
KI-Boom: Moody's warnt vor Schuldenrisiko und systemischen Folgen
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Der Wettlauf um die Vorherrschaft in der Künstlichen Intelligenz (KI) beschleunigt sich, doch Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics, schlägt Alarm. Er warnt vor einem wachsenden finanziellen Risiko, das den aktuellen Tech-Boom von der Dotcom-Ära unterscheidet: massive Unternehmensschulden, die weitreichende wirtschaftliche Schäden verursachen könnten.
KI-Überinvestitionen und steigende Schulden
In einer deutlichen Warnung, die Zandi am Sonntag via X veröffentlichte, hob er hervor, dass die Anleiheemissionen der zehn größten KI-Unternehmen in diesem Jahr voraussichtlich einen Rekordwert von 120 Milliarden US-Dollar erreichen werden. Dies schaffe ein Hebelproblem, das weitreichendere wirtschaftliche Schäden verursachen könnte als frühere Marktkorrekturen. Obwohl KI langfristig das Potenzial hat, die Produktivität erheblich zu steigern und den Lebensstandard zu erhöhen, sei die Übergangszeit voller Gefahren. Zandi verwies auf "explodierende KI-Aktienkurse", die diese zukünftige Optimismus bereits einpreisen, sowie auf "massive (Über-)Investitionen" in Rechenzentren und Infrastruktur.
Der Unterschied zur Dotcom-Ära
Zandis Hauptanliegen sind nicht nur überhöhte Aktienbewertungen, sondern die Kapitalstruktur, die den Ausgabenrausch antreibt. Er zog einen scharfen Kontrast zwischen dem aktuellen Umfeld und dem Platzen der Y2K-Blase vor einem Vierteljahrhundert. "Als die Y2K-Blase platzte... war der breitere wirtschaftliche Schaden begrenzt, da die Verluste von den Eigenkapitalinvestoren getragen wurden", schrieb Zandi. "Es gab nicht viele Schulden. Das ist beim KI-Boom nicht der Fall."
Daten von Zandi zeigen einen dramatischen Anstieg der Kreditaufnahme durch Technologiegiganten wie Microsoft Corp. (NASDAQ:MSFT), Meta Platforms Inc. (NASDAQ:META), Amazon.com Inc. (NASDAQ:AMZN) und Nvidia Corp. (NASDAQ:NVDA). Die Anleiheemissionen stiegen 2024 und 2025 im Vergleich zu den relativ moderaten Niveaus von 2022 und 2023 stark an. Dieser Anstieg deutet darauf hin, dass große Akteure ihre Bilanzen nutzen, um den immensen Kapitalbedarf der KI-Entwicklung zu finanzieren.
Verflechtungen und Systemrisiken
Zandi wies auch auf "inzestuöse Finanzbeziehungen" zwischen großen KI-Firmen als zusätzliche Risikoschicht hin. Diese Verflechtungen und "interlocking and circular revenue relationships" (Morgan Stanley's Chief Investment Officer für Wealth Management) bergen ein "systemic risk". Unternehmen wie OpenAI, Nvidia, Microsoft und Anthropic haben in den letzten Jahren milliardenschwere Deals abgeschlossen, die ihre Aktienkurse in die Höhe trieben.
Während Nvidia mit dem Verkauf seiner Grafikkarten für KI-Rechenzentren erhebliche Gewinne erzielt hat, müssen viele andere Unternehmen in diesem Bereich, wie CoreWeave, ihre Gewinne noch realisieren. Selbst etablierte Unternehmen wie Oracle Corp. (NYSE:ORCL) sind gezwungen, mehr Schulden aufzunehmen, um ihre Investitionen zu stemmen. Bloomberg berichtete, dass Oracle im September Staatsanleihen im Wert von 18 Milliarden US-Dollar verkaufte und Banken dem Unternehmen 38 Milliarden US-Dollar für weitere Investitionen liehen.
Auswirkungen auf die Wirtschaft und Anleger
Die Sorge ist, dass bei einem Platzen der KI-Blase die Auswirkungen nicht auf Aktienportfolios beschränkt bleiben, sondern auf die Kreditmärkte übergreifen könnten. Dies könnte die Kreditbedingungen verschärfen und die Gesamtwirtschaft auf eine Weise schädigen, wie es der Crash von 2000 nicht tat.
Zandi merkte an, dass die steigenden Aktienkurse von KI-Unternehmen in den letzten zwölf Monaten maßgeblich zum US-Wirtschaftswachstum beigetragen haben. Er schätzte, dass der "Vermögenseffekt" – bei dem ein Anstieg des Haushaltsvermögens durch steigende Aktienmärkte die Konsumausgaben ankurbelt – fast einen halben Prozentpunkt zum realen BIP-Wachstum beigetragen hat, was etwa einem Viertel der gesamten Wirtschaftsexpansion entspricht.
Allerdings warnte der Ökonom, dass das schnelle Wachstum des Haushaltsnettovermögens im Vergleich zum Einkommen Fragen zur Nachhaltigkeit aufwirft. Das Haushaltsvermögen liegt derzeit bei etwa dem Achtfachen des Nachsteuereinkommens, deutlich über dem historischen Durchschnitt von 5,5-fachen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Finanzkrise. Solche Ungleichgewichte könnten Risiken für zukünftiges Wachstum darstellen, falls die Gewinne an den Aktienmärkten, insbesondere in KI-bezogenen Sektoren, nachlassen.
Trotz starker Quartalsberichte hat der Aktienkurs von Nvidia in den letzten Tagen mehrere Prozentpunkte verloren und seit Monatsbeginn über 10 Prozent eingebüßt, was auf eine nachlassende Anlegerzuversicht hindeutet.
KI-bezogene ETFs im Überblick
Für Anleger, die sich mit KI-bezogenen Investitionen beschäftigen, hier eine Übersicht einiger ETFs und ihrer Performance:
- **iShares US Technology ETF (NYSE:IYW)**: YTD Performance 24,68%, Ein-Jahres-Performance 23,54%
- **Fidelity MSCI Information Technology Index ETF (NYSE:FTEC)**: YTD Performance 21,24%, Ein-Jahres-Performance 19,92%
- **First Trust Dow Jones Internet Index Fund (NYSE:FDN)**: YTD Performance 10,55%, Ein-Jahres-Performance 10,31%
- iShares Expanded Tech Sector ETF (NYSE:IGM): YTD Performance 26,94%, Ein-Jahres-Performance 26,63%
- iShares Global Tech ETF (NYSE:IXN): YTD Performance 23,46%, Ein-Jahres-Performance 23,04%
- Defiance Quantum ETF (NASDAQ:QTUM): YTD Performance 30,74%, Ein-Jahres-Performance 52,61%
- **Roundhill Magnificent Seven ETF (BATS:MAGS)**: YTD Performance 23,12%, Ein-Jahres-Performance 26,58%