
KI-Investitionen: CEOs setzen auf Zukunft trotz aktueller Rentabilitätslücken
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Die Begeisterung für Künstliche Intelligenz (KI) mag im vergangenen Jahr übertrieben gewesen sein, doch ihr wahres disruptives Potenzial in den nächsten fünf bis zehn Jahren wird von vielen Führungskräften noch unterschätzt. Dies zeigt eine aktuelle KPMG US-Umfrage unter 100 CEOs großer US-Unternehmen, die von Ende Januar bis Mitte Februar durchgeführt wurde. Trotz der Skepsis hinsichtlich kurzfristiger Erträge fließen weiterhin Milliarden in die Entwicklung und Implementierung von KI-Technologien.
Massive Investitionen trotz Blasen-Bedenken
Drei Viertel der befragten CEOs sind der Meinung, dass generative KI im letzten Jahr überhyped war, sehen aber ihr langfristiges Potenzial als unterbewertet an. Tim Walsh, US-Vorsitzender und CEO von KPMG, betonte gegenüber Business Insider, dass die Bereitschaft zur Implementierung von KI "ganz sicher beschleunigt" werde und viele Unternehmen über Pilotphasen hinausgingen.
Obwohl jeder vierte CEO eine KI-Investitionsblase befürchtet, bleibt KI eine zentrale Ausgabenkategorie. Nahezu 80 Prozent der Führungskräfte planen, in diesem Jahr mindestens 5 Prozent ihres Kapitalbudgets für KI bereitzustellen. Die globalen Unternehmensinvestitionen in KI erreichten zwischen 2013 und 2024 beeindruckende 1,6 Billionen US-Dollar, wovon allein 252,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 ausgegeben wurden, so der Stanford University's 2025 AI Index Report. Gartner prognostiziert, dass die weltweiten Unternehmensausgaben für KI bis Ende 2026 auf 2,5 Billionen US-Dollar ansteigen werden.
Herausforderungen bei der Rentabilität
Trotz dieser massiven Investitionen steht die Unternehmenswelt vor einer ernüchternden Realität: Künstliche Intelligenz zahlt sich noch nicht flächendeckend aus. Eine PwC-Umfrage unter 4.454 CEOs in 95 Ländern ergab, dass mehr als die Hälfte (56 Prozent) der befragten Führungskräfte weder höhere Einnahmen noch geringere Kosten durch ihre KI-Initiativen erzielt haben. Nur etwa 30 Prozent der CEOs verzeichneten Umsatzsteigerungen, und 26 Prozent konnten Kosten senken. Das gleichzeitige Erreichen beider Ziele – Kostensenkung und Umsatzwachstum – gelang lediglich jedem achten CEO.
Analysten der Bank of America stellen fest, dass professionelle Fondsmanager erstmals seit 20 Jahren der Meinung sind, dass Unternehmen zu viel investieren. Michael Cembalest, Analyst bei JPMorgan, schätzt, dass 90 Prozent des Kapitalausgabenwachstums seit November 2022 auf KI-bezogene Aktien zurückzuführen sind. Diese Skepsis spiegelt sich in der Performance großer Hyperscaler wie Meta Platforms, Alphabet, Amazon und Microsoft wider, deren Aktien im Jahresverlauf hinter dem S&P 500 zurückblieben.
KI und der Arbeitsmarkt: Qualifizierung im Fokus
Die Investitionen in KI konzentrieren sich nicht nur auf Technologie. Sechs von zehn CEOs priorisieren Ausgaben für den Aufbau von Mitarbeiterkompetenzen im Bereich KI. Etwa die Hälfte der Unternehmen nutzt die Mittel, um Innovationen zu beschleunigen und die Technologie in den täglichen Betrieb zu integrieren.
Während die KI-Schulungen für Mitarbeiter, die sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen, eine willkommene Nachricht sein dürften, erwartet etwa jeder fünfte CEO dennoch, im nächsten Jahr Stellen abzubauen. Tim Walsh von KPMG merkte an, dass KI es Mitarbeitern ermögliche, Aufgaben "effektiver, umfangreicher und schneller" zu erledigen. Dies führe nicht zwangsläufig zu weniger Personal, da gleichzeitig neue Rollen im Technologiebereich für Datenextraktion, -analyse und -transformation entstehen. Dennoch äußerten 61 Prozent der CEOs Bedenken, nicht genügend Fachkräfte mit der erforderlichen technischen Expertise rekrutieren zu können.
Cybersicherheit als oberste Priorität
Die Geschwindigkeit der KI-Innovation und das Risikomanagement sind für sechs von zehn CEOs die wichtigsten Faktoren, die den Erfolg ihrer Unternehmen in den nächsten drei Jahren beeinflussen werden. Die Sorgen der Führungskräfte bezüglich der Sicherheit sind akut:
- Rund 90 Prozent der CEOs sind besorgt über Daten- und Datenschutzrisiken durch KI-Agenten und KI-gestützte Malware-Angriffe.
- Ein ähnlicher Anteil äußerte Bedenken hinsichtlich KI-gesteuertem Phishing.
- Acht von zehn nannten Insider-Bedrohungen durch KI-Agenten.
- Etwa sechs von zehn CEOs sind weiterhin besorgt über Quantencomputer-Angriffe auf Verschlüsselungen.
Als Reaktion darauf erhöhen etwa zwei Drittel der Führungskräfte ihre Ausgaben für Cybersicherheit. Rund sechs von zehn Unternehmen schulen zudem ihre bestehenden Mitarbeiter, um dem Mangel an Cybersicherheitstalenten entgegenzuwirken.
Wirtschaftliche Aussichten und M&A-Appetit
Die CEOs zeigen ein geteiltes Bild bezüglich ihrer wirtschaftlichen Erwartungen. Während 86 Prozent Vertrauen in das Wachstum ihrer eigenen Branche und 83 Prozent in die Aussichten ihres Unternehmens für das nächste Jahr äußerten, sank diese Überzeugung bei der Betrachtung der Gesamtwirtschaft deutlich: Nur 55 Prozent sind optimistisch für das US-Wachstum und 53 Prozent für das globale Wachstum. Die KPMG US-Umfrage wurde vor dem Beginn des Krieges mit dem Iran und dem daraus resultierenden Anstieg der Ölpreise durchgeführt.
Trotz dieser Sorgen bleibt der Appetit auf Fusionen und Übernahmen (M&A) bestehen. Fast zwei Drittel der CEOs gaben an, im Jahr 2026 "ernsthaft" Transaktionen zu verfolgen, während ein weiteres Viertel diese Pläne auf 2027 verschiebt. Tim Walsh beobachtet in den letzten sechs Monaten eine Zunahme bei Large-Cap-Deals und nun auch bei mittelgroßen Transaktionen.
Profiteure der Infrastruktur: Der "Pick-and-Shovel"-Ansatz
Während die direkten finanziellen Vorteile von KI für viele Unternehmen noch ausbleiben, profitieren andere indirekt massiv von den gigantischen Investitionen in die zugrunde liegende Infrastruktur. Dieser "Pick-and-Shovel"-Ansatz, benannt nach den Werkzeuglieferanten im Goldrausch, konzentriert sich auf Unternehmen, die die notwendige Hardware und Dienstleistungen für die KI-Revolution bereitstellen.
Ein prominentes Beispiel ist Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSM). Das Unternehmen ist der Weltmarktführer im reinen Foundry-Segment der Halbleiterindustrie und kontrollierte Ende Q3 2025 einen wachsenden Marktanteil von 72 Prozent. TSM entwirft keine eigenen Chips, sondern fertigt diese für andere Unternehmen, darunter Apple und Nvidia. Taiwan produziert 60 Prozent der weltweiten Halbleiter und 90 Prozent der fortschrittlichen Chips (7 Nanometer oder kleiner), die für komplexe KI-Algorithmen unerlässlich sind. TSM erwirtschaftete 2025 einen Umsatz von 122,42 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 35,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und steigerte den verwässerten Gewinn pro Aktie um 46 Prozent. Jedes Rechenzentrum benötigt die von TSM produzierten Halbleiter, was dem Unternehmen eine starke Marktposition sichert.
Die Tech-Giganten wie Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta investierten 2025 gemeinsam über 400 Milliarden US-Dollar in Kapitalausgaben. Finanzanalysten prognostizieren einen Anstieg dieser Zahl auf über 600 Milliarden US-Dollar, möglicherweise sogar 650 Milliarden US-Dollar, im Jahr 2026. Einzelne Unternehmen planen ebenfalls massive Ausgaben: Microsoft kündigte eine Steigerung der Kapitalausgaben um 66 Prozent auf 37,5 Milliarden US-Dollar für 2026 an. Meta Platforms plant für 2026 Ausgaben zwischen 162 und 169 Milliarden US-Dollar, ein Plus von über 37 Prozent gegenüber 2025. Alphabet wird seine Kapitalausgaben in diesem Jahr auf 175 bis 185 Milliarden US-Dollar verdoppeln, und Amazon prognostiziert für 2026 einen Anstieg um 51 Prozent auf 200 Milliarden US-Dollar. Diese Infrastruktur, deren Bau pro Megawatt zwischen 7 und 12 Millionen US-Dollar kostet, ist die Grundlage für die KI-Zukunft und sichert den "Pick-and-Shovel"-Playern weiterhin hohe Einnahmen.