
KI-Disruption: UBS warnt vor Milliarden-Defaults in Kreditmärkten
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Die Künstliche Intelligenz (KI) hat in den letzten Wochen bereits den Aktienmarkt in Aufruhr versetzt, doch nun rückt ein weiterer Bereich in den Fokus der Disruption: die Kreditmärkte. Laut Matthew Mish, dem Leiter der Kreditstrategie bei UBS, könnten hier in den kommenden Monaten erhebliche Risiken sichtbar werden.
KI-Disruption erreicht die Kreditmärkte
Matthew Mish prognostiziert, dass in den nächsten zwölf Monaten Unternehmenskredite im Wert von mehreren zehn Milliarden US-Dollar ausfallen könnten. Besonders gefährdet seien Software- und Datendienstleistungsunternehmen, die sich im Besitz von Private-Equity-Firmen befinden und durch die KI-Bedrohung unter Druck geraten. Mish und sein Team haben ihre Prognosen für dieses und die kommenden Jahre überarbeitet, da die neuesten Modelle von Anthropic und OpenAI die Erwartungen an die Geschwindigkeit der KI-Disruption beschleunigt haben.
Der Markt habe nur langsam reagiert, da er die rasche Entwicklung nicht erwartet hatte, so Mish. Anleger müssten nun ihre Risikobewertung für Kredite neu kalibrieren, da es sich nicht um ein Problem der Jahre 2027 oder 2028 handele, sondern um eine aktuelle Herausforderung.
Von der "Rising Tide" zur "Winner-take-all"-Dynamik
Die anfängliche Wahrnehmung von KI als eine Technologie, die alle Technologieunternehmen gleichermaßen voranbringt, hat sich gewandelt. Der Markt sieht KI zunehmend als eine "Winner-take-all"-Dynamik, bei der Unternehmen wie Anthropic und OpenAI etablierte Akteure bedrohen. Zuerst traf es Softwarefirmen, doch die Verunsicherung breitete sich schnell auf Sektoren wie Finanzen, Immobilien und Logistik aus.
Jüngst sanken der Nasdaq 100 um 2 % und der S&P 500 um 1,6 %, während die Besorgnis über Tech-Gewinne zunahm. Cisco Systems Inc. verzeichnete einen Rückgang von 12 %, und ein ETF, der Softwarefirmen abbildet, fiel um 2,7 %. Tom Essaye von The Sevens Report äußerte die Einschätzung, dass dies die unsicherste Aussicht für KI und die technologiegetriebene Rallye sei, seit dieser Bullenmarkt begann. Steve Sosnick von Interactive Brokers bemerkte, dass sich die Marktpsychologie verschoben habe: Statt zu fragen, wie KI ein Geschäft effizienter machen kann, werde nun gefragt, wie KI ein Geschäftsmodell ruinieren könnte.
Milliarden-Defaults im Blick: UBS-Szenarien
In einem Basisszenario gehen Mish und andere UBS-Analysten davon aus, dass Kreditnehmer von Leveraged Loans und Private Credit bis Ende 2026 zusammen mit $75 Milliarden bis $120 Milliarden an neuen Ausfällen konfrontiert sein könnten. Diese Zahlen basieren auf Mishs Schätzungen für Anstiege der Ausfallraten um bis zu 2,5 % für Leveraged Loans und bis zu 4 % für Private Credit bis Ende 2026. Die geschätzten Marktgrößen betragen $1,5 Billionen für Leveraged Loans und $2 Billionen für Private Credit.
In einem aggressiven Disruptionsszenario könnten die Ausfallraten im US-Private-Credit-Markt sogar auf bis zu 13 % ansteigen. Für Leveraged Loans werden in diesem Szenario Ausfallraten von bis zu 8 % und für High-Yield-Anleihen von bis zu 4 % prognostiziert, wie UBS-Strategen, darunter Sachin Ganesh, in einer Notiz festhielten.
Private Credit besonders exponiert
Die UBS-Strategen betonen, dass die Anlageklasse Private Credit dem KI-Risiko stärker ausgesetzt ist als die Märkte für Leveraged Loans und High-Yield-Anleihen. Schätzungen zufolge sind bis zu 35 % des $1,7 Billionen schweren Private-Credit-Marktes den Risiken der KI-Disruption ausgesetzt, hauptsächlich getrieben durch Technologie- und Dienstleistungssektoren. Auch europäische Märkte sind anfällig, obwohl sie eine geringere Technologieexposition aufweisen.
Die Angst vor KI-Disruption beschleunigt die Schwäche in den globalen Kreditmärkten. Im Leveraged-Finance-Markt ist der Einfluss besonders ausgeprägt: Die Spreads für US-High-Yield-Tech-Anleihen haben sich um mehr als 90 Basispunkte ausgeweitet, und US-Leveraged-Loans im Technologiesektor fielen im Preis von 95 Cent auf 93 Cent. Die Unsicherheit zeigte sich zuletzt auch in sinkenden Preisen für Kredite von Unternehmen wie Cloudera Inc., Dayforce Inc. und Rocket Software Inc. Zudem pausierte der deutsche Gesundheitssoftwareanbieter Dedalus einen Leveraged-Loan-Deal über 1,3 Milliarden Euro.
Finanzierung des KI-Booms und die Risiken
Während die KI-Disruption Risiken birgt, wird der Aufbau der KI-Infrastruktur auch massiv finanziert. Private Kreditgeber und Banken stellen Kapital für die boomende Branche bereit. Morgan Stanley erwartet im Jahr 2026 rund $20 Milliarden an KI-bezogenen Deals in den Leveraged-Finance-Märkten, und JPMorgan Chase & Co. prognostiziert $150 Milliarden über die nächsten fünf Jahre.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) berichtet, dass bereits über $200 Milliarden an ausstehenden Private-Credit-Darlehen an KI-bezogene Unternehmen vergeben wurden, eine Zahl, die sich bis 2030 verdreifachen könnte. Große Investmentmanager wie BlackRock, die eine breite Palette von Anlagemanagement- und Technologieservices anbieten, darunter die Investment- und Risikomanagementplattform Aladdin, spielen eine zentrale Rolle in diesem dynamischen Umfeld.