
KI-Giganten im Clinch: OpenAI und Anthropic ringen um Marktführerschaft
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Die Rivalität zwischen den führenden KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic spitzt sich zu. Während OpenAI seinen Konkurrenten wegen angeblich geringerer Rechenleistung kritisiert, zeigen sich Investoren am Sekundärmarkt zunehmend besorgt über OpenAIs Bewertung und wenden sich Anthropic zu. Diese Dynamik prägt den schnell wachsenden Markt für Künstliche Intelligenz, in dem beide Unternehmen auf einen möglichen Börsengang hinarbeiten.
Intensiver Wettbewerb um Rechenleistung
OpenAI hat in einem internen Memo an seine Investoren den Hauptkonkurrenten Anthropic scharf kritisiert. Demnach operiere Anthropic "auf einer deutlich kleineren Kurve" und sei "rechenleistungsbeschränkt". OpenAI plant, bis 2030 über 30 Gigawatt Rechenleistung zu verfügen, während Anthropic bis Ende 2027 voraussichtlich nur etwa 7 bis 8 Gigawatt erreichen wird. OpenAI betonte, dass der eigene Ausbau "materiell voraus und sich verbreiternd" sei.
OpenAI, das Ende 2022 mit ChatGPT den generativen KI-Boom auslöste, argumentiert mit einem "kumulativen Vorteil". Bessere Infrastruktur und Modelle senken die Kosten, während überlegene Produkte zu höheren Einnahmen führen. Dies ermögliche es OpenAI auch, KI zu demokratisieren, indem Tools kostenlos zur Verfügung gestellt werden.
Anthropic, 2021 von CEO Dario Amodei und ehemaligen OpenAI-Forschern gegründet, hat sich im Unternehmensmarkt etabliert. Das Unternehmen kündigte kürzlich ein neues, leistungsstarkes Modell im Rahmen der Cybersicherheitsinitiative "Project Glasswing" an. OpenAI verwies in seinem Memo auf Amodeis "bewusst konservative Rechenstrategie" und stellte dieser den eigenen "anderen" Ansatz gegenüber. Beide Unternehmen, die zusammen auf über 1 Billion US-Dollar geschätzt werden, bereiten sich auf mögliche Börsengänge vor und konkurrieren mit finanzstarken Konzernen wie Google und Meta.
Sekundärmarkt signalisiert Investorenwende
Trotz einer kürzlich abgeschlossenen Finanzierungsrunde von 122 Milliarden US-Dollar für OpenAI, die das Unternehmen mit 852 Milliarden US-Dollar bewertete, ist die Nachfrage nach OpenAI-Aktien am Sekundärmarkt eingebrochen. Ken Smythe, Gründer von Next Round Capital, berichtete, dass seine Plattform in den letzten Wochen etwa 600 Millionen US-Dollar an OpenAI-Anteilen von institutionellen Investoren nicht vermitteln konnte. Im Gegensatz dazu stünden Käufer mit 2 Milliarden US-Dollar bereit, um in Anthropic zu investieren.
Auch andere Marktplätze wie Augment und Hiive verzeichnen eine Rekordnachfrage nach Anthropic-Anteilen. Adam Crawley, Mitbegründer von Augment, sieht ein "besseres Risiko-Ertrags-Verhältnis" bei Anthropic. Investoren wetten darauf, dass die Bewertung von Anthropic (derzeit 380 Milliarden US-Dollar) zu der von OpenAI aufschließen wird. Gebote auf Sekundärmärkten implizieren bereits eine Bewertung von OpenAI um 765 Milliarden US-Dollar, was einem Abschlag von etwa 10 % zur primären Finanzierungsrunde entspricht.
OpenAI betont, dass es Sekundärmarkttransaktionen nicht befürwortet und diese als Verstoß gegen Übertragungsbeschränkungen betrachtet. Dennoch bieten Banken wie Morgan Stanley und Goldman Sachs OpenAI-Anteile ihren vermögenden Kunden ohne Carry-Gebühren an, während für Anthropic die üblichen Gebühren von 15 % bis 20 % des Gewinns anfallen. Die CFO von OpenAI, Sarah Friar, äußerte intern Bedenken, dass ein Börsengang im Jahr 2026 zu aggressiv sein könnte.
Kontroverse Äußerungen von Anthropic CEO Dario Amodei
Die Führung von Anthropic steht ebenfalls im Fokus, da einige Aktionäre Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Äußerungen von CEO Dario Amodei äußern. Ein anonymer Aktionär äußerte gegenüber der New York Post, Amodeis Kommentare und sein Auftreten entsprächen nicht den Erwartungen an den Chef eines von Amazon und Google unterstützten Unternehmens.
Amodei geriet im vergangenen Monat in die Schlagzeilen, nachdem er in einem internen Memo US-Präsident Donald Trump und Sam Altman kritisiert hatte. Dies geschah kurz nachdem das Pentagon Anthropic auf eine schwarze Liste gesetzt hatte, weil das Unternehmen sich weigerte, Sicherheitsvorkehrungen für die militärische Nutzung seiner KI-Systeme zu entfernen. Amodei soll in dem Memo dem Pentagon vorgeworfen haben, gegen Anthropic vorgegangen zu sein, weil es keine "Diktator-ähnliche Lobpreisung Trumps" angeboten habe, im Gegensatz zu Sam Altman. Er beschuldigte Altman auch "glatte Lügen" über die Weitergabe von Anthropic's Sicherheitsbedenken und bezeichnete OpenAI-Mitarbeiter als "leichtgläubige Bande".
Amodei hat bereits in der Vergangenheit mit öffentlichen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht, darunter Warnungen vor einer KI-bedingten Arbeitslosigkeit von 20 % und der Vergleich der Entscheidung des Weißen Hauses, den Verkauf fortschrittlicher KI-Chips an China zu erlauben, mit dem "Verkauf von Atomwaffen an Nordkorea". Trotz interner Bemühungen, seine Kommentare zu mäßigen, soll Amodei weiterhin offen sprechen. Eine der Quellen nahestehende Person widersprach der Kritik und betonte, dass Anthropic weiter wachse und nach dem Streit mit dem Pentagon öffentliche Unterstützung von Investoren wie Altimeter Capital, Menlo Ventures und Spark Capital erhalten habe.