KI in der Rechtsbranche: Zwischen Hype, Angst und dem Druck der Mandanten

KI in der Rechtsbranche: Zwischen Hype, Angst und dem Druck der Mandanten

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Obwohl Künstliche Intelligenz (KI) auf der diesjährigen Legalweek-Konferenz in New York City das dominierende Thema war und Milliarden in Legal Tech fließen, bleibt die tatsächliche Akzeptanz in Anwaltskanzleien verhalten. Die zentrale Frage, die sich durch die Gänge und Diskussionen zog, war überraschend grundlegend: Wie bringt man Anwälte überhaupt dazu, diese Tools zu nutzen?

KI in der Rechtsbranche: Hype vs. Realität

Die Legalweek im Javits Center dient als jährlicher Fortschrittsbericht darüber, wie generative KI eine von Natur aus vorsichtige Branche verändert. Die Demos waren merklich ausgefeilter, und KI-"Agenten" wurden als digitale Kollegen präsentiert, die Entwürfe erstellen, überprüfen und komplexe Arbeitsabläufe ausführen können, die früher Junior Associates und viel Zeit erforderten. Trotzdem zeigte sich, dass die Adoptionskurve nicht dem Hype entspricht. Als Steven Abrahams von Microsoft, der an Copilot-Integrationen arbeitet, fragte, wer Software zur Automatisierung der Vertragsprüfung nutze – ein klarer Anwendungsfall für große Sprachmodelle – hoben nur wenige die Hand.

Die zögerliche Akzeptanz von KI-Tools

Die Zurückhaltung der Anwälte hat verschiedene Gründe. Emma Dowden, Chief Operating Officer bei Burges Salmon, nannte auf einem Panel die Angst als Hauptfaktor. Anwälte befürchten, dass Automatisierung ihre eigenen Arbeitsplätze gefährdet, Stundensätze schmälert und sie die Technologie nicht ausreichend verstehen, um sie gegenüber skeptischen Mandanten zu verteidigen. Diese Ängste können zu Widerstand führen, wobei Partner die Vorteile der Technologie zwar wünschen, aber bevorzugen, dass andere Bereiche der Kanzlei sie zuerst testen.

Auch jüngere Anwälte sind nicht immer die einfachsten Befürworter. Sarah Eagen von Cleary Gottlieb, einer Kanzlei, die den Harvey-Konkurrenten Legora firmenweit eingeführt hat, berichtete, dass viele Associates Automatisierung als Bedrohung sehen. Sie haben Jahre und Geld in eine Karriere investiert, die auf Einstiegsarbeiten aufbaut, welche nun potenziell automatisiert werden könnten.

Angst vor Jobverlust und Auswirkungen auf Stundensätze

Die Sorge um Arbeitsplätze ist nicht auf die Rechtsbranche beschränkt. In anderen Sektoren, in denen die KI-Adoption weiter fortgeschritten ist, werden Stellenstreichungen routinemäßig als natürliche Folge der Effizienzgewinne durch KI dargestellt. Unternehmen wie Atlassian und Block haben jüngste Entlassungen bereits mit KI-gesteuerten Effizienzsteigerungen in Verbindung gebracht.

Die Zukunft des Stundensatzes war eine brennende Frage auf der Legalweek. Martha Louks, Technologiedirektorin bei McDermott Will & Schulte, wies darauf hin, dass KI-Tools teuer sind und Kanzleien "Tokens verbrennen" werden, was sich auf die Abrechnung auswirken könnte. Oliver Roberts von Holtzman Vogel äußerte die provokante Meinung, dass KI "Anwälte in Zukunft zu 100 % ersetzen wird", während der Legal-AI-Berater Oz Benamram prognostizierte, dass Unternehmen in drei Jahren die Hälfte der Arbeit, für die sie jetzt Anwaltskanzleien bezahlen, mit KI erledigen werden.

Kundenforderungen und Reputationsrisiko

Trotz der internen Widerstände steigt der Druck von außen. Mandanten fordern schnellere und kostengünstigere Arbeit. Emma Dowden warnte, dass "Umsatz gefährdet ist", wenn Kanzleien ihre Gewohnheiten nicht ändern. Derek Morales, Inhouse-Anwalt bei Macquarie Capital, erklärte, dass er die "KI-Reife" von Kanzleien bereits heute bei der Auswahl externer Berater beurteilt. Er empfindet es als "peinlich", wenn Kanzleien einen neuen Chief Innovation Officer einstellen, aber zögern, Lizenzen für juristische KI-Plattformen zu erwerben.

Im Laufe der Woche kam eine zweite, beunruhigende Frage auf: Wenn KI tatsächlich bessere, kostengünstigere Dienstleistungen erbringen kann, ab welchem Punkt könnte Widerstand gegen ihre Nutzung als Kunstfehler (Malpractice) angesehen werden? Der Unternehmensanwalt Michael Pierson von Pierson Ferdinand, einer Kanzlei, die stark auf Tools wie Harvey setzt, stellte diese Frage. Er betonte, dass man im Geschäft der Mandantenbetreuung sei und alles erkunden sollte, was zu exzellenten Arbeitsergebnissen führt.

Die Rolle von Training und Ausbildung

Ein wesentlicher Faktor für die geringe Akzeptanz ist der Mangel an adäquater Schulung. Ian Nelson, der Hotshot leitet, ein Unternehmen, das Kanzleien beim Aufbau von Trainingsprogrammen unterstützt, stellte fest, dass zu wenige Kanzleien überhaupt KI-Schulungen anbieten. Er argumentierte, dass es kurzsichtig sei, mit dem Training zu warten, bis ein Tool lizenziert ist, da einige Anwälte ohnehin Chatbot-Tools nutzen werden. Wenn Schulungen stattfinden, seien sie oft zu eng gefasst, beschränkten sich auf tool-spezifische Demos und vernachlässigten den Kontext von Risiken und firmeneigenen Richtlinien. Sprecher schlugen vor, dass Anwälte die Tools eher nutzen, wenn Kanzleien tatsächlich in umfassende Schulungen investieren, da sie dann die Leitplanken verstehen.

Parallelen zur Tech-Branche

Die Entwicklungen in der Rechtsbranche spiegeln wider, was sich bereits in der Tech-Branche abzeichnet. Unternehmen wie Atlassian und Block haben Entlassungen mit KI-gesteuerten Effizienzgewinnen begründet. Meta erwägt ebenfalls größere Entlassungen, während es Milliarden in KI investiert, wobei bis zu 16.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten. Sam Altman, CEO von OpenAI, sieht eine Zukunft, in der Intelligenz wie Strom oder Wasser als Versorgungsleistung verkauft wird. Diese Entwicklungen zeigen, dass die KI-Revolution nicht nur neue Möglichkeiten schafft, sondern auch bestehende Arbeitsmodelle und -plätze fundamental in Frage stellt.

Erwähnte Persönlichkeiten