
KI, Echtzeit-Zahlungen: Der Spagat zwischen Innovation und Kontrolle
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Die Unternehmenswelt erlebt einen Paradigmenwechsel, angetrieben durch Künstliche Intelligenz und den Wunsch nach schneller Innovation. Während der Ansatz des "schnellen Scheiterns" neue Möglichkeiten eröffnet, stehen Finanzinstitute bei der Einführung von Echtzeit-Zahlungen vor der komplexen Aufgabe, Geschwindigkeit und Sicherheit in Einklang zu bringen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen und die damit verbundenen Herausforderungen.
Das neue Mantra der Unternehmenswelt: "Fail Fast"
Das berühmte Zitat des irischen Dramatikers Samuel Beckett – "Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better." – hat sich zum neuen Mantra der amerikanischen Unternehmenswelt entwickelt. Führungskräfte von Unternehmen wie Okta, Salesforce und Blackstone betonen gegenüber Business Insider, dass Fehler in Ordnung sind, solange sie schnell gemacht und daraus gelernt wird. Dieser "Fail Fast"-Ansatz, lange Zeit ein Grundpfeiler der Tech-Branche, findet dank Künstlicher Intelligenz (KI) nun breitere Anwendung.
KI ermöglicht es Unternehmen, neue Tools und Prototypen schnell einer breiten Gruppe zugänglich zu machen. Dies dient nicht nur der Beschleunigung von Produktlaunches, sondern auch dazu, die hohen Investitionen in KI zu rechtfertigen. Selbst in der Ideenfindungsphase können Chatbots den Prozess erheblich beschleunigen, indem sie Ideen durchsprechen und so stundenlange Recherchen von Mitarbeitern ersetzen.
Herausforderungen des schnellen Scheiterns
Trotz der Vorteile birgt der "Fail Fast"-Ansatz auch Hürden. Eine zentrale Frage ist, wie Scheitern überhaupt definiert wird, da es keinen klaren "roten Alarm" gibt, der bei einem KI-Projekt ausgelöst wird. Obwohl Führungskräfte oft klare Richtlinien für Prototypen festlegen, können die Vorteile eines Tools nuanciert sein, was die Entscheidung, wann ein Projekt eingestellt werden sollte, erschwert.
Ein weiteres Risiko ist die Mentalität des "Flugzeugbaus am Himmel", bei der die Eile, Produkte auf den Markt zu bringen, zu der Annahme führt, dass Fehler einfach im laufenden Betrieb behoben werden können. Die Videospielbranche dient hier als warnendes Beispiel: Während früher physische Spiele "kugelsicher" sein mussten, können heute digitale Spiele mit der Erwartung von baldigen Updates für Fehler veröffentlicht werden, was zu erheblichen Problemen führen kann. Zudem kann ein massives "Greenlight" ohne formale Produktfreigabe zu einem Mangel an Standardisierung führen. Dies mag bei einem Prototyp unbedeutend erscheinen, wird aber zu einem größeren Problem, wenn das Produkt später an die breitere Technologiearchitektur des Unternehmens angepasst werden muss.
Echtzeit-Zahlungen: Geschwindigkeit trifft auf Regulierung
Parallel zur Innovationsbeschleunigung durch KI stehen Finanzinstitute vor einer wachsenden operativen Spannung im Bereich der Echtzeit-Zahlungen. Während diese Systeme 24/7 funktionieren und Transaktionen innerhalb von Sekunden abwickeln, ohne die Möglichkeit eines Rückrufs, müssen gleichzeitig robuste Kontrollen zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und Terrorismusfinanzierung (CFT) aufrechterhalten werden.
Echtzeit-Zahlungen stellen einen strukturellen Wandel im Finanzsystem dar, da sie im Gegensatz zu traditionellen Methoden kontinuierlich und sofort erfolgen. Dies bietet Unternehmen Vorteile wie verbesserte Liquiditätsverwaltung und automatisierte Abstimmung. Für Finanzinstitute jedoch komprimiert es die Zeit, die zur Erkennung und Intervention bei potenziell verdächtigen Aktivitäten zur Verfügung steht.
AML-Kontrollen im Wandel: Präventiv statt reaktiv
Historisch gesehen basierten AML-Kontrollen stark auf der Überwachung auf Transaktionsebene, oft mit der Option einer nachträglichen Überprüfung und menschlichen Intervention. Im Echtzeit-Umfeld müssen diese Kontrollen anders funktionieren. Lloyd Sebastian, Vice President und Segment Head für globale Finanzinstitute bei CIBC Mellon, betont, dass Echtzeit-Zahlungen das AML- und CFT-Risikomanagement grundlegend verändern, indem sie Kontrollen "upstream" verlagern. Er sieht einen größeren Bedarf an robusten Vorab-Validierungskontrollen auf Konto- und Kundenebene, anstatt sich primär auf transaktionelle Interventionen im Nachhinein zu verlassen.
Rachel Whelan, APAC & MEA Head of Corporate Cash Management und Global Head of Payments & Transactional FX Product Management bei der Deutschen Bank, bestätigt diesen Wandel. Sie hebt hervor, dass die sofortige Natur von Echtzeit-Zahlungen das Kundenerlebnis in den Mittelpunkt des AML-Designs rückt. Dies erfordert hochautomatisierte AML- und CFT-Prüfungen, die so früh wie möglich in den Prozess integriert werden. Der Trend geht somit klar von reaktiven zu präventiven Kontrollen, um der Geschwindigkeit und der unwiderruflichen Natur von Echtzeit-Zahlungen gerecht zu werden.