
KI-Investitionen: Hohe Kosten, fraglicher ROI und die Zukunft der Arbeitswelt
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Unternehmen investieren massiv in Künstliche Intelligenz, doch die erhofften finanziellen Renditen bleiben oft aus. Während die Kosten für KI-Tools steigen, ringen Führungskräfte mit der Frage, wie sie den tatsächlichen Mehrwert nachweisen und gleichzeitig die Auswirkungen auf Arbeitsplätze managen können. Eine globale Debatte über den ROI von KI-Investitionen ist entbrannt.
Hohe Investitionen, fraglicher ROI
Trotz des Hypes um Künstliche Intelligenz (KI) sehen viele Unternehmen weltweit noch keine konkreten finanziellen Vorteile aus ihren erheblichen Investitionen. Eine globale Umfrage von PwC unter 4.454 Führungskräften in 95 Ländern und Gebieten ergab, dass 56 % der CEOs weder höhere Einnahmen noch geringere Kosten durch den Einsatz von KI verzeichnen konnten. Nur 12 % der Befragten gaben an, beides erreicht zu haben.
Ähnliche Ergebnisse zeigen sich in Großbritannien, wo laut einer Studie von Studio Graphene und Censuswide Anfang 2026 nur 31 % der Unternehmen, die KI nutzen, einen positiven ROI aus ihren Investitionen erzielt haben. Fast die Hälfte der Firmen kann nicht einmal definieren, wie "Erfolg" bei der Implementierung von KI aussehen würde. Mohamed Kande, Global Chairman von PwC, betont, dass sich 2026 als entscheidendes Jahr für KI abzeichnet, da die Lücke zwischen Unternehmen, die messbare finanzielle Erträge erzielen, und jenen, die über Pilotprojekte nicht hinauskommen, schnell größer wird.
Die Kostenexplosion der KI-Tools
Der zunehmende Einsatz von KI-Tools führt zu erheblichen Kosten, die oft nicht ausreichend budgetiert wurden. Katya Laviolette, Chief People Officer bei 1Password, beschreibt die Situation: "Tokens, Seats, wir haben all diese Enterprise-Tools, für die wir im Grunde kein Budget hatten, und es ist teuer." Diese Ansicht teilen auch andere Führungskräfte, die an einer Diskussionsrunde von Business Insider und Indeed teilnahmen.
Während Experimente mit KI notwendig sind, um neue Wege zur Produktivität zu erschließen, müssen Führungskräfte irgendwann den finanziellen Nutzen dieser neuen Arbeitsabläufe nachweisen. Laviolette merkt an, dass Investoren irgendwann fragen werden, ob Gewinne erzielt werden, da neben dem Umsatzwachstum auch die Betriebskosten (OPEX) von großer Bedeutung sind.
KI und der Arbeitsmarkt: Entlassungen und Produktivitätssteigerung
Die Einführung von KI hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, wobei die Debatte um Stellenabbau und Produktivitätssteigerung im Vordergrund steht. Im Jahr 2025 wurden in den USA 1,2 Millionen Arbeitsplätze abgebaut, die höchste Zahl seit 2020. Davon wurden offiziell nur 4,5 % (54.836 Stellen) der KI zugeschrieben. Interessanterweise geben jedoch 59 % der Personalverantwortlichen zu, KI als "Deckmantel" für Entlassungen zu nutzen – ein Begriff, der von Analysten der Deutschen Bank geprägt wurde.
Zu den Unternehmen, bei denen Führungskräfte öffentlich eine Verbindung zwischen KI und Stellenabbau herstellten, gehören:
- Block (4.000+ Entlassungen)
- Atlassian (1.600 Entlassungen)
- Salesforce (~4.000 Entlassungen)
- Accenture (~11.000 Entlassungen)
- Duolingo (~10 % der Auftragnehmer)
Jay Ferguson, CHRO Technology & Operations bei BMO Financial Group, sieht jedoch eine Alternative zu Entlassungen: die Produktivität jedes Mitarbeiters durch KI zu steigern. Er argumentiert, dass eine 30-prozentige Produktivitätssteigerung sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Kostenseite Vorteile bringen würde. Angella Alexander, Chief Human Resources Officer bei ATS Corporation, warnt zudem, dass die Erfahrung des mittleren Managements schnell irrelevant werden könnte, da KI eine völlig neue Denkweise und Prozessgestaltung erfordert.
Die Rolle der Führungskräfte bei der KI-Strategie
Um den wahren ROI von KI zu identifizieren, ist die Beteiligung der oberen Führungsebenen entscheidend. Kyle Trahair, Managing Director & Partner bei BCG, erklärt: "Wir haben festgestellt, dass man die oberen Ebenen der Organisation braucht, um das richtige Problem für KI zu finden, das ausreichend ehrgeizig ist, um einen bedeutsamen P&L-Einfluss zu haben." Dies erfordert jedoch, dass Führungskräfte über die notwendige KI-Kompetenz verfügen, um das "Machbare" zu verstehen.
Während KI-Upskilling in den unteren Rängen einer Organisation die Mitarbeiterzufriedenheit verbessern und monotone Aufgaben reduzieren kann, sehen CFOs oft keine Veränderung in den Geschäftsergebnissen. Die Herausforderung besteht darin, KI nicht nur für kleine Effizienzgewinne zu nutzen, sondern strategisch einzusetzen, um wesentliche Geschäftsziele zu erreichen.
Mitarbeiter-Qualifizierung als Schlüssel
Die Akzeptanz und effektive Nutzung von KI-Tools durch die Belegschaft ist entscheidend für den Erfolg. Viele Mitarbeiter benötigen jedoch einen Anstoß, um mit der Nutzung zu beginnen. Olivia Chiu, Head of Talent Management bei Wealthsimple, berichtet von einer Initiative ihres CTOs: "Unser CTO sagte: 'Ich werde allen einen Nachmittag lang den Kalender freiräumen, und jeder wird eine Claude-Installationsparty machen.'"
Bei dieser Veranstaltung sollten die Mitarbeiter lernen, Claude zu nutzen und damit ein reales Kundenproblem aus ihrem Arbeitsalltag zu lösen. Chiu hebt hervor, dass diese gemeinsame Erfahrung – zu sehen, was in einem Nachmittag erreicht werden konnte, was sonst eine Woche gedauert hätte – ein effektives Change Management darstellt und die Konnektivität fördert.
Der Trend zu schlankeren Teams
Die Ära der KI könnte auch zu einer grundlegenden Veränderung in der Teamstruktur von Unternehmen führen. Sanjana Basu, Partner bei Radical Ventures, beobachtet einen Trend zu "Tiny Teams": "Heute haben wir keine aufgeblähten 30-Personen-Teams, die uns um Finanzierung bitten. Wir haben eine Person, wir haben 16-Jährige, 20-Jährige, 23-Jährige, die uns den ganzen Tag, jeden Tag pitchen."
Diese jungen Gründer nutzen KI-Tools, um Unternehmen mit deutlich weniger Personal aufzubauen. Basu prognostiziert, dass diese hochautonomen Individuen entweder ihre eigenen schlanken Unternehmen gründen oder von größeren Unternehmen eingestellt werden, weil sie in der Lage sind, "wirklich etwas zu bewegen". Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu agileren, KI-gestützten Arbeitsweisen.