
KI im Recruiting: Wie Indeed die Jobsuche für 2026 neu gestaltet
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
Obwohl die Zahl der offenen Stellen im Jahr 2025 zurückging, hatten Arbeitgeber laut dem "Indeed's 2026 US Jobs and Hiring Trends Report" weiterhin Schwierigkeiten, die passenden Fähigkeiten für ihre Positionen zu finden. Dieses Paradoxon steht im Mittelpunkt der Arbeit von James Whitemore, der im Juni 2025 als Chief Marketing Officer zu Indeed kam. Er betont, dass sowohl Unternehmen als auch Kandidaten ihre Informationsweitergabe neu ausrichten müssen, um die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) optimal zu nutzen.
KI-Tools transformieren die Personalbeschaffung
Indeed hat im September neue KI-Tools eingeführt, um diesen Wandel zu unterstützen: Career Scout für Jobsuchende und Talent Scout für Arbeitgeber. Eine weitere API-Integration für Arbeitgeber, Indeed Connect, wird im Januar 2026 starten. Diese Tools zielen darauf ab, den Prozess von einer reaktiven Jobsuche hin zu einer proaktiven Kandidatensuche und -prüfung zu verlagern.
Arbeitgeber sollen nicht mehr komplexe Suchzeichenfolgen verwenden, sondern Beschreibungen in natürlicher Sprache, die Fähigkeiten, Persönlichkeitsmerkmale und Bildungshintergründe umfassen. Ein kontinuierlicher Informationsaustausch über den Interviewprozess und die Gründe für das Ausscheiden oder Weiterkommen von Kandidaten ist entscheidend, um die Plattformen zu trainieren. Indeed Connect ermöglicht es Arbeitgebern, diese Screening- und Sourcing-Tools konsistent über verschiedene Kandidatenquellen hinweg zu nutzen, einschließlich eigener Datenbanken und Drittanbieter.
Was Jobsuchende in der KI-gestützten Suche beachten müssen
Für Jobsuchende ist es entscheidend, in der KI-gestützten Suche möglichst gut auffindbar zu sein. Dies erfordert ein vollständiges und detailliertes Profil, das über den traditionellen Lebenslauf hinausgeht. Während ein Lebenslauf die Vergangenheit abbildet, interessieren sich Arbeitgeber zunehmend für zukünftige Fähigkeiten und Potenziale.
Es ist wichtig, Soft Skills und persönliche Motivationen in "Über mich"-Abschnitten hervorzuheben, um als anpassungsfähige und neugierige Person wahrgenommen zu werden. Zudem sollten Jobsuchende sich auf bestimmte Jobtypen konzentrieren, anstatt massenhaft Bewerbungen zu versenden, die nicht passen. Indeed fördert auch das Konzept des passiven Job-Suchens, bei dem man seine Fähigkeiten und Ambitionen potenziellen Arbeitgebern kontinuierlich zugänglich macht.
Indeed's Einsatz von KI im Marketing
Auch Indeed selbst nutzt KI intensiv, insbesondere im Marketing. James Whitemore sieht Marketing als eine der Disziplinen, die am stärksten durch KI-Tools transformiert werden können. Indeed verfügt über umfangreiche Erstanbieterdaten zu Jobhistorien, Bildung und Gehältern, die mit Drittanbieterdatenbanken verglichen werden können.
Diese Daten ermöglichen eine präzise Zielgruppensegmentierung und die Analyse, wo diese Zielgruppen Inhalte konsumieren (digital, Print, Radio, TV). Faszinierend ist auch der Einsatz von synthetischen Zielgruppentests, die sich als ebenso genau erwiesen haben wie traditionelle Tests. Die Ergebnisse fließen in Content-Engines ein, um personalisierte Inhalte in großem Maßstab zu produzieren. Indeed ist aktiv auf der Suche nach einem "Senior Director of Marketing Transformation", um diese Entwicklungen zu leiten.
Verantwortungsvoller Umgang mit Künstlicher Intelligenz
Indeed legt großen Wert auf den verantwortungsvollen Einsatz von KI und hat ein dediziertes Responsible AI Team, das aus Experten verschiedener Fachrichtungen wie Informatik, Soziologie und Astrophysik besteht. Dieses Team bewertet Systeme und entwickelt Technologien basierend auf klaren Prinzipien:
- Jobsuchende zuerst: Die Mission von Indeed, Menschen zu helfen, einen Job zu finden, leitet die Entwicklung und Nutzung von KI.
- Fairness und Gleichheit im Mittelpunkt: Es wird darauf geachtet, dass Vorurteile und Barrieren nicht durch KI verstärkt werden, und es werden Kontrollen sowie Aufsicht implementiert.
- Zuhören und Lernen: Durch quantitative und qualitative Daten sowie die Einbeziehung der Erfahrungen von Jobsuchenden wird die Fairness der Produkte kontinuierlich bewertet.
- Einstellung ist menschlich: KI soll Menschen unterstützen, aber der Einstellungsprozess bleibt ein grundlegend menschlicher Prozess, bei dem menschliche Entscheidungen weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
- Verantwortungsvoll innovieren: Die schnelle Entwicklung der KI erfordert Sorgfalt, Abwägung und eine klare Bewertung von Risiken und Vorteilen, um Rechenschaftspflicht und Transparenz zu gewährleisten.
KI und Automatisierung im Recruiting: Die Unterschiede
Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung werden oft im selben Kontext genannt, unterscheiden sich jedoch grundlegend. KI ist eine Technologie, die Aufgaben übernehmen kann, die Verständnis, Problemlösung und Entscheidungsfindung erfordern. Sie lernt aus Erfahrungen, erkennt Muster und passt sich im Laufe der Zeit an, beispielsweise durch Reinforcement Learning, wie es bei Tools wie ChatGPT oder Gemini zum Einsatz kommt.
Automatisierung hingegen ist darauf ausgelegt, spezifische Aufgaben basierend auf einem festen Regelwerk zu erledigen. Sie folgt Anweisungen exakt, ohne unterwegs Eingaben zu berücksichtigen oder zu lernen. Ihr Ziel ist es, manuelle und repetitive Arbeiten zu reduzieren und Konsistenz zu gewährleisten. Während Automatisierung feste Prozesse ausführt, kann KI diese Prozesse durch eine zusätzliche Schicht der Anpassungsfähigkeit flexibler und effizienter gestalten.