
KI in Banken: CEOs über Jobabbau, Effizienz und neue Rollen
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Künstliche Intelligenz (KI) wird die Finanzbranche tiefgreifend umgestalten, eine Entwicklung, die von führenden Bank-CEOs offen diskutiert wird. Während Effizienzgewinne und die Schaffung neuer Rollen erwartet werden, warnen Experten auch vor einem signifikanten Stellenabbau, insbesondere in bestimmten Bereichen. Die Meinungen der Branchenführer zeichnen ein differenziertes Bild der Zukunft der Arbeit in Banken.
Jamie Dimon von JPMorgan: Direkte Worte zur KI-Revolution
Jamie Dimon, CEO von JPMorgan, ist bekannt für seine unverblümte Art und scheut sich nicht, die potenziellen Auswirkungen von KI auf Arbeitsplätze anzusprechen. Bei einer von Fortune veranstalteten Konferenz erklärte Dimon: "Sie wird Arbeitsplätze eliminieren. Die Leute sollten aufhören, den Kopf in den Sand zu stecken." Diese Äußerungen wiederholten frühere Kommentare bei einem Mitarbeiter-Townhall, wo er betonte, dass KI "einige Ihrer Jobs verändern" wird – sei es als "Copilot", als Lösung für "Plackerei" oder durch deren vollständige Eliminierung.
Trotz dieser Prognosen sieht Dimon für JPMorgan kurzfristig eine stabile oder sogar steigende Mitarbeiterzahl, "wenn wir gute Arbeit leisten", wie er in einem CNN-Interview betonte. Er glaubt, dass die Bank "immer umverteilen" wird, wenn sich Aufgaben durch Technologie verschieben.
Effizienzsteigerung und neue Jobprofile durch KI
Dimon hob auf der Alliance Bernstein Konferenz 2024 hervor, dass KI jeden Job, jede Anwendung und jede Datenbank beeinflussen und die Menschen "hochgradig effizienter" machen wird. Er illustrierte dies am Beispiel von Notizen: "Sie werden das nicht tun müssen, weil es – Sie können einfach zusammenfassen, was Jamie gesagt hat. Sie drücken einen Knopf, und Sie müssen all diese Zeit nicht verschwenden."
Gleichzeitig sieht er, wie die gesteigerte Effizienz auch neue Arbeitsplätze schaffen kann, insbesondere im Bereich der Cybersicherheit. Dimon erklärte: "Wir nutzen es für Risiko- und Betrugserkennung, und die Bösen werden es nutzen. Also müssen wir es nutzen, um den Bösen entgegenzuwirken. Wir müssen es nutzen, um in der Cyber-Sicherheit immer besser zu werden."
Konkrete Auswirkungen bei JPMorgan
Interne Führungskräfte bei JPMorgan sind noch spezifischer bezüglich der aktuellen Veränderungen der Mitarbeiterzahlen. Marianne Lake, CEO des Bereichs Consumer and Community Banking, erwartet, dass die Mitarbeiterzahl im operativen Geschäft – dem "Speerspitze" der Technologieanwendung – bis 2029 um 10 % sinken wird.
Jeremy Barnum, CFO der Bank, forderte die Mitarbeiter auf, "wo möglich dem Mitarbeiterwachstum zu widerstehen und ihren Fokus auf Effizienz zu erhöhen." Obwohl Dimon eine effizientere Zukunft mit einer gleichen Anzahl von Arbeits- und Nicht-Arbeitswochentagen in den kommenden Jahrzehnten für möglich hält, könnte sich die Einstellung neuer Mitarbeiter vorerst verlangsamen.
Wells Fargo: Stellenabbau und strategische Hubs
Auch Wells Fargo hat in den letzten Jahren seine Mitarbeiterzahl reduziert. CEO Charlie Scharf berichtete in einem Reuters-Interview, dass die Bank ihre Mitarbeiterzahl seit 2020 von 275.000 auf 211.000 gesenkt hat. Auf die Frage, ob KI ein Faktor für diesen Abbau sei, nannte Scharf mehrere Gründe:
- Verkleinerung einiger Geschäftsbereiche, insbesondere des Hypothekengeschäfts.
- Fokus auf strategische Hubs mit größeren, aber weniger Standorten.
Charlotte, North Carolina, bleibt mit etwa 27.000 Mitarbeitern der größte Standort von Wells Fargo und ist "unglaublich wichtig" für die Gesamtoperationen und -strategie der Bank. Scharf erwartet keine Veränderung dieser Mitarbeiterzahl in Charlotte.
Branchenweiter Trend: Automatisierung von Einstiegsjobs
Die Auswirkungen von KI gehen über einzelne Banken hinaus und betreffen die gesamte Wirtschaft, insbesondere Einstiegsjobs im "White-Collar"-Bereich. Dario Amodei, CEO von Anthropic, prognostizierte in "60 Minutes", dass KI innerhalb der nächsten fünf Jahre die Hälfte aller Einstiegsjobs im Angestelltenbereich ersetzen und die Arbeitslosigkeit auf 10 bis 20 Prozent treiben könnte. Er merkte an: "Wenn wir uns Einstiegsberater, Anwälte, Finanzexperten ansehen – vieles von dem, was sie tun, können KI-Modelle bereits sehr gut."
Weitere Führungskräfte und Studien untermauern diese Bedenken:
- Geoffrey Hinton, der "Godfather of A.I.", argumentiert, dass KI "für monotone intellektuelle Arbeit einfach jeden ersetzen wird."
- Marc Benioff, CEO von Salesforce, sagte, KI erledige bereits "nahezu die Hälfte" der Arbeitslast seines Unternehmens.
- Ein Goldman Sachs Bericht vom August warnte, dass 6 bis 7 Prozent der US-Arbeitnehmer durch KI Arbeitsplätze verlieren könnten, insbesondere operatives und unterstützendes Personal in großen Unternehmen.
- Eine Studie des World Economic Forum vom Januar ergab, dass 41 Prozent von 1.000 befragten globalen Arbeitgebern aufgrund der KI-Einführung mit erheblichen Entlassungen rechnen.
- Eine aktuelle Stanford-Studie zeigte, dass Arbeitnehmer im Alter von 22 bis 25 Jahren in KI-exponierten Berufen, insbesondere im Kundenservice und in der Sachbearbeitung, seit 2022 einen Rückgang der Beschäftigung um 13 Prozent erlebt haben.
Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Finanzbranche, wie viele andere Sektoren, vor einer tiefgreifenden Transformation steht, die sowohl Herausforderungen als auch neue Chancen mit sich bringt.