
KI-Boom: Investor warnt vor spekulativer Datenzentrums-Blase bis 2028
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Der boomende Markt für Datenzentren, angetrieben durch den rasanten Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI), birgt laut einem prominenten Investor erhebliche Risiken. Alex Davis, CEO der in Austin ansässigen Investmentgesellschaft Disruptive Tech, äußerte in einem Brief an seine Investoren sowie auf LinkedIn tiefe Besorgnis über die spekulative Entwicklung von Rechenzentren in den USA. Er warnt vor einer möglichen Finanzierungskrise, die bereits 2027 oder 2028 eintreten könnte.
Spekulative Bauweise und die "Build it and they will come"-Falle
Davis kritisiert insbesondere Vermieter, die Datenzentren auf Basis spekulativer zukünftiger Nachfrage bauen. Er bezeichnet diese Strategie als "Build it and they will come" und warnt, dass dies eine Falle sei. Seine Befürchtung ist, dass große Hyperscaler – Tech-Giganten wie Amazon, Google und Microsoft – ihre eigenen Datenzentren besitzen und betreiben werden, anstatt sich auf Drittanbieter zu verlassen.
"Ich bin auch zutiefst besorgt über den 'spekulativen' Datenzentrumsmarkt", schrieb Davis in seinem Brief. Er fügte hinzu: "Die 'Build it and they will come'-Strategie ist eine Falle. Wenn Sie ein Hyperscaler sind, werden Sie Ihre eigenen Datenzentren besitzen." Diese Entwicklung könnte spekulative Vermieter in eine schwierige Lage bringen.
Drohende Finanzierungskrise und Systembelastung
Alex Davis prognostiziert eine "signifikante Finanzierungskrise in den Jahren 2027-2028 für spekulative Vermieter". Er betont, dass Disruptive Tech lieber Eigentümer/Nutzer unterstützen möchte als spekulative Vermieter, da letztere "Stress auf das System" ausüben. Diese Warnung kommt von einem Investor, der selbst tief im KI-Ökosystem verwurzelt ist.
Die immense Bautätigkeit belastet bereits jetzt die Stromnetze, Lieferketten und lokalen Gemeinden. Datenzentren, die enorme Mengen an Land, Wasser und Strom verbrauchen, werden zunehmend zu einem politischen Thema. Städte locken Unternehmen oft mit Steueranreizen an, was die Baugeschwindigkeit zusätzlich beschleunigt.
Disruptive Tech und der KI-Markt
Disruptive Tech ist ein wichtiger Akteur im Tech-Investmentbereich und hat in namhafte Unternehmen wie Airbnb, Spotify und Slack investiert. Im KI-Sektor hat die Firma unter anderem Shield AI, Palantir und Databricks unterstützt. Besonders hervorzuheben ist das Engagement bei Groq, einem KI-Hardware-Startup.
Im September gab Groq eine Kapitalerhöhung von 750 Millionen US-Dollar bekannt, wobei Disruptive Tech fast 350 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investierte. Kurz darauf, im November, unterzeichnete Groq einen 20-Milliarden-Dollar-Lizenzvertrag mit Nvidia. Dieser Deal, der als nicht-exklusive Lizenzvereinbarung strukturiert ist, ermöglicht es Nvidia, Groqs Technologie zu integrieren und wichtige Führungskräfte einzustellen.
Breite Bedenken im KI-Sektor
Davis' Bedenken beschränken sich nicht nur auf Datenzentren. In einem ähnlichen Beitrag auf LinkedIn äußerte er sich auch kritisch über den KI-Boom im Allgemeinen. Er sagte, KI habe "zu viele Geschäftsmodelle ohne realistische Margenausweitung" hervorgebracht.
"Das wird nicht gut enden", fügte er hinzu. Diese Einschätzung eines "AI super-bulls" wie Davis, der trotz seiner optimistischen Haltung zur Künstlichen Intelligenz Risiken sieht, ist bemerkenswert. Branchenanalysten teilen teilweise diese Ansicht und sehen Drittanbieter von Datenzentren in Gefahr, von den Hyperscalern, auf deren langfristige Mietverträge sie setzen, im Stich gelassen zu werden.
Kontext des Datenzentrums-Booms
Die Kommentare von Davis fallen in eine Zeit, in der Technologieunternehmen Milliarden von Dollar in den Bau von Datenzentren investieren. Eine Untersuchung von Business Insider aus dem Juni zeigte, dass Ende 2024 Genehmigungen für 1.240 bestehende oder geplante Datenzentren in den USA vorlagen. Dies ist fast das Vierfache der Anzahl der Genehmigungen aus dem Jahr 2010.
Diese Zentren sind entscheidend für die Speicherung, Verarbeitung und Verteilung großer Datenmengen, die für KI-Anwendungen unerlässlich sind. Die rasante Expansion, gepaart mit der spekulativen Bauweise, könnte jedoch, wie von Davis prognostiziert, zu einer erheblichen Belastung für das Finanzsystem und die Infrastruktur führen.