Kapselhotels in London: Günstige Lösung für Pendler nach Büro-Rückkehr
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Die Rückkehr ins Büro und die exorbitant hohen Übernachtungskosten in London zwingen viele Pendler zu kreativen Lösungen. Eine davon sind japanisch inspirierte Kapselhotels, die für rund 30 Pfund pro Nacht eine erschwingliche Alternative zu den durchschnittlichen Hotelpreisen von 265 Pfund bieten. Diese kompakten Schlafkapseln ermöglichen es Arbeitnehmern, die aus der Stadt gezogen sind, wieder in der Metropole zu übernachten.
Rückkehr ins Büro treibt Nachfrage nach Kapselhotels
Während der Covid-19-Pandemie zogen viele Londoner Büroangestellte aus der Stadt, um von den Vorteilen des Fern- und Hybridarbeitens sowie günstigeren Mieten und Immobilienpreisen zu profitieren. Ein Bericht des City Hall aus dem Jahr 2021 deutete darauf hin, dass die Bevölkerung Londons während der Pandemie wahrscheinlich sank, mit einem Rückgang von etwa 210.000 Angestellten bis November 2020. Eine Studie des Immobilienunternehmens CBRE aus dem Jahr 2022 zeigte zudem, dass 43 % der Pendler im Vereinigten Königreich über 30 Minuten von ihrem Arbeitsplatz entfernt lebten.
Im Jahr 2025 erleben wir jedoch eine deutliche Trendwende: Große Unternehmen wie HSBC, JPMorgan, Amazon, Salesforce und John Lewis setzen in London wieder verstärkt auf Präsenzpflicht im Büro. Dies übt Druck auf Arbeitnehmer aus, die Stadt wieder regelmäßig zu besuchen. Halima Aziz, Head of Hotels bei Criterion Capital, merkt an: „Die Kosten für das Pendeln von Oxford, Cambridge, Stadtzentren, die nicht über das Londoner U-Bahn-System erreichbar sind, sind ziemlich hoch.“
Zedwell: Eine japanische Idee für London
Als Reaktion auf diese Entwicklung hat das Zedwell Capsule Hotel, eine Marke von Criterion Capital, im September in Piccadilly Circus eröffnet. Es bietet fast 1.000 Kapseln, die jeweils 1 Meter lang, 1 Meter breit und 2 Meter tief sind – und damit zu den kleinsten Hotelzimmern Londons gehören. Das Hotel befindet sich im historischen London Pavilion Gebäude, das ursprünglich 1885 als Musikhalle erbaut wurde.
Die Idee der Kapselhotels stammt ursprünglich aus Japan, wo das erste Kapselhotel 1979 in Osaka entstand. Es diente primär als günstige Übernachtungsmöglichkeit für Angestellte, die spät arbeiteten und lieber ausgingen, als teuer nach Hause zu pendeln. Halima Aziz erklärt, dass das Zedwell eine Marktlücke zwischen Budget-Hostels und erschwinglichen Unterkünften schließt: „Wir haben diesen Sweet Spot zwischen den beiden. Wir sind kein Budget-Hostel. Wir kommen nicht mit einem Preis von 15 Pfund und einem Etagenbett in einem Stahlraum.“
Ein Blick ins Innere der Schlafkapseln
Eine Übernachtung in einer Zedwell-Kapsel, wie sie von Sawdah Bhaimiya beschrieben wird, bietet eine überraschend komfortable Erfahrung. Die hell beleuchteten Schlafkapseln verfügen über rollbare Jalousien, die von innen verriegelt werden können. Im Inneren finden sich ein Lichtdimmer, zwei Kleiderhaken, ein Luftreiniger, ein breiter Spiegel und Ladesteckdosen. Trotz der geringen Größe – das Gepäck (Rucksack und Tragetasche) liegt am Fußende des Bettes – wird das Bettzeug als bequem und gemütlich empfunden. Nach dem Ausschalten des Lichts und des Luftreinigers herrscht absolute Dunkelheit und Stille, was ein schnelles Einschlafen ermöglicht.
Der Check-in erfolgt über Kioske. Die Wände des Hotels sind passend zur Außenseite schwarz gestrichen, und es gibt keine Fenster. Die Kapseln sind in Schlafsälen angeordnet, teilweise übereinander gestapelt und nur über Stufen erreichbar. Es gibt auch spezielle Frauen-Schlafsäle.
Kosten und Komfort: Was Gäste erwartet
Während eine Übernachtung im Zedwell bereits ab 30 Pfund (ca. 40 US-Dollar) möglich ist, können zusätzliche Annehmlichkeiten den Preis erhöhen. So kostet ein Frauen-Schlafsaal zusätzlich 10 Pfund, ein Vorhängeschloss 8 Pfund und die sichere Gepäckaufbewahrung 15 Pfund. Halima Aziz erklärt, dass die zusätzlichen Kosten für die Frauen-Schlafsäle hauptsächlich auf verbesserte Annehmlichkeiten wie ein Handtuch in der Kapsel und einen speziellen Beauty-Raum mit Haartrocknern zurückzuführen sind, wobei letzterer noch im Bau ist.
Das Hotel hatte bei der Besichtigung durch Sawdah Bhaimiya noch ein unfertiges Gefühl, mit Baugerüsten am Eingang und leisen Bohrgeräuschen. General Manager Greg Walsh bestätigte, dass das Gebäude „noch im Bau“ sei, da unterirdisch eine größere Rezeption mit direkter Anbindung an die Piccadilly Circus Station entsteht. Trotzdem bietet das Hotel bereits Gemeinschaftstoiletten und -duschen mit klassischer Musik sowie Verkaufsautomaten in der Rezeption mit Snacks, Getränken, Hausschuhen und Schlafmasken. Die zentrale Lage ermöglicht es, Oxford Circus, Leicester Square und Covent Garden bequem zu Fuß zu erreichen.
Der Wandel der Arbeitswelt und seine Folgen
Die Kapselhotels ziehen eine Vielzahl von Berufstätigen an. Sawdah Bhaimiya beobachtete während ihres Aufenthalts zahlreiche Gäste in Anzügen und mit Aktenkoffern. Ein Koch aus Newcastle berichtete, er habe insgesamt 284 Pfund für einen zweiwöchigen Aufenthalt im Hotel bezahlt, um in London zu arbeiten.
Die durchschnittlichen Hotelkosten in Central London lagen im dritten Quartal 2025 bei schwindelerregenden 265 Pfund pro Nacht, laut dem Immobilienunternehmen Knight Frank. Im Vergleich dazu betrug der durchschnittliche Tagespreis für Hotels in Europa im Sommer 125 Euro, basierend auf einer Analyse von RoomRaccoon. Diese Preisdifferenz macht Kapselhotels zu einer attraktiven Option für Pendler, die aufgrund der Rückkehrpflicht ins Büro wieder regelmäßig in die Stadt müssen, aber die hohen Übernachtungskosten meiden möchten. Die Entwicklung zeigt, wie sich der Immobilien- und Hotelmarkt an die sich ändernden Anforderungen der modernen Arbeitswelt anpasst.