
KI in HR: Wie Führungskräfte die Arbeitswelt transformieren
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Auf einer kürzlichen Abendveranstaltung in New York City, die von Business Insider einberufen und von Indeed präsentiert wurde, stellten sich HR- und Personalverantwortliche der zentralen Frage: "Arbeiten wir an diesem Punkt für KI, oder arbeitet KI für uns?" Maxine Carrington, Chief People Officer bei Northwell Health, betonte dabei die Notwendigkeit, KI-Tools als Enabler zu verstehen, die uns helfen, unsere Ziele zu erreichen, anstatt ihnen blind hinterherzujagen. Die 90-minütige Diskussion unter dem Titel "Futureproofing Your Workforce in the Age of AI" beleuchtete die Spannung zwischen einer umfassenden KI-Transformation und der bloßen Integration von KI-Tools.
KI: Werkzeug oder Transformation?
Gareth Lewis von Lewis People & Culture Advisory sieht die Herausforderung primär als eine organisatorische und transformationale, nicht als eine rein technologische. Er kritisiert, dass die aktuelle Debatte zu sehr auf Tools, Effizienz und Personalabbau fokussiert sei, anstatt auf die Neugestaltung von Rollen. Agnes Garaba, Chief People Officer bei UiPath, strebt genau diese Neugestaltung an, was sich jedoch als schwierig erweist. Sie forderte ihre funktionalen Führungskräfte auf, sich vorzustellen, wie ihre Teams aussehen würden, wenn sie sie von Grund auf neu konzipieren könnten, und stellte fest, dass die Vorstellungskraft oft die größte Barriere darstellt.
Die Rolle von Führungskräften bei der KI-Adoption
Katie Burke, COO von Harvey, hebt hervor, dass es einen Unterschied macht, ob eine Organisation lediglich experimentiert oder tatsächlich Transformation und Wirkung erzielt. Ein entscheidender Faktor ist, dass Führungskräfte aktiv an der Arbeit teilnehmen, beispielsweise indem sie selbst KI-Agenten entwickeln oder an Hackathons teilnehmen. Transformation lässt sich ihrer Meinung nach nicht nur mit Druck ("stick") vorantreiben; es bedarf Anreize ("carrot"), Belohnung und Begeisterung, da Menschen am besten arbeiten, wenn sie nicht aus Angst agieren.
Mitarbeiter zu KI-Power-Usern entwickeln
Um eine echte Transformation voranzutreiben, ist es entscheidend, Mitarbeiter zu befähigen, KI-Tools effektiv zu nutzen. Dies erfordert eine Kultur, in der Experimente gefördert und Erfolge belohnt werden. Senior Leader spielen eine Schlüsselrolle, indem sie mit gutem Beispiel vorangehen und die aktive Auseinandersetzung mit KI im Unternehmen vorleben.
Anbieter von KI-Tools in die Pflicht nehmen
Roz Harris, VP Talent bei Zillow, fordert, Druck auf Produktpartner und Anbieter von KI-Tools auszuüben. Diese müssten ihre Roadmaps rechtfertigen und den Wert ihrer Lösungen beweisen. Aktionäre und Führungskräfte erwarten einen "großen revolutionären Knall", der Teams und Unternehmen voranbringt. Da viele Unternehmen diese Lösungen nicht selbst entwickeln, müssen sie ihre Bedürfnisse klar an die Partner kommunizieren, um die gewünschte Wertschöpfung zu erzielen.
Unternehmensweite Hackathons fördern Innovation
Maggie Hulce, Chief Revenue Officer bei Indeed, berichtet von einem monatlichen Wettbewerb, bei dem Mitarbeiter Ideen für KI-Agenten oder Anwendungsfälle einreichen können. Überraschenderweise sind die Vertriebsteams hierbei führend. Dies zeigt, dass Mitarbeiter, die oft als eindimensional wahrgenommen werden, durch solche Initiativen vielfältige Fähigkeiten offenbaren und innovative Lösungen entwickeln können.
HR als Leuchtturm der KI-Implementierung
Dickie Steele, Partner bei McKinsey & Company, sieht die HR-Community als "Leuchtturm" für den Einsatz von KI-Agenten. HR sollte das Geschäft dazu drängen, eine überzeugendere These zur Wertschöpfung zu verfolgen, die über marginale Produktivitätssteigerungen hinausgeht. Es gehe darum, eine Kultur zu schaffen, die auf dramatische Produktivitätsverbesserungen abzielt, wie beispielsweise die Durchführung von tausend klinischen Studien statt nur einer.
Vorsicht vor überzogenen Erwartungen an KI-Renditen
Liz Dente, Chief People Officer bei Priceline, mahnt zur Vorsicht vor überzogenen Erwartungen an massive KI-Renditen. Sie widerspricht der Vorstellung eines "tausendfachen Ertrags" und betont, dass "inkrementeller, unermüdlicher Fortschritt jeden Tag" völlig ausreichend sei. Es gebe viel Hype auf dem Markt, der unrealistische Erwartungen an enorme Renditen schüre.
HR als Treiber des Wandels
HR-Abteilungen sollten die massive KI-Transformation der Arbeitswelt anführen, anstatt ihr nur zu folgen. Es gilt, Fähigkeiten, Glaubwürdigkeit und Vertrauen aufzubauen, um die Strategie zu beeinflussen, die Unternehmenskultur zu gestalten und messbare Geschäftsergebnisse zu erzielen. HR-Experten können durch die Anwendung von HR-Prinzipien auf reale Situationen ihre Kompetenz und Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen.
KI im HR: Schnelleres Recruiting, bessere Talentstrategien
Künstliche Intelligenz verändert die Art und Weise, wie Unternehmen Talente rekrutieren, schulen und organisieren. Laut LinkedIn-Forschung haben sich seit 2018 38 Prozent der weltweit benötigten Fähigkeiten für Arbeitsplätze verändert, mit einer Prognose von 70 Prozent bis 2030. Dieser Wandel führt zu einer "Rotation" von Rollen, wobei neue Positionen wie KI-Orchestratoren und Daten-Annotatoren entstehen. KI ist nicht länger eine "Nice-to-have"-Innovation, sondern eine grundlegende Notwendigkeit, ohne die kein Unternehmen mehr operieren kann.
Die Gefahr des "AI-Washings"
Ein zentrales Ergebnis des LinkedIn CHRO AI Think Tanks ist die Notwendigkeit, oberflächliche KI-Adoption, das sogenannte "AI-Washing", zu vermeiden. Aileen Tan, Group CHRO von Singtel, vergleicht dies mit einer dünnen Schicht Erdnussbutter auf Toast: Man riecht sie, schmeckt sie aber nicht, und niemand glaubt, dass es Erdnussbutter ist. Viele Unternehmen wollen KI nur nutzen, weil es im Trend liegt, setzen die Technologie aber nicht wirklich ein. Dies kann, wie die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC mit Bußgeldern gegen Anlageberater wegen irreführender Aussagen zeigte, auch rechtliche Konsequenzen haben. Josh Bersin von The Josh Bersin Company rät Führungskräften, zu den Grundlagen zurückzukehren und KI einfach als Technologie zu betrachten.