
Kerosinpreise explodieren: Airlines streichen Routen weltweit – Sommerreiseverkehr in Gefahr
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Die Luftfahrtbranche steht vor erheblichen Herausforderungen: Angesichts des Iran-Krieges und stark gestiegener Kerosinpreise streichen Fluggesellschaften weltweit Routen. Dies führt zu Unsicherheiten für den Sommerreiseverkehr und zwingt Airlines zu drastischen Maßnahmen, um die Rentabilität zu sichern, da Kerosinpreise sich seit Kriegsbeginn verdoppelt haben.
Steigende Kerosinpreise und ihre Ursachen
Die Kerosinpreise haben sich seit Kriegsbeginn am 28. Februar verdoppelt und erreichten fast 200 US-Dollar pro Barrel. Kerosin macht typischerweise etwa 25 % bis 30 % der Gesamtkosten einer Fluggesellschaft aus, bei Langstreckenflügen ist der Anteil noch höher, wie Stephen Rooney, Lead Economist bei Tourism Economics, gegenüber CBS News erklärte. Fluggesellschaften hatten Tickets auf der Grundlage stabilerer Treibstoffkosten vorverkauft, was nun zu Stornierungen führen kann, um Verluste zu vermeiden.
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran hat die Lieferketten gestört und Öl in Lagereinrichtungen im Nahen Osten blockiert. Die Straße von Hormus, die für etwa 20 % der weltweiten Ölversorgung und 40 % der europäischen Kerosinimporte entscheidend ist, war blockiert. Obwohl sie nach einem Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon wieder geöffnet wurde, erwarten Analysten, dass es Wochen, wenn nicht Monate dauern wird, bis sich die Treibstoffversorgung und die Ölpreise stabilisieren.
Fluggesellschaften reagieren mit Routenkürzungen
Eine wachsende Zahl globaler Fluggesellschaften hat bereits auf die gestiegenen Kosten reagiert:
- Delta Air Lines streicht vier Routen für den Sommer, darunter Verbindungen von New York (JFK) nach Memphis und St. Louis (7. Juni bis 7. September), von Detroit (DTW) nach Reykjavik, Island (7. Mai bis 6. Juli) sowie von Boston (BOS) nach Nassau, Bahamas (18. Juli bis 5. September). Delta begründete die Entscheidung mit "verschiedenen Faktoren", einschließlich Betriebskosten und operativen Überlegungen.
- Air Canada setzt sechs Routen aus, darunter inländische wie Fort McMurray, Alberta, nach Vancouver (ab 28. Mai) und Yellowknife nach Toronto (ab 30. August), sowie grenzüberschreitende Flüge von Toronto und Montreal zum New Yorker JFK Airport (1. Juni bis 25. Oktober). Die Airline begründet dies mit der mangelnden Wirtschaftlichkeit aufgrund der verdoppelten Kerosinpreise. Eine geplante Route von Guadalajara, Mexiko, nach Montreal wurde ebenfalls gestrichen.
- KLM Royal Dutch Airlines passt ihren Flugplan an und streicht 80 Hin- und Rückflüge ab Amsterdam Schiphol, da bestimmte Routen "finanziell nicht mehr tragfähig" seien.
- Die deutsche Lufthansa legt eine regionale Tochtergesellschaft still und mustert Flugzeuge aufgrund "erheblich gestiegener Kerosinpreise" vorzeitig aus.
- WestJet reduziert die Kapazität im April um ein Prozent und im Mai um drei Prozent, während United Airlines ebenfalls Flugkürzungen plant, insbesondere bei Off-Peak- und Nachtflügen.
- **Ryanair-CEO Michael O'Leary** warnte vor möglichen Versorgungsrisiken in Europa im Mai und Juni, sollte der Krieg andauern.
- Die Schweizer Edelweiss Air streicht Flüge in die USA (Denver, Seattle) und reduziert die Frequenz nach Las Vegas.
- Scandinavian Airlines (SAS) kürzt rund 1.000 Flüge im April aufgrund des Anstiegs der Kerosinkosten.
Auswirkungen auf den europäischen und nordamerikanischen Flugverkehr
US-amerikanische Fluggesellschaften sind aufgrund ihrer heimischen Kerosinproduktion etwas besser aufgestellt als europäische Carrier. Dennoch könnten US-Reisende, die nach Europa fliegen, von Störungen betroffen sein, möglicherweise durch Zwischenstopps zur Betankung, was die Reisezeit verlängert, so Airline-Analyst Henry Harteveldt.
Die International Energy Agency (IEA) warnt, dass europäische Flughäfen möglicherweise nur noch über eine Kerosinversorgung für etwa sechs Wochen verfügen. Fatih Birol, Leiter der IEA, bezeichnete die aktuelle Situation als die "größte Energiekrise, die wir je erlebt haben". Harteveldt bezeichnete die Störungen als "alarmierend" und in diesem Ausmaß beispiellos.
Reisende müssen sich auf höhere Flugpreise, mögliche Treibstoffzuschläge und Flugausfälle einstellen. Einige Airlines haben bereits Gebühren für Gepäck erhöht oder Kosten in die Ticketpreise integriert.
Engpässe und die Rolle der Energieagentur
Die Kerosinversorgung, ein raffiniertes Kerosinprodukt aus Rohöl, ist besonders anfällig für Engpässe. June Goh, leitende Ölmarktanalystin bei Sparta Commodities, weist darauf hin, dass Kerosin spezielle Lagereinrichtungen erfordert, weshalb weniger davon gelagert wird als beispielsweise Benzin.
Laut einem IEA-Bericht verfügen einige europäische Länder derzeit über weniger als 20 Tage Kerosinreserven, ein Wert, der seit 2020 nicht mehr unter 29 Tage gefallen ist. Fällt dieser Wert unter 23 Tage, könnten physische Engpässe auftreten. Amaar Khan, Leiter der europäischen Kerosinpreisgestaltung bei Argus Media, betont, dass die Straße von Hormus für rund 40 % der europäischen Kerosinimporte steht und seit Kriegsbeginn kein Kerosin mehr durch die Straße gelangt ist.
Was Reisende erwartet
Die aktuelle Lage bedeutet "Turbulenzen für den Sommerflugverkehr". Fluggesellschaften wie Delta und Air Canada haben zugesichert, betroffene Kunden direkt zu kontaktieren und alternative Reisemöglichkeiten anzubieten.
Werner Antweiler, außerordentlicher Professor an der UBC's Sauder School of Business, rät Reisenden nach Asien und Europa, wo Länder stark von Öl aus dem Nahen Osten abhängig sind, mit Flugausfällen zu rechnen und entsprechend zu planen. Die Stabilisierung der Kerosinversorgung und der Ölpreise wird voraussichtlich Wochen, wenn nicht Monate dauern, was bedeutet, dass die Unsicherheit für Reisende und die Luftfahrtbranche noch länger anhalten könnte.