
Kevin Warshs Anhörung: Fed-Vorsitz im politischen Spannungsfeld
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Kevin Warsh steht am Dienstag, dem 21. April, vor seiner mit Spannung erwarteten Senatsanhörung für den Posten des Fed Chair. Nachdem ihm die Nominierung durch Trump vor acht Jahren zugunsten von Jay Powell entgangen war, scheint er nun auf dem besten Weg, Powell im nächsten Monat zu ersetzen. Doch die Bestätigung ist alles andere als sicher.
Kevin Warshs zweite Chance auf den Fed-Vorsitz
Kevin Warshs Weg zum Vorsitz der Federal Reserve ist von politischen Spannungen und persönlichen Herausforderungen geprägt. Er muss die Unterstützung der republikanischen Senatoren sichern, die Finanzmärkte nicht verunsichern und Präsident Trump überzeugen, die strafrechtliche Untersuchung des Justizministeriums gegen den amtierenden Fed Chair Jerome Powell einzustellen. Andernfalls könnte ihm der Posten erneut entgleiten.
Warshs Eröffnungsstatement, das Politico vorab veröffentlichte, gibt Einblicke in seine politischen Ansichten. Die Anhörung wird sich auf drei zentrale Politikbereiche konzentrieren: die Unabhängigkeit der Fed, Warshs Inflationstheorie und die Finanzmarktregulierung. Zudem werden Fragen zu Warshs nicht offengelegten finanziellen Verflechtungen, seiner Erwähnung in den Jeffrey-Epstein-Akten und seiner Loyalität zu Präsident Trump erwartet.
Die Unabhängigkeit der Fed im Spannungsfeld
Die Unabhängigkeit der Federal Reserve ist ein zentrales Thema, da Präsident Trump wiederholt niedrigere Zinsen gefordert hat, obwohl die Inflation das 2%-Ziel der Fed überschreitet. Im August 2025 entließ Trump Fed-Gouverneurin Lisa Cook, die jedoch mit ihrem Fall vor dem Obersten Gerichtshof bleibt. Zudem unterstützte Trump die im Januar 2026 eingeleitete strafrechtliche Untersuchung des Justizministeriums gegen Fed Chair Powell.
Kevin Warsh sieht die Bedrohung der Fed-Unabhängigkeit anders. In seiner Eröffnungsrede argumentiert er, dass die Unabhängigkeit der Fed "weitgehend von der Fed selbst abhängt". Er sieht es nicht als Problem an, wenn gewählte Amtsträger ihre Ansichten zu Zinssätzen äußern. Warsh betont, dass Zentralbanker stark genug sein müssen, um unterschiedliche Ansichten anzuhören, und demütig genug, um offen für neue Ideen zu sein.
Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass Trumps Druck weit über bloße Worte hinausgeht. Zentralbanker, die Trumps Ansichten widersprechen, müssten persönlich wohlhabend genug sein, um die Anwaltskosten für Vergeltungsmaßnahmen zu decken. Warsh wird voraussichtlich zur Untersuchung gegen Powell befragt werden, was eine Gelegenheit sein könnte, seine Loyalität zu Trump zu demonstrieren und seine Nominierung zu beschleunigen.
Warshs Sicht auf Inflation und Geldpolitik
Die Spannung zwischen Warsh als Fed-Kritiker und Warsh als Trumps Kandidat wird besonders deutlich in seiner Inflationstheorie. Warsh erklärt: "Der Kongress hat die Fed mit der Aufgabe betraut, Preisstabilität zu gewährleisten, ohne Ausreden oder Ausflüchte, Argumente oder Ängste. Inflation ist eine Wahl, und die Fed muss die Verantwortung dafür übernehmen."
Im Geiste seines ehemaligen Mentors Milton Friedman kritisierte Warsh die Powell-Fed dafür, Angebotsschocks wie die Pandemie und Russlands Invasion in der Ukraine als "Ausrede" für höhere Inflation zu nutzen. Warshs Aussage "Inflation ist eine Wahl" spiegelt Friedmans Ansicht wider, dass "Inflation immer und überall ein monetäres Phänomen" ist, das durch Staatsausgaben und Gelddrucken verursacht wird.
Warshs Position scheint jedoch widersprüchlich. Er kritisierte die Powell-Fed für die Duldung überhöhter Inflation während der Biden-Administration, plädiert aber nun für Zinssenkungen unter der Trump-Administration, obwohl die Inflation immer noch nahe 3% liegt. Er begründet dies mit einem erwarteten positiven Angebotsschock durch Produktivitätswachstum durch KI, das disinflationär wirken soll. Dies wirft die Frage auf, ob Warsh ein Monetarist ist, wenn er die Powell-Fed kritisiert, aber ein Befürworter der Akkommodation von Angebotsschocks, wenn er selbst das Ruder übernimmt.
Finanzregulierung und die Lehren aus Krisen
Kevin Warsh war von 2006 bis Anfang 2011 Fed-Gouverneur und erlebte die globale Finanzkrise und deren unmittelbare Folgen hautnah mit. Er beschreibt die Rolle der Zentralbank in dieser Zeit als "unverzichtbar" und lobt die Nutzung der Werkzeuge und Befugnisse der Fed zur Stabilisierung des Wirtschaftssystems.
Heute ist Warsh ein Befürworter der Deregulierung der Finanzmärkte und des Rückbaus einiger Finanzreformen des Dodd-Frank-Gesetzes. Diese Haltung überrascht, da er die Schäden von Finanzkrisen aus erster Hand miterlebt hat. Seine Erfahrungen scheinen sein Denken zur Finanzregulierung nicht beeinflusst zu haben. Er konzentriert sich auf die Größe der Fed-Bilanz, äußert sich aber kaum dazu, warum eine Bilanzausweitung überhaupt notwendig war oder wie die Fed Notlagen vermeiden sollte.
Hürden auf dem Weg zur Bestätigung
Die Bestätigung von Kevin Warsh ist nicht nur eine Frage seiner politischen Ansichten, sondern auch ein politisches Tauziehen. Senator Thom Tillis aus North Carolina, ein hochrangiger Republikaner im zuständigen Ausschuss, hat angekündigt, Warshs Nominierung zu blockieren, solange das Justizministerium seine Untersuchung gegen Jerome Powell nicht einstellt. Tillis forderte, die Untersuchung wegen Powells Aussage zu einem milliardenschweren Renovierungsprojekt des Fed-Hauptquartiers fallen zu lassen.
Da die Republikaner im Ausschuss eine hauchdünne Mehrheit haben, ist Tillis' Stimme entscheidend. Tillis bekräftigte, er werde Warsh erst unterstützen, wenn die DOJ-Untersuchung abgeschlossen sei. Senator Tim Scott, der den Ausschuss leitet, äußerte sich jedoch optimistisch, dass das Justizministerium die Angelegenheit in den nächsten Wochen abschließen werde und Tillis dann zustimmen würde. Warsh selbst hat zugestimmt, seine umfangreichen Finanzbeteiligungen innerhalb von 90 Tagen nach der Bestätigung zu veräußern und von mehreren Unternehmensvorständen und Beratertätigkeiten zurückzutreten.