KI-Blase oder Revolution? Finanzexperten und CEOs im Meinungsstreit

KI-Blase oder Revolution? Finanzexperten und CEOs im Meinungsstreit

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Die Finanzwelt blickt gespannt auf den rasanten Aufstieg der Künstlichen Intelligenz und diskutiert intensiv über die Möglichkeit einer KI-Blase. Während namhafte Investoren wie Mark Cuban und Bill Gurley vor einem baldigen Liquiditätsengpass bei einigen KI-Unternehmen warnen, bewerten Branchenführer die Lage unterschiedlich. Die Balance zwischen Rentabilität und Kostensenkung wird dabei als entscheidender Faktor für das Überleben vieler Firmen angesehen.

Die Debatte um die KI-Blase spitzt sich zu

Daniel Yanisse, Mitbegründer und CEO von Checkr, einem Unternehmen, das KI für Hintergrundüberprüfungen nutzt, ist überzeugt, dass eine KI-Blase existiert. Er befürchtet, dass einige rein auf KI fokussierte Unternehmen das Platzen dieser Blase nicht überleben werden. Yanisse kritisiert die "verrückten Bewertungen" für Firmen ohne Umsatz und Gewinn.

Checkr selbst sieht er jedoch nicht in Gefahr. Das Unternehmen sei "sehr skaliert" und generiere den Großteil seiner Einnahmen nicht aus KI-Firmen, sondern aus "realen Unternehmen" in diversen Branchen wie dem Gesundheitswesen, der Automobilindustrie, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Einzelhandel.

KI-Technologie: Bleibt sie, auch wenn die Blase platzt?

Arvind Jain, Mitbegründer und CEO von Glean, einer KI-gestützten Plattform für Unternehmenssuche und Produktivität, vertritt die Ansicht, dass die KI-Technologie unabhängig von einer Blase Bestand haben wird. Er betont die transformative Kraft der KI, die die Arbeitsweise grundlegend verändern wird.

Jain sieht Glean nicht primär als KI-Unternehmen, sondern als Plattform zur Lösung spezifischer Geschäftsprobleme. Für Glean sei ein Platzen der Blase daher weniger relevant, da das Unternehmen als "starkes Enterprise-Geschäft" aufgebaut sei, keine "Milliarden und Abermilliarden von Dollar" für das Training von Modellen ausgebe und über eine "starke Bilanz" sowie einen "wirklich großartigen Kundenstamm" verfüge.

Kosten und Effizienz als Überlebensfaktor

Dan Fu, Vice President of Kernels bei Together AI, der für einen wesentlichen Teil des maschinellen Lernprozesses verantwortlich ist, hebt die Kosteneffizienz als entscheidenden Faktor für die Überlebensfähigkeit von KI-Unternehmen hervor. Er merkt an, dass KI-Firmen zwar oft hohe Umsätze erzielen, aber auch "viel für die Rechenleistung ausgeben".

Die zentrale Frage sei, ob Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen auf eine Weise anbieten können, die tatsächlich kosteneffektiv ist. Fu ist überzeugt, dass eine Umstellung des Kostenmodells von teuer auf weniger teuer "ein Billionen-Dollar-Unternehmen" schaffen könnte.

Skepsis und Chancen aus Investorensicht

Der bekannte Investor Michael Burry wettet weiterhin gegen Palantir, ein Datenanalyseunternehmen, das von Peter Thiel mitbegründet wurde. Burry erwarb Puts mit Fälligkeiten im Juni 2027 und Dezember 2026. Dies geschieht, obwohl der ehemalige US-Präsident Trump Palantir für seine "kriegsfähigen Fähigkeiten und Ausrüstung" lobte.

Burry argumentierte, dass Anthropic Palantir im Bereich der Unternehmens-KI überflügele und möglicherweise 73 % der neuen Ausgaben in diesem Segment erfasst habe. Palantir, das im Jahr 2024 1,2 Milliarden US-Dollar Umsatz mit der US-Regierung erzielte, sei stark von Regierungsaufträgen abhängig, die tendenziell niedrigere Margen aufweisen. Die Aktie von Palantir wird mit extrem hohen Bewertungskennzahlen von etwa dem 100- bis 235-fachen des Gewinns gehandelt, weit über dem Sektordurchschnitt von rund dem 20-fachen.

Howard Marks, Mitbegründer und Co-Vorsitzender von Oaktree Capital Management, bezeichnete KI als "sehr real" und fähig, viel Arbeit zu leisten. Er bleibt jedoch unschlüssig, ob Investitionen in KI profitabel sein werden. Marks meint, dass erst in zehn Jahren klar sein wird, ob die erzielten Gewinne die anfängliche Begeisterung rechtfertigen. Er hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass die heutigen Preise für enorm profitable Unternehmen wie Microsoft, Amazon und Google sich als "ruinös überhöht" erweisen werden.

Amazons CEO Andy Jassy: Keine Blase für uns

Andy Jassy, CEO von Amazon, widerspricht der Blase-Debatte vehement. In einem Brief an die Aktionäre äußerte er seine "starke Überzeugung", dass die Technologie nicht überbewertet ist, keine Blase existiert und die Margen sowie der Return on Invested Capital (ROIC) für Amazon attraktiv sein werden.

Jassy hob die beispiellose schnelle Akzeptanz von KI hervor: ChatGPT erreichte in nur zwei Monaten 100 Millionen Nutzer. Er verglich die Auswirkungen von KI mit der Elektrizität, wobei KI sich jedoch zehnmal schneller entwickle. OpenAI und Anthropic verzeichnen Berichten zufolge bereits Umsatzraten von fast 30 Milliarden US-Dollar.

Amazon sei "mitten in diesem Wettlauf", und Kunden würden AWS für KI wählen. Der KI-Umsatz von AWS lag im ersten Quartal 2026 bei über 15 Milliarden US-Dollar, was 260-mal höher ist als der Umsatz von AWS zum gleichen Zeitpunkt seiner eigenen Geschichte. Kunden entscheiden sich laut Jassy aus mehreren Gründen für AWS:

  • Breite Fähigkeiten: Umfassende Angebote für Modellentwicklung (SageMaker), Hochleistungs-Inferenz (Bedrock), kostengünstigere Inferenz (Trainium) und Agentenentwicklung (Strands, AgentCore, Kiro, Transform, Quick).
  • Latenz: Die Inferenz soll nahe an den Anwendungen und Daten liegen, wovon ein Großteil bereits in AWS residiert.
  • Zusätzliche Dienste: Kunden nutzen mit zunehmender KI-Nutzung auch viele weitere Nicht-KI-Dienste von AWS.
  • Sicherheit und Leistung: AWS biete die stärkste Sicherheit und operative Leistung unter den KI- und Infrastrukturanbietern.

AWS erweiterte seine Stromkapazität im Jahr 2025 um 3,9 Gigawatt und erwartet eine Verdopplung der Gesamtkapazität bis Ende 2027, die so schnell wie möglich monetarisiert wird. Im vierten Quartal 2025 verzeichnete AWS ein Wachstum von 24 % gegenüber dem Vorjahr und eine Umsatzrate von 142 Milliarden US-Dollar.

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