
Kaliforniens Benzinpreise: Steuern, Auflagen und Raffinerie-Engpässe
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Kalifornische Autofahrer zahlen die höchsten Benzinpreise in den Vereinigten Staaten, die oft über 6 US-Dollar pro Gallone liegen. Eine sechsmonatige Untersuchung von CBS News California hat gezeigt, dass die Ursachen für diese hohen Benzinpreise komplex sind und weit über einfache Preisabsprachen hinausgehen, wie sie von politischen Führern jahrelang unterstellt wurden. Stattdessen spielen staatliche Politik, Raffinerie-Schließungen und globale Versorgungsrisiken eine entscheidende Rolle in Kaliforniens isoliertem Kraftstoffmarkt.
Warum Kaliforniens Benzinpreise die höchsten sind
Die hohen Benzinpreise in Kalifornien sind das Ergebnis einer Kombination aus mehreren Faktoren. Dazu gehören höhere Steuern, Arbeits- und Geschäftskosten sowie umfangreiche Umweltprogramme und -vorschriften. Hinzu kommt die einzigartige Kraftstoffmischung des Staates, die die Grundpreise zusätzlich in die Höhe treibt.
Aktuell liegt der Preis für eine Gallone Benzin in Kalifornien bei über 6 US-Dollar, während der nationale Durchschnitt am 1. April 2026 bei 4 US-Dollar lag. Dieser deutliche Unterschied belastet die kalifornischen Haushalte erheblich.
Die Rolle von Steuern und Gebühren
Rund 45 % der Kosten jeder Gallone Benzin setzen sich aus landesweit einheitlichen Posten zusammen, wie dem globalen Rohölpreis und einer bundesweiten Steuer von 18 Cent. Die restlichen 55 % sind jedoch Kalifornien-spezifische Kosten.
Diese zusätzlichen Kosten umfassen:
- Vertriebs- und Raffineriekosten: Etwa 28 % jeder Gallone, die in Kalifornien teurer sind.
- Spezialkraftstoffmischung: Erhöht die Raffineriekosten um 10-15 Cent pro Gallone.
- Staatliche Verbrauchssteuer: 61 Cent.
- Gebühren für unterirdische Lagerung: Etwa 2 Cent.
- Cap-and-Trade-Programm: Rund 23 Cent pro Gallone.
- Low Carbon Fuel Standard (LCFS): Weitere 14 Cent.
- Staatliche und lokale Umsatzsteuern: Durchschnittlich 2,25 % bzw. 1 %.
Insgesamt zahlen Autofahrer in Kalifornien etwa 90 Cent pro Gallone an Steuern und Gebühren, den höchsten Wert aller Bundesstaaten. Bei einem Preis von 6 US-Dollar pro Gallone summieren sich diese zusätzlichen Kosten auf etwa 20 US-Dollar pro Tankfüllung eines durchschnittlichen Fahrzeugs.
Spezialkraftstoff und Raffineriekapazitäten
Kalifornien schreibt eine spezielle, sauberer verbrennende Benzinmischung vor, bekannt als California Reformulated Gasoline Blendstock for Oxygenate Blending (CARBOB). Diese Mischung reduziert Emissionen, ist aber in der Herstellung teurer und kann nur von einer Handvoll Raffinerien außerhalb Kaliforniens produziert werden. Die Produktion dieser Spezialmischung erforderte Investitionen in Milliardenhöhe.
Der Staat agiert als eine Art "Energieinsel", da es keine großen Pipelines gibt, die Benzin aus anderen Staaten einführen. Dies macht den Markt anfällig für Versorgungsengpässe und Preisschwankungen, insbesondere bei Wartungsarbeiten oder Ausfällen lokaler Raffinerien.
Das "Mystery Surcharge" und Versorgungsengpässe
Laut Severin Borenstein, Professor am Energy Institute at Haas der UC Berkeley, gibt es seit 2015 einen schwer erklärbaren, hartnäckigen "Mystery Surcharge". Dieser unerklärte Aufschlag entstand nach einem größeren Raffinerieausfall und hat sich seitdem gehalten. Er kostet die Kalifornier schätzungsweise 5 bis 7 Milliarden US-Dollar pro Jahr, was sich seit 2015 auf über 60 Milliarden US-Dollar summiert hat.
Während Vorschriften und Steuern die Grundpreise festlegen, werden Preisspitzen laut Borenstein oft durch Versorgungsunterbrechungen verursacht, insbesondere in Kaliforniens isoliertem Kraftstoffmarkt.
Vorwürfe der Preisabsprache und politische Reaktionen
Jahrelang beschuldigten staatliche Politiker die Ölkonzerne der Preisabsprache. Im Jahr 2023 wurde eine vom Steuerzahler finanzierte Sondersitzung zu diesem Thema abgehalten, die zu zwei neuen Gesetzen gegen Preisabsprachen führte. Ein Gesetz sollte Ölkonzerne zur Offenlegung ihrer Bücher zwingen, ein anderes sah eine Deckelung der Gewinnmargen von Raffinerien bei Preisspitzen vor, wurde aber später ausgesetzt.
Nach über zwei Jahren haben staatliche Beamte jedoch keine Beweise für illegale Preisabsprachen gefunden. Kaliforniens Natural Resources Secretary Wade Crowfoot erklärte, der Staat habe Dynamiken identifiziert, die Preisschwankungen verursachen, vermied es aber, Ölkonzerne direkt der Preisabsprache zu bezichtigen. Dies markiert eine Abkehr von der bisherigen politischen Rhetorik.
Raffinerie-Schließungen und ihre Folgen
Nach der Debatte um Preisabsprachen haben zwei große Raffinerien – Valero in der San Francisco Bay Area und Wilmington Phillips 66 im Raum Los Angeles – ihren Betrieb eingestellt. Dies führte zum Verlust von Hunderten von Arbeitsplätzen und reduzierte die Benzinproduktion des Staates um fast ein Fünftel.
Dieser Kapazitätsverlust verschärft die Versorgungslage in einem Staat, der bereits als "Energieinsel" gilt. Weniger Raffinerien bedeuten weniger Eigenproduktion und mehr Preisdruck, insbesondere bei Ausfällen oder hoher Nachfrage. Tolly Graves, Manager der Chevron Richmond Raffinerie, betonte, dass Kalifornien ein schwieriger Standort für Raffinerien sei, da höhere Arbeits-, Energie- und Regulierungskosten die Produktionskosten in die Höhe treiben.
Zunehmende Abhängigkeit von ausländischem Kraftstoff
Mit dem Rückgang der Raffineriekapazitäten wendet sich Kalifornien zunehmend an Raffinerien in Übersee, insbesondere in Asien, um seine spezielle Benzinmischung herzustellen. Obwohl diese Raffinerien Kaliforniens kohlenstoffarmen Kraftstoff produzieren können, müssen sie nicht die gleichen strengen Umweltstandards einhalten wie die Raffinerien in Kalifornien. Dies führt nicht nur zu lokaler Umweltverschmutzung, sondern auch der Transport über den Ozean ist umweltschädlicher, wie Wade Crowfoot bestätigte.
Tanker aus Asien benötigen Wochen, um Kalifornien zu erreichen, was neue Schwachstellen schafft. Jede Störung – von Raffinerieausfällen bis hin zu globalen Konflikten – kann schnell zu Versorgungsengpässen und Preiserhöhungen führen. Andy Walz, Präsident von Chevron, warnte, dass bei einem Raffinerieproblem drei Wochen vergehen könnten, bis Nachschub aus anderen Quellen eintrifft.
Ein Wandel in der politischen Debatte
Nach Jahren der Fokussierung auf Ölkonzerne erkennen staatliche Politiker nun an, dass sich die Debatte wandelt. Andy Walz von Chevron bemerkte, dass es die Schließung zweier Raffinerien brauchte, bis die Politik ihre Haltung änderte.
Gesetzgeber wägen nun ab, wie Klimaziele mit der Notwendigkeit einer stabilen und erschwinglichen Kraftstoffversorgung in Einklang gebracht werden können. Der staatliche Senator Brian Jones (R-San Diego) sieht den Beginn dieser Verschiebung in dem Bericht, der keine Preisabsprachen nachweisen konnte. Die vorübergehend ausgesetzte Gesetzgebung zur Gewinnbegrenzung für Raffinerien und vorgeschlagene Änderungen am Cap-and-Invest-Programm könnten die Raffination im Ausland noch attraktiver machen.
Ausblick: Balance zwischen Klima und Kosten
Für Pendler wie Sirena Lopez, die täglich zwei Stunden zur Arbeit fährt, sind die Auswirkungen der hohen Benzinpreise unmittelbar spürbar. Die Herausforderung für Kalifornien besteht darin, den Übergang zu einer saubereren Energiezukunft zu gestalten, ohne die Kosten kurzfristig in die Höhe zu treiben und die Kraftstoffversorgung zuverlässig und erschwinglich zu halten.
Die Entscheidungen des Gouverneurs und der von ihm ernannten Behördenleiter prägen Kaliforniens Energie- und Umweltpolitik, die sich direkt auf die Benzinpreise auswirkt. Mit der Wahl eines neuen Gouverneurs könnten sich diese Politiken und damit die Benzinpreise bald ändern.