
KI-Boom: US-Stromnetz unter Druck – Politik fordert Lösungen
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Der enorme Energieverbrauch von Datenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) setzt das US-Stromnetz zunehmend unter Druck. Dies führt zu steigenden Strompreisen und der Sorge vor Engpässen, was das Weiße Haus und eine parteiübergreifende Gruppe von Gouverneuren zu dringenden Maßnahmen veranlasst. Ziel ist es, die Energieversorgung zu stabilisieren und die Kosten für Verbraucher zu dämpfen.
KI-Boom fordert das Stromnetz heraus
Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) führt zu einem massiven Anstieg des Strombedarfs, insbesondere durch energieintensive Datenzentren. Diese Entwicklung belastet das US-Stromnetz erheblich, wobei der größte Netzbetreiber des Landes, PJM Interconnection, der 67 Millionen Menschen in 13 Bundesstaaten von New Jersey bis Kentucky versorgt, einen jährlichen Anstieg des Stromverbrauchs um fast 5 % über das nächste Jahrzehnt prognostiziert. Dies ist ein erhebliches Wachstum für ein System, dessen Nachfrage zuvor weitgehend stabil war.
Gleichzeitig werden ältere Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke schneller stillgelegt, als neue Anlagen gebaut werden können. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Stromausfällen während Hitze- oder Kältewellen. Mark Christie, ein ehemaliger Vorsitzender der Federal Energy Regulatory Commission, der die Gefahr von Blackouts vor einigen Jahren noch als gering einschätzte, sieht das Risiko nun "direkt vor der Tür". Die Belastung macht sich bereits in den Geldbörsen der Verbraucher bemerkbar: Gas- und Stromversorger beantragten oder erhielten in den ersten drei Quartalen 2025 Tariferhöhungen von über 34 Milliarden US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, wie die Verbraucherschutzorganisation PowerLines berichtete.
Politische Reaktionen und Forderungen
Angesichts der steigenden Stromrechnungen und der Sorge um die Energieversorgung üben das Weiße Haus und eine parteiübergreifende Gruppe von Gouverneuren Druck auf PJM Interconnection aus. Sie fordern dringende Schritte zur Steigerung des Energieangebots und zur Eindämmung von Preiserhöhungen. Ein zentraler Vorschlag ist, PJM zu zwingen, eine Stromauktion abzuhalten, bei der Technologieunternehmen Verträge zum Bau neuer Kraftwerke ersteigern können.
Präsident Donald Trump und die Gouverneure von Staaten wie Pennsylvania, Ohio und Virginia unterzeichneten eine Grundsatzerklärung zu diesem Zweck. Taylor Rogers, eine Sprecherin des Weißen Hauses, betonte, dass die Sicherstellung einer zuverlässigen und erschwinglichen Stromversorgung eine Top-Priorität von Präsident Trump sei. Pennsylvania Gov. Josh Shapiro, ein Demokrat, machte seine Teilnahme an der Veranstaltung von einer Bestimmung abhängig, die eine Begrenzung der Großhandelsstrompreiserhöhungen für die Verbraucher der Region verlängert. Präsident Trump forderte zudem, dass große Technologieunternehmen "ihren eigenen Weg bezahlen" und die massiven Stromanforderungen ihrer Datenzentren nicht die Stromrechnungen der durchschnittlichen Amerikaner erhöhen sollten. Das Weiße Haus arbeitet hierfür mit Microsoft zusammen, das ein Fünf-Punkte-Plan für eine "Community-first AI infrastructure" angekündigt hat.
PJM Interconnection unter Druck
PJM Interconnection, der Betreiber des Stromnetzes im mittleren Atlantik, wurde nicht zur Veranstaltung des Weißen Hauses eingeladen. Sprecher Jeff Shields erklärte dazu: "PJM wurde nicht eingeladen. Daher würden wir nicht teilnehmen." Der Netzbetreiber sieht sich jedoch von verschiedenen Seiten unter Druck. Gouverneure in Pennsylvania, Virginia und Maryland haben gedroht, PJM wegen Kosten und Governance zu verlassen, obwohl ein solcher Schritt kompliziert wäre und die Zustimmung des Bundes erfordern würde.
PJM hatte einen Plan vorgeschlagen, bei Netzengpässen zuerst Datenzentren den Strom abzuschalten, es sei denn, diese bauen eigene Stromerzeugungsanlagen oder nehmen an Demand-Response-Programmen teil. Technologieunternehmen bezeichneten diesen Vorschlag als diskriminierend und forderten, dass jegliche Vor-Ort-Erzeugung oder Abschaltungen freiwillig sein sollten. Die Verhandlungen scheiterten im November 2025, und der Vorstand von PJM versucht nun eine neue Lösung zu finden. Der unabhängige Marktmonitor des Netzes hat die Bundesregulierungsbehörden aufgefordert, einzugreifen und gegebenenfalls den Anschluss neuer Datenzentren zu blockieren, bis ausreichend Strom und Übertragungskapazitäten vorhanden sind. Er warnte, dass PJM ohne Änderungen "Blackouts zuweisen statt Zuverlässigkeit gewährleisten" werde.
Die Rolle der Tech-Giganten
Unternehmen wie Amazon, Google und Microsoft betreiben Datenzentren, die 24 Stunden am Tag laufen und enorme Mengen an Strom verbrauchen. Dominion Energy in Virginia hat Anfragen für Datenzentren mit einer Gesamtleistung von über 40 Gigawatt erhalten – etwa doppelt so viel wie ihre derzeitige Kapazität im Bundesstaat – und erwartet, dass die Spitzenlast bis 2039 doppelt so hoch sein wird. Schätzungen von Pew Research zufolge wird der Verbrauch von Datenzentren im Jahr 2024 mehr als 4 % des gesamten Stromverbrauchs des Landes ausmachen, was etwa dem jährlichen Strombedarf Pakistans entspricht.
Meta-Gründer und CEO Mark Zuckerberg äußerte Mitte 2024, dass die Stromversorgung nach der Entspannung des GPU-Mangels die größte Einschränkung für das KI-Wachstum sein werde. Einige KI-Hyperscaler wie OpenAI und xAI greifen auf Vor-Ort-Generatoren zurück, um ihre Tausenden von GPUs so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen, noch bevor sie an das Netz angeschlossen sind. Dies sind jedoch nur temporäre Lösungen. Auch Demokraten im US-Senat äußerten Bedenken hinsichtlich steigender Stromrechnungen für Privathaushalte und forderten Erklärungen von Amazon, Google und anderen Tech-Giganten.
Langfristige Perspektiven und Herausforderungen
Der massive KI-Ausbau belastet die bestehende Strominfrastruktur erheblich, da der Bau neuer Kraftwerke und der zugehörigen Netzinfrastruktur Jahre, manchmal sogar mehr als ein Jahrzehnt, in Anspruch nimmt. Analysten von BloombergNEF prognostizierten im Dezember, dass Datenzentren bis 2035 106 Gigawatt verbrauchen werden – eine Zahl, die innerhalb von nur sieben Monaten um 36 % gestiegen ist. Rep. Sean Casten, ein Demokrat aus Illinois und führender Energieexperte im Kongress, äußerte Bedenken hinsichtlich der Fähigkeit der aktuellen Bundesführung, auf eine ausgewachsene Energiekrise zu reagieren, sieht aber weit verbreitete Blackouts aufgrund des Fokus der Regulierungsbehörden auf Zuverlässigkeit als unwahrscheinlich an. Er betonte jedoch, dass die Energiekrise auf der Preisseite sehr besorgniserregend sei.
Kritiker bemängeln, dass die Trump-Administration die Energiekosten nicht nur durch die Reduzierung des Angebots erhöht habe. Verzögerungen bei Offshore-Windprojekten hätten Hunderte Millionen Dollar an unvorhergesehenen Ausgaben verursacht. Zudem habe das Energieministerium unter Trump wiederholt Notstandsbefugnisse genutzt, um alte Kohlekraftwerke über ihre geplante Stilllegung hinaus in Betrieb zu halten, wobei die Kunden die Kosten in Millionenhöhe tragen mussten. Die Aufhebung von Anreizen für Energieeffizienz im Haushalt durch die Republikaner habe ebenfalls dazu beigetragen, die Spitzenstromnachfrage zu erhöhen. Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, amerikanische Energie, einschließlich sauberer Technologien, einfach gedeihen zu lassen, indem man "aus dem Weg geht und die Genehmigungen für Solar- und Windkraft nicht mehr blockiert", so Shannon Baker-Branstetter.