
Kalifornien: Streit um 17.000 Lkw-Führerscheine und drohende Millionenverluste
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Kalifornien hat den Entzug von 17.000 gewerblichen Fahrerlaubnissen (CDLs) für Lkw- und Busfahrer bis März aufgeschoben. Diese Entscheidung folgt auf eine Klage von Einwanderergruppen und soll mehr Zeit schaffen, um sicherzustellen, dass berechtigte Fahrer ihre Lizenzen behalten können. Das US-Verkehrsministerium (USDOT) droht jedoch mit dem Entzug von 160 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln, sollte Kalifornien eine Frist zum 5. Januar nicht einhalten.
Hintergrund der Kontroverse um gewerbliche Fahrerlaubnisse
Die Auseinandersetzung begann, nachdem das USDOT Druck auf Kalifornien ausübte, um sicherzustellen, dass Einwanderer ohne legalen Aufenthaltsstatus keine gewerblichen Fahrerlaubnisse erhalten. Eine Prüfung hatte Probleme aufgedeckt, darunter Lizenzen, die lange nach Ablauf der Arbeitserlaubnis gültig blieben, oder Fälle, in denen der Einwanderungsstatus der Fahrer nicht nachweislich überprüft wurde. Bereits 40 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln wurden von US-Verkehrsminister Sean Duffy einbehalten, da Kalifornien angeblich die Anforderungen an Englischkenntnisse für Lkw-Fahrer nicht durchsetzt.
Die Priorisierung dieses Themas durch das Verkehrsministerium erfolgte, nachdem im August ein nicht autorisierter Lkw-Fahrer in Florida einen Unfall mit drei Todesopfern verursachte. Ein weiterer tödlicher Unfall in Kalifornien im Oktober, ebenfalls mit einem Sikh-Fahrer, verstärkte die Debatte.
Kaliforniens Reaktion und Bundesblockade
Nachdem die kalifornische DMV (Department of Motor Vehicles) am 6. November 60-Tage-Kündigungsbescheide an die betroffenen 17.000 Fahrer verschickt hatte, plante sie ursprünglich, die Ausstellung von gewerblichen Fahrerlaubnissen Mitte Dezember wieder aufzunehmen. Diese Pläne, die auch die Neuausstellung von Lizenzen mit aktualisierten Ablaufdaten am 16. Dezember vorsahen, wurden jedoch von der Federal Motor Carrier Safety Administration (FMCSA) blockiert.
DMV-Direktor Steve Gordon betonte die Bedeutung der Fahrer für die Wirtschaft: „Gewerbliche Fahrer sind ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft – unsere Lieferketten bewegen sich nicht, und unsere Gemeinden bleiben ohne sie nicht verbunden.“ Eva Spiegel, stellvertretende Direktorin des Büros für öffentliche Angelegenheiten der kalifornischen DMV, äußerte sich enttäuscht über die Blockade: „Angesichts unserer Einhaltung der Bundesvorschriften und des staatlichen Rechts schadet diese Verzögerung durch die Bundesregierung nicht nur unserer Lkw-Branche, sondern lässt auch berechtigte Fahrer in der Kälte ohne Lösung während dieser Feiertage zurück.“
Finanzielle Konsequenzen und Bundesdruck
US-Verkehrsminister Sean Duffy hat seine Haltung klar gemacht. Auf der sozialen Plattform X postete er: „Kalifornien hat KEINE ‚Verlängerung‘, um weiterhin das Gesetz zu brechen und Amerikaner auf den Straßen zu gefährden.“ Er drohte bereits zuvor mit dem Entzug von Millionen von Dollar an Bundesmitteln für Kalifornien, Pennsylvania und Minnesota aufgrund ähnlicher Audit-Probleme.
Die Frist für Kalifornien, die Lizenzen zu entziehen, ist der 5. Januar. Bei Nichteinhaltung droht der Verlust von 160 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln.
Die Lage der betroffenen Fahrer und rechtliche Schritte
Die Ungewissheit belastet die betroffenen Lkw-Fahrer erheblich. Amarjit Singh, ein Lkw-Fahrer und Speditionsbesitzer aus der Bay Area, berichtete von der anfänglichen Hoffnung auf eine Neuausstellung der Lizenzen und der anschließenden Enttäuschung: „Wir waren froh, dass [die kalifornische DMV] sie neu ausstellen würde. Aber jetzt sind die Dinge nicht mehr so klar, und es fühlt sich an, als wären wir im Dunkeln.“ Er wisse nicht, ob er seine Versicherungen und Genehmigungen erneuern solle.
Die Sikh Coalition, eine nationale Gruppe, die sich für die Bürgerrechte von Sikhs einsetzt, und der in San Francisco ansässige Asian Law Caucus haben im Namen der kalifornischen Fahrer eine Sammelklage eingereicht. Sie argumentieren, dass Einwanderer-Lkw-Fahrer unfair ins Visier genommen werden. Mumeeth Kaur, Rechtsdirektorin der Sikh Coalition, bezeichnete die Verzögerung als „einen wichtigen Schritt zur Linderung der unmittelbaren Bedrohung, der diese Fahrer in Bezug auf ihr Leben und ihren Lebensunterhalt ausgesetzt sind.“
Einwanderer stellen etwa 20 % aller Lkw-Fahrer dar, wobei die von Einwanderern erhaltenen „non-domiciled licenses“ nur etwa 5 % aller gewerblichen Fahrerlaubnisse ausmachen, was rund 200.000 Fahrern entspricht.
Branchenstimmen und Ausblick
Lkw-Handelsgruppen haben die Bemühungen gelobt, unqualifizierte Fahrer, die keine Lizenzen haben oder kein Englisch sprechen können, von den Straßen zu holen. Sie begrüßten auch die Maßnahmen des Verkehrsministeriums gegen fragwürdige Fahrschulen für gewerbliche Fahrerlaubnisse.
Shane Gusman, Legislativdirektor der Teamsters California, äußerte sich kritisch zur Bundesblockade: „Es gibt absolut keinen legitimen Grund, warum die Bundesregierung eingeschritten ist und gesagt hat: ‚Haltet inne.‘ Und es ist wirklich enttäuschend für die Leute kurz vor den Feiertagen, die dachten, ihre Lizenzprobleme würden behoben. Und jetzt ist es irgendwie im Ungewissen gelassen worden.“ Während die Bundesregierung die Lizenzen als illegal ansieht und der Staat die Bundesbehörden der Übergriffigkeit bezichtigt, fühlen sich einige in der Lkw-Branche zwischen den Fronten gefangen. Die DMV bleibt hoffnungsvoll, dass die Bundesregierung Kalifornien die Neuausstellung der Lizenzen gestatten wird.