eine wahrgenommene Nachgiebigkeit der Federal Reserve gegenüber politischem Druck, die Zinsen zu senken, ihre Glaubwürdigkeit untergraben und Inflationserwartungen entankern. Stiglitz bezweifelt, dass KI-Produktivitätssteigerungen schnell genug in die Makroökonomie einsickern werden, um Zinssenkungen zu rechtfertigen.

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