
KI-Angst dominiert Märkte: Vier Sektoren unter Druck, Tech-Aktien wackeln
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Die US-Märkte schlossen eine turbulente Woche mit begrenzten Gewinnen ab, obwohl wichtige Wirtschaftsdaten steigende Arbeitsplatzzahlen und eine nachlassende Inflation zeigten. Trotz dieser positiven Signale, die potenziell Zinssenkungen der Federal Reserve unterstützen könnten, herrschte unter den Anlegern eine wachsende Angst, die zu einem "Risk-off"-Sentiment und sektorspezifischen Ausverkäufen führte. Automobilhersteller meldeten gemischte Ergebnisse, während einige Industrieunternehmen besser abschnitten.
Turbulente Märkte und wachsende Ängste
Die vergangene Woche an den US-Märkten war von einer spürbaren Nervosität geprägt. Obwohl der Arbeitsmarkt robust blieb und die Inflationsraten nachließen, was grundsätzlich positive Aussichten für die Wirtschaft und mögliche zukünftige Zinssenkungen der Federal Reserve signalisiert, blieben die Gesamtgewinne der großen Indizes gering. Stattdessen dominierte eine zunehmende Risikoaversion die Stimmung der Investoren.
Diese Zurückhaltung äußerte sich in gezielten Ausverkäufen in bestimmten Sektoren. Während einige Industrieunternehmen überdurchschnittlich performten, wurde die breitere Nachfrage nach Aktien gedämpft. Die gemischten Gewinnberichte von Automobilherstellern trugen zusätzlich zur unklaren Richtung des Marktes bei.
Die "KI-Angst" ergreift den Markt
Ein zentraler Faktor für die Investorenängste war eine sich ausbreitende "KI-Angst" ("AI scare trade"). Traditionell widerstandsfähige Segmente wie Speditions- und Logistikaktien verzeichneten starke Rückgänge, nachdem eine neue Effizienzplattform eines KI-Unternehmens für den Frachtverkehr die Märkte beunruhigte. Große Transportunternehmen erlitten erhebliche Verluste, was Teil einer breiteren Umschichtung weg von arbeitsintensiven Geschäftsmodellen ist, die als anfällig für Automatisierung wahrgenommen werden.
Auch Immobilien und andere Sektoren der "Old Economy" waren betroffen, da Händler sich Sorgen über potenzielle KI-gesteuerte Disruptionen jenseits der Softwarebranche machten. Laut dem erfahrenen Investor Ed Yardeni hat sich der KI-Handel am Markt von "KI-Euphorie zu KI-Phobie" gewandelt, was in wenigen Wochen Software, Broker, Versicherer und Vermögensverwalter hart getroffen hat.
Vier Sektoren im Fokus der KI-Phobie
Anstatt Unternehmen mit KI-Bezug hochzubieten, bestrafen die Märkte nun Firmen, die als anfällig für die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz angesehen werden. Vier große Branchen sind dadurch plötzlich zu "Schnäppchen" geworden, wie Yardeni in einer Notiz festhielt.
Softwaresektor unter Druck
Softwareaktien wurden am härtesten getroffen. Der iShares Tech-Expanded Software Sector ETF (IGV) ist im Jahresverlauf um fast 20 % gefallen und damit die schlechteste Branchengruppe. Auslöser sind Befürchtungen, dass KI-native Tools wie Anthropic's Claude traditionelle Unternehmenssoftwareanbieter in Bereichen wie Rechtsdienstleistungen, Finanzen und Vertrieb verdrängen könnten.
Auch Datenanbieter blieben nicht verschont. Investoren fragten sich schnell, ob Unternehmen noch teure Anwendungssoftware benötigen, wenn generative KI spezialisierte Arbeitsabläufe übernehmen kann. Yardeni kommentierte dazu: "Für diejenigen, die die Einführung des Internets miterlebt haben, fühlt sich das wie ein Déjà-vu an." Die Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) haben sich stark komprimiert: Anwendungssoftware wird nun mit dem 23,7-fachen der zukünftigen Gewinne gehandelt, gegenüber 35,3 auf ihrem jüngsten Höchststand. Systemsoftware fiel von 35,5 auf 23,3.
Brokerage-Firmen und Finanzberatung
Investmentbanken und Brokerage-Firmen gerieten ebenfalls unter Druck, nachdem das Fintech-Unternehmen Altruist KI-Tools zur Empfehlung personalisierter Steuerstrategien einführte. Die Befürchtung ist, dass KI, wenn sie heute Steuern optimieren kann, morgen auch eine breitere Finanzberatung übernehmen könnte.
Das Forward-KGV der Branche ist von 24,7x auf 15,9x gesunken. Dies deutet weniger auf aktuelle Gewinne als vielmehr auf langfristigen Margendruck hin. Sollte KI die Reibungsverluste in der Finanzberatung reduzieren, könnten traditionelle Beratungsmodelle struktureller Konkurrenz ausgesetzt sein.
Versicherungsbroker im Wandel
Auch Versicherungsbroker wurden getroffen, nachdem Berichte über die Integration von KI-gesteuerten Tools in Konversationsplattformen zur Generierung personalisierter Versicherungsangebote bekannt wurden. Yardeni hob hervor, dass "OpenAI eine Versicherungsanwendung für ChatGPT genehmigte, die vom spanischen Digitalversicherer Tuio entwickelt wurde."
Die Frage ist, wo der Broker noch seinen Platz findet, wenn Underwriting, Vergleich und Angebotserstellung nahtlos innerhalb von KI-Schnittstellen erfolgen. Der S&P Insurance Brokers Branchenindex, der vom State Street SPDR S&P Insurance ETF (KIE) abgebildet wird, ist im Jahresverlauf um 4 % gefallen. Die Aktien großer Akteure sind von ihren Höchstständen deutlich zurückgegangen. Dennoch bleibt das Versicherungsgeschäft beziehungs- und compliance-intensiv – Bereiche, in denen etablierte Unternehmen Vorteile haben. Das Kernproblem bleibt die Nachhaltigkeit der Erträge: Wird KI die Provisionen erheblich schmälern?
Vermögensverwalter als indirekte Opfer
Alternative Vermögensverwalter könnten die indirektesten Opfer des KI-Ausverkaufs sein. Auch wenn die direkten Auswirkungen weniger offensichtlich sind, tragen sie die Kollateralschäden der allgemeinen Marktunsicherheit und der Neubewertung von Geschäftsmodellen im Zuge der KI-Entwicklung.
Benzinga's Blick auf Einzelwerte
Benzinga liefert täglich Berichte über die bei Investoren beliebtesten Aktien. Hier sind einige der bemerkenswertesten bullischen und bärischen Beiträge der vergangenen Woche:
- Die Bullen*
- Applied Materials: Das Unternehmen übertraf die Schätzungen für das erste Quartal und gab eine starke Prognose ab, woraufhin die Aktien stark anstiegen.
- Viking Therapeutics: Die Aktie kletterte nach dem Bericht zum vierten Quartal.
- QuantumScape: Die Aktie verzeichnete am Montag einen deutlichen Anstieg.
- Die Bären*
- **Pinterest:** Die Aktie tauchte nachbörslich ab, nachdem das Unternehmen im vierten Quartal die Erwartungen doppelt verfehlte und einen schwachen Ausblick gab.
- Tech-Aktien: Tech-Aktien sanken im Februar, wobei die Geschichte darauf hindeutet, dass dieser Rückgang zu erwarten war.
- **Carvana:** Die Aktie fiel am Mittwoch.